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Entscheidet das Los über Freitals Oberliga-Traum?

Fußball: Der Klub von der Weißeritz soll gegen Bautzen um den Aufstieg spielen – und übt deutliche Kritik an diesem Plan. Die Alternative aber ist noch umstrittener.

Blickt äußerst skeptisch auf die Pläne des Sächsischen Fußball-Verbandes: Freitals Trainer Knut Michael.
Blickt äußerst skeptisch auf die Pläne des Sächsischen Fußball-Verbandes: Freitals Trainer Knut Michael. © Karl-Ludwig Oberthür

Geredet wurde vom Saisonabbruch in der Landesliga Sachsen und den vier Landesklasse-Staffeln schon seit Wochen – am Sonnabend machte der Sächsische Fußball-Verband (SFV) endlich Nägel mit Köpfen. Und traf dabei wichtige Entscheidungen. So gibt es keine Auf- und Absteiger – mit einer Ausnahme: Der freie Platz in der NOFV-Oberliga Süd soll besetzt werden.

Die Landesliga-Vereine, wie die SG Motor Wilsdruff oder der VfL Pirna-Copitz, können nun konkret für die neue Saison planen. Wann es in der Landesliga und in der Landesklasse 2021/22 wieder losgehen soll, wurde vom SFV noch nicht terminiert. Anders in der NOFV-Oberliga: Abhängig von der Staffelstärke soll der Saisonauftakt laut Rahmenterminplan am 7. oder 14. August erfolgen.

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Ein Termin, den sich Spieler, Trainer und Verantwortliche des SC Freital und der FSV Budissa Bautzen im Kalender notieren müssen. Beide Vereine haben die Lizenzunterlagen für die 5. Liga eingereicht und inzwischen nochmals bestätigt, dass sie in der kommenden Saison in der NOFV-Oberliga Süd antreten würden. Der SFV erwartet die finale Zu- oder Absage bis 15. Mai.

Der Nordostdeutsche Fußball-Verband (NOFV) erklärte die laufende Saison am Freitag für alle seine Altersklassen ebenfalls für vorzeitig beendet. Um Auf- und Abstiege zu realisieren, wurde die Quotienten-Regelung angesetzt. So steigt aus der NOFV-Oberliga Süd der FC Eilenburg in die Regionalliga Nordost auf, während Wacker Nordhausen und Carl Zeiss Jena II jeweils in die 6. Liga absteigen müssen. Damit wird gewährleistet, dass aus den Landesverbänden Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen insgesamt drei Mannschaften in die NOFV-Oberliga Süd rücken können.

In der Tabelle der Landesliga Sachsen führte Freital mit einem Punkt Vorsprung auf Bautzen. Hätte der SFV ebenfalls die Quotienten-Regelung angewandt, wäre der Sportclub mit einem Wert von 2,71 vorn, Bautzen kommt auf 2,57. Doch der der SFV will zwei Aufstiegsspiele durchführen, die spätestens an den beiden letzten Juni-Wochenenden über die Bühne gehen müssten.

Voraussetzung wäre, dass beiden Mannschaften zuvor drei bis vier Wochen Vorbereitung eingeräumt wird. „Ich sehe da überhaupt kein Problem“, sagt Budissas Trainer Thomas Hentschel. „Wir könnten mit einer Ausnahmeregelung sofort das Training aufnehmen. Warum soll bei uns in Bautzen nicht funktionieren, was 26 Kilometer entfernt in Bischofswerda beim Regionalligisten seit Wochen geht“, sagt der 56-Jährige. Für die kommende Serie haben die Spreestädter bereits einen Torhüter und 15 Spieler unter Vertrag, „die alle auch für die Oberliga gültig sind“, so Hentschel.

„Das ist völlig inakzeptabel“

Doch was passiert, sollte eine sportliche Relegation nicht möglich sein? Dann muss das Los entscheiden. Daniel Wirth, Abteilungsleiter des SC Freital, sagt: „Für uns erschließt sich nicht, warum Sachsen als einziges Bundesland eine ganz andere Ausrichtung anstrebt. Schließlich tendieren fast alle NOFV-Landesverbände zur Quotienten-Regelung.“

Noch deutlicher wurde Trainer Knut Michael schon vor der Entscheidung in Leipzig: „Wir müssen das so akzeptieren, aber ich halte Entscheidungsspiele für nicht durchführbar. Wir haben seit Monaten kein fußballgerechtes Training durchführen können. Die Jungs benötigen eine längere Trainingszeit, vielleicht auch Testspiele, um sich auf diese bedeutenden Partien vorbereiten zu können.“

Der angedachte Losentscheid rief beim SCF-Coach Kopfschütteln hervor: „Ich konnte es im Vorfeld fast nicht glauben, dass ernsthaft seitens des Verbandes über einen Losentscheid nachgedacht wurde. Das ist Glücksspielniveau und völlig inakzeptabel. Ich hoffe, es kommt nicht dazu, schließlich liegen wir einen Punkt vor Bautzen, bei gleicher Anzahl an Spielen.“ Kollege Hentschel hält sich verständlicherweise zurück. „Wir dürfen uns nicht beklagen“, sagt er.

Für die Landesliga Sachsen und die vier Landesklasse-Staffeln wurde unterdessen der Meldetermin für die Abgabe von Erklärungen zum Spielklassenverzicht auf den 15. Juni 2021 verlegt (ursprünglich 30. April). Sollten infolge von Rückzügen Staffelstärken nicht erreicht werden, könnten die Ligen mit Mannschaften aus der nächst-tieferen Spielklasse aufgestockt werden.

Die Erfüllung des Nachwuchssolls wird im Spieljahr 2021/22 ausgesetzt, ebenso die Erfüllung des Schiedsrichtersolls. Der SFV empfahl zudem den Kreisverbänden, ebenfalls die Saison offiziell abzubrechen. Nicht alle wollen dieser Regelung folgen. So plant der Stadtverband Dresden, das Saisonende über den 30. Juni hinaus zu verlängern und die Hinrunde doch noch zu Ende zu spielen. Der Kreisverband Fußball Sächsische Schweiz-Osterzgebirge „wird am Dienstag in seiner Vorstandssitzung eigene Regelungen beschließen“, heißt es auf der KVF-Homepage. (mit jj)

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