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Herausforderung an der Begerburg

Was mit der Sachsenstiege begann, findet inzwischen internationales Interesse. Jetzt sind jedoch Sponsoren für die Sanierung des Kletterweges gefragt.

Thomas Löwinger mit Sohn Tony im „Kurt-und-Georg-Löwinger-Steig“.
Thomas Löwinger mit Sohn Tony im „Kurt-und-Georg-Löwinger-Steig“. © Foto: privat

Von Peter Salzmann

Die Begerburg thront hoch überm Weißeritztal. Mitte des 19. Jahrhunderts vom Architekten Theodor Lehnert für den Dölzschener Gutsherren Gottlieb Beger errichtet, hat sie schon bessere Zeiten erlebt. Doch die Villa im spätromantischen Zeitgeschmack blickt 70 Meter hinab, als wolle das Bauwerk schützend die Hände über die Felskletterer halten, die dort seit 15 Jahren zugange sind.

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Seit 2004 steigen einheimische und ausländische Bergsteiger die rötliche Syenit-Steinbruchwand nach oben. Thomas Löwinger – aktiver Bergsteiger in 3. Generation und Chef des Klettercamps Dresden sowie Geschäftsführer der „Alpin & Umwelt-Service Löwinger GmbH“ – hat mit seinen helfenden Enthusiasten mittlerweile elf Klettersteige installiert, die auch internationale Beachtung finden.

Sanierung des Klettersteigs nach Felssturz nötig

Alles begann 2004 mit der „Sachsenstiege“. Sie zählt zu den zehn besten Kletterstiegen der Welt, galt als die schwerste Stiege in Deutschland und wird als extremer Sportklettersteig mit 50 Metern Länge und mit der Schwierigkeit „F“ eingestuft. Die Stiege ist der 3er-Seilschaft Willy Beck, Kurt und Georg Löwinger gewidmet, die im Juli 1934 den ersten Begehungsversuch der Eiger-Nordwand wagten. Beck stürzte damals und riss die Löwingers von den Standplätzen. Zum Glück verfing sich das Sicherungsseil an einer Felsnase. So konnte sich das Trio abwärts steigend über das Jungfraubahn-Stollenloch selbst retten, musste aber die Eiger-Nordwand-Besteigung abbrechen, bevor die Bergretter eintrafen.

Die Sachsenstiege im Plauenschen Grund wartet jetzt nach einem Felssturz auf eine Sanierung, was rund 30.000 Euro kosten könnte. „Das können wir nicht allein stemmen“, bekennt Thomas Löwinger.

Alle elf Klettersteige der Schwierigkeiten B bis F tragen laut „Klettersteigführer“ einen Namen. Die Taufpaten orientieren sich auch an der Dresdner Stadtgeschichte: „Wettiner Steig“, „August der Starke“, „Gräfin Cosel“ zum Beispiel. Zur Erinnerung an die Altvorderen seiner Familie, des Kletterclubs „TV Erreicht 18“, nannte Thomas Löwinger einen Klettersteig „Kurt-und- Georg-Löwinger-Steig“. Die beiden Brüder bezwangen im Jahr 1934, als sie an der Nordwand scheiterten, erstmals die Eiger-Hörnli-Ostwand und durchstiegen als Erste die Eiger-Südwand.

Elena im „Wettiner Steig“ unterhalb der Begerburg im Plauenschen Grund.
Elena im „Wettiner Steig“ unterhalb der Begerburg im Plauenschen Grund. © Foto: privat

Höhepunkt überm Weißeritztal sind immer das Advents- oder Neujahrsklettern. Seit 2004 kamen dazu schon mehr als 1.800 Bergsportler an den Fels. 2020 ist das aber der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. Dennoch strahlte das Terrain im Lichterglanz. 30 bis 40 Meter lange Lichtschlauchbänder wiesen den Weg himmelwärts und sorgten für ein festliches Flair. Beliebt ist auch das alljährliche „Geläut am Berghang“, zur Kletterei gibt es dann unter anderem Kuhglockenläuten.

Traditionsgemäß sorgen Sänger des Sächsischen Bergsteigerchores „Kurt Schlosser“ für stilechte Vokalmusik. Einer von ihnen ist Dirk Schmidt: „Wir sind gern dabei und wollen mit unseren Liedern zur Bergromantik beitragen.“ Lagerfeuer, „Gipfelspieß im Tale“, Gulasch, Glühwein und Knüppelkuchen gehören seit Jahren dazu.

Freitags ins Klettercamp

Löwinger will unterstrichen wissen: „Stirnlampe, Bergschuhe, Klettersteigset, Helm und Handschuhe muss jeder auch künftig mitbringen oder kann diese Utensilien bei uns gebührenpflichtig ausleihen.“ Für Sicherheit sorgen die Kameraden der Feuerwehr-Höhenrettung. Ihr Leiter Jens von Burski garantiert: „Wir sind mit Wand und Steig bestens vertraut, weil wir hier in Dölzschen unser Training absolvieren können.“

Endlich: Nach der Corona-Zwangspause treffen sich seit 14. Mai die Kletterer wieder immer freitags im Camp. Zu ihnen gehörten in der Vergangenheit auch Mitglieder des TC „Wolfstürmer“, Dr. Peter Popp sowie die Ex-Tourist“-Redakteurin Eva-Ursula Petereit. Zu den Stammgästen gehört auch Dany aus Hamburg, die bisher 300 Klettersteige in aller Welt begangen hat.

„Via Ferrata Bridge“ verbindet nun die Klettersteige

Oft dabei ist auch der rumänische Spitzen-Alpinist Constantin Nimat. Zu Ehren seines neugeborenen Sohnes taufte er die schwerste Route auf den Namen „König Carol“.

Das internationale Interesse wird immer größer. Auch Claudia Schmid aus Innsbruck war im Plauenschen Grund. Sie meisterte in ihrer beispiellosen Laufbahn 488 Klettersteige und hat sich im österreichischen Olympia-Bob-Team einen Namen gemacht. Der tschechische Bergsteiger Karel Belina hatte sich erst im „Camp“ umgesehen und dann in Dêĉin unterhalb des Zoos an der Schäferwand einen Klettersteiggarten eingerichtet.

Thomas Löwinger versichert, auch 2021 alles zu tun, damit die Kletter- und Bergfreunde an der Naturfelswand unterhalb der Begerburg viel Freude haben.

Erst kürzlich ist die Seilbrücke „Via Ferrata Bridge“ montiert worden, die die Klettersteige verbindet. Auch Corona sollte so schnell keinen Strich mehr durch die Planungen der Kletterer machen. „Unser Hygienekonzept stimmt“, sagt Löwinger, erarbeitet in Anlehnung zum Freiklettergelände des SBB- Stützpunktes.

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