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„Ich konnte nicht widerstehen“

Paul Leiteritz ist noch keine 30 – und einer der Top-Funktionäre im Fußball im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Dabei begann er als Turner.

Da hat der SZ-Fotograf das Gespür für den richtigen (Tor-)Moment gehabt: Paul Leiteritz im Freitaler Johannes-May-Stadion.
Da hat der SZ-Fotograf das Gespür für den richtigen (Tor-)Moment gehabt: Paul Leiteritz im Freitaler Johannes-May-Stadion. © Egbert Kamprath

Paul Leiteritz hat sich ganz dem Sport verschrieben. Der 29-Jährige aus dem Bannewitzer Ortsteil Welschhufe ist ehrenamtlicher Schiedsrichter, Geschäftsführer des Fußballkreisverbandes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und, seit Beginn dieses Jahres, auch Geschäftsführer des SC Freital. Im Interview erzählt der gelernte Kaufmann für Verkehrswesen, wie es dazu kam und erklärt, warum er streng darauf achtet, beide Geschäftsführer-Jobs nicht miteinander zu vermengen.

Herr Leiteritz, Fußballfreunde der Region kennen Sie vor allem als Schiedsrichter. Wie kam es zum Sprung in die Chefetage bei Verband und SC Freital?

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Das ist eine lange und schöne Geschichte. Ich kann sagen, dass ich sehr glücklich über meine beiden Arbeitsstellen bin. Was gibt es Schöneres, als quasi sein Hobby zum Beruf machen zu können? Ich habe ziemlich zeitig schon meine Fußballschuhe an den berühmten Nagel gehängt, wollte aber unbedingt weiter in diesem Metier bleiben.

Mit 19 Jahren wurde ich schon Schiedsrichterobmann in meinem Heimverein, der SG Empor Possendorf. Dann kam ich in den Schiedsrichterausschuss im Kreisverband. Diese Arbeit machte mir sehr viel Spaß, zumal durch unseren Präsidenten Julian Schiebe auch ein altersmäßiger Strukturwandel angestrebt wurde und wird. Julian ist gerade einmal 26 Jahre alt. Vizepräsident Philipp Jacob, der auch Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses ist, zählt auch erst 30 Jahre.

Somit konnte ich dem Angebot, als Geschäftsführer zu arbeiten, nicht widerstehen. Da dieser Job aber keine Vollzeitstelle ist, benötigte ich noch etwas Anderes. Und da kam der SC Freital zu Hilfe, dort suchte man für den neuen Großverein einen Geschäftsführer.

Ist es für Sie schwierig, beide Stellen streng zu trennen?

Ich bin als Schiedsrichter Objektivität gewohnt, dadurch fällt mir der Umgang mit beiden Dienststellen leicht. Ich bin ja letztendlich auch kein Entscheider von irgendwelchen Dingen, weder im Kreisverband noch beim SC Freital. Dafür sind die Vorstände da. Sicher wird es immer Stimmen geben, die mir vielleicht eine gewisse Parteilichkeit unterstellen wollen, aber auch das bin ich als Schiri bestens gewohnt und kann damit umgehen.

Nun könnte es ab der nächsten Saison Oberligafußball in Freital zu sehen geben. Ist der Verein dafür gewappnet?

Wir wissen, dass der Sprung aus der Landesliga in die Oberliga ein recht gewaltiger ist. Er käme sicherlich schneller als erwartet, aber in dieser speziellen Coronazeit lagen wir nach sieben absolvierten Punktspielen ungeschlagen an der Tabellenspitze. Das als Aufsteiger ist schon ein Riesenerfolg. Natürlich wäre der erneute Aufstieg aber nicht nur sportlich eine Herausforderung. Da müssen viele Dinge überarbeitet und angepasst werden.

Das geht mit Sicherheitskonzepten los und führt über Mehrausgaben durch längere Fahrtwege und höhere Schiedsrichterkosten bis hin zu administrativen Verbesserungen wie Pressearbeit oder Sponsorensuche. Aus sportlicher Sicht haben wir uns mit Robin Fluß aus Bischofswerda, Eric Ranninger vom VfL Pirna-Copitz, dem Freiberger Christopher Hauswald sowie Paul Szuppa aus unserer zweiten Mannschaft schon sehr gut verstärkt.

Doch die Entscheidung über einen möglichen Aufstieg fällt erst am 26. Juni …

Ja, dieser Tag wird richtungsweisend für uns sein. Wir werden im Weißiger Sportpark (Dresden-Weißig; Anm. d. Red.) unser Relegationsspiel gegen Budissa Bautzen austragen. Diese Entscheidung hat uns viel Bauchweh bereitet. Überall wird der Aufsteiger über die Quotientenregel gesucht, nur hier lässt man ein Entscheidungsspiel austragen. Und das, obwohl wir einen Punkt vor Budissa liegen. Aber gut, wir stellen uns diesem Spiel. Die Jungs sind seit Donnerstag im Training, sie wissen, um was es geht. Immerhin locken ja in der Oberliga Teams wie Rot-Weiß Erfurt.

Wie hat der Verein den Corona-Lockdown verkraftet?

Der ganz große Mitgliederschwund ist ausgeblieben. Natürlich gab es keine Neuanmeldungen. Wir werden aber wieder verstärkt in Kindergärten und Schulen auftreten und unseren Verein präsentieren. Außerdem haben wir trotz Corona zwei neue Sponsoren gewonnen.

… und wie hat der Kreisverband diese Pandemie überlebt?

Natürlich gab es überall ein großes Aufatmen, dass man wieder ordentlich trainieren kann. Jeder brennt jetzt darauf, dass man demnächst eine komplette Saison mal durchspielen kann. Wir wollen nun sogar den Kreispokal noch zu Ende bringen. Ich denke schon, dass wir in dieser schwierigen Zeit immer aktuell mit unseren Vereinen in Kontakt standen, ihnen bei den oft sehr undurchsichtigen Coronagesetzen geholfen haben.

Sie selbst hätten sich als Kind beinahe für eine andere Sportart entschieden?

Ja, in Possendorf ist das Turnen sehr populär. Von der ersten Klasse an bis zur achten Klasse habe ich geturnt, aber auch schon Fußball gespielt. Mit 14 wurde ich Schiedsrichter, durfte sogar bis zur Landesklasse pfeifen. Ich habe dann noch bei den zweiten Männern gespielt und auch einige Partien in der ersten Mannschaft absolviert.

Das Gespräch führte Jens Jahn.

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