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Als unsere Ahnen Tore schossen

Ein Blick in die Sportwelt im Weißeritztal vor hundert Jahren: Freital ist achtmal Ostsachsenmeister im Handball.

Achtmal errangen die Handballer des in Potschappel ansässigen Sportclubs Freital (später mit dem Deubener Verein zu 04 Freital vereinigt) den Titel eines Ostsachsenmeisters. Unser Foto zeigt die Meisterschaft nach dem siegreichen Endspiel von 1924.
Achtmal errangen die Handballer des in Potschappel ansässigen Sportclubs Freital (später mit dem Deubener Verein zu 04 Freital vereinigt) den Titel eines Ostsachsenmeisters. Unser Foto zeigt die Meisterschaft nach dem siegreichen Endspiel von 1924. © Archiv Rudolf Palme

Soweit wie in Österreich und im Bayrischen haben wir es noch nicht gebracht. In den zitierten Regionen stimmt man sogar auf das Fahrrad eine Weise an, die einer speziellen Lobeshymne gleicht: „Ja, mir san mit’m Radl da …“

Staffelläufe „Quer durch Freital“ zählten in den 20er-Jahren im Weißeritztal zu den leichtathletischen Höhepunkten. Unser Foto: Die Siegervertretung beim Zieleinlauf auf den Sportplatz an der Steiger-Gaststätte.
Staffelläufe „Quer durch Freital“ zählten in den 20er-Jahren im Weißeritztal zu den leichtathletischen Höhepunkten. Unser Foto: Die Siegervertretung beim Zieleinlauf auf den Sportplatz an der Steiger-Gaststätte. © Archiv Rudolf Palme

Dessen ungeachtet steht natürlich fest, dass dem Radl auch in unseren Breitengraden ein nichts zu übersehendes Comeback beschieden war. Ganz war es ja eigentlich nicht aus unserem Blickfeld verschwunden. Nicht vergleichbar mit jetzt, wo das Zweirad sogar auf eigenen Wegen rollt, und sein Äußeres ein modernes dem Zeitgeschmack angepasstes Profil angenommen hat. Ich denke, dem badischen Forstmeister Karl Freiherr von Drais wird’s freuen, wo er doch anno 1817 ein allerdings schlichtes zweirädriges Straßenfahrzeug, ein Vorläufer des heutigen Fahrrades, erfand. Wollte man sich damit bewegen, musste man sich freilich mit den Füßen vom Erdboden abstoßen. Anno 1851 ist der Freiherr in ärmlichen Verhältnissen und viel Ärger gestorben.

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Radfahren wird schnell zum Sport

Nur 46 Jahre später tauchen in Deuben die ersten Räder in unserer Gegend auf. 1897 bildet sich im Dorf Deuben mit „Falke“ die erste radelnde Gemeinschaft im Weißeritztal. Und sie war stark. Mit über 80 Mitgliedern zählte „Falke“ Deuben zu den größten Vereinen im Dresdner Raum. In der Vereinigung hatte alles seine Ordnung. Es gab eine Herrenabteilung, die Damen trainierten gesondert. Die Kinder- und Jugendabteilung wurde durch die seinerzeit berühmte Deubener Schieritz-Familie, die wiederholt zu Meisterehren kam und mit Erfolg in einer Reihe von USA-Großstädten auftrat, in Radakrobatik geschult.

Fast jeden Sonntag startete man zu Radpartien, die den Teilnehmern einiges an Kondition abverlangte. Immerhin führten die ausgetüftelten Routen bis Kamenz und retour. Zweitägige Partien hatte das thüringische Gera zum Ziel. Bei Radrennen, etwa vom Deubener Rathaus zur Plauener Hofmühle oder vom Sachsenplatz über Possendorf nach Kreischa, legten sich vor allem Jugendliche ins Zeug.

Als „Falke“ 1927 30-jähriges Bestehen feierte, jubelte ganz Deuben. Man genoss die Radlerkolonnen auf der Dresdner Straße, in die sich selbst Gastvereine aus Westsachsen eingereiht hatten.

Einen Namen machten sich die jungen Artisten aus Freital selbst in den USA. Sie bestachen mit effektvollen Tricks, Tempo und Exaktheit. Unser Foto: Training in Deuben mit der Schieritz-Familie, die seinerzeit einige Meistertitel errang.
Einen Namen machten sich die jungen Artisten aus Freital selbst in den USA. Sie bestachen mit effektvollen Tricks, Tempo und Exaktheit. Unser Foto: Training in Deuben mit der Schieritz-Familie, die seinerzeit einige Meistertitel errang. © Archiv Rudolf Palme

Auf dem Parkett des Sächsischen Wolfes absolvierte der Jubilar sein erstes Radballspiel gegen eine Berliner Vertretung und geriet dabei arg unter die Räder. Radsport war seinerzeit nicht nur Sache der Deubener, Vereine existierten auch in Potschappel, Döhlen und Zauckerode. Das Fahrrad hat sich scheinbar mühelos in unsere Tage gerettet. Fußball wird für gewöhnlich als Ballspielart Nummer 1 bezeichnet. Doch bei uns stand das Kicken jahrzehntelang im Schatten des Handballs. Weniger von der Quantität als von der Qualität. Zwar gab es in den ersten 30 Jahren des 20. Jahrhunderts in etlichen Städten und Dörfern unserer Heimat Fußballmannschaften, die sich allerdings im Vergleich zu anderen sächsischen Vertretungen mit einer Statistenrolle begnügen mussten.

Geschäftstüchtig: Gastwirt stiftet Kegler-Pokal

Anders der Handball, der drei Eisen im Feuer hatte – Rabenau, Niederhäslich und der Sportclub 04 Freital, der 1929 im Endspiel um die ostsächsische Meisterschaft auf den Polizeisportverein Magdeburg traf und sich mit einem 4:3-Erfolg den begehrten Titel erkämpfte. Im Ringen um die Deutsche Meisterschaft unterlag Freital dem Aufgebot von Borussia Karlowitz/Schlesien nur knapp mit 8:7. Zu einem Skandal kam es 1931, als der Freitaler Sportclub in der Vorschlussrunde um die mitteldeutsche Meisterschaft auswärts gegen den Polizeisportverein Weißenfels zu spielen hatte. Nach Ablauf der regulären Spielzeit stand es 5:5. In der notwendig gewordenen Verlängerung erkannte der Schiedsrichter gleich drei Treffer der Freitaler unter fadenscheinigen Gründen nicht an und verhalf so den Platzherren zu einem 8:7-Erfolg.

Handball hat zwar in jüngerer Vergangenheit wieder einiges zugelegt, doch inzwischen gebührt dem Fußball der 1. Platz.

Damals wie heute war Kegeln immer ein Sport der vielen Anhänger. Als Valentin Wolf in den 20er-Jahren die Kegelbahnen des Sächsischen Wolfes in Betrieb nahm, zählte der Keglerverband Freital 31 Klubs. Um die neuen Kampfbahnen den einheimischen Gemeinschaften schmackhaft zu machen, stiftet der Wirt (einer der fähigsten Gastronomen im Plauenschen Grund) eine Trophäe, den Valentin-Wolf-Pokal.

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