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Sieben Fragen zum Freitaler Stadtzentrum

Kino, Zufahrten, Mietpreise - was die Bürger über das Bauvorhaben im Stadtkern wissen wollen.

Wiese, Plattenweg, Firmengelände: So sieht Freitals Stadtzentrum derzeit aus.
Wiese, Plattenweg, Firmengelände: So sieht Freitals Stadtzentrum derzeit aus. © Egbert Kamprath

Von oben betrachtet gleicht das ganze eigentlich einem Scherz. Wiese und ein halb zugewucherter Plattenweg sind auszumachen. Jenseits des Flusses sieht man einen Betriebshof mit Hallen und einem zubetonierten Innenhof. Das bitte schön soll ein Stadtzentrum sein?

Ja, denn wo heute noch eine gewisse Trostlosigkeit herrscht, soll bald die neue Mitte der Stadt entstehen. Bekannt wurde bisher, dass auf der Wiese - nach einem Gasthaus Sächsischer Wolf genannt - ein Einkaufszentrum mit Stadtplatz gebaut werden soll. Und da, wo heute noch die Becker Umweltdienste ihren Sitz haben, wird ein neues Wohngebiet entstehen.

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Das Stadtzentrum, sagt Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg, ist aber viel größer. Es geht vom Busbahnhof über das City Center, das Technologiezentrum zum Neumarkt und dem Windbergpark, weiter über den Sächsischen Wolf und das Gelände der Firma Becker bis zum Mühlenviertel. Rumberg sprach von vielen kleinen Bausteinen, die letztendlich zu Freitals neuer Mitte gehören.

Über die Pläne wurde am Donnerstagabend bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung gesprochen. Etwa 30 Freitaler und Freitalerinnen nutzten die Gelegenheit, von der Stadtplanerin Josephine Schattanek und dem Architekten Hardy Wolf über die neuen Entwicklungen informiert zu werden.

Anschließend gab es eine Fragerunde. Das wollten die Freitaler wissen.

Ist im neuen Stadtzentrum Platz für ein Kino oder die Spielbühne?

Das Problem an solchen kulturellen Institutionen ist, dass sie nicht wirtschaftlich sind. Der Investor für das Stadtzentrum muss aber wirtschaftlich agieren. So argumentiert der Architekt. "Die Spielbühne hat auch erst eine neue Spielstätte im alten Pfarrhaus Döhlen gefunden."

Das Kino betreffend ist die Marktlage schwierig. Wolf: "Es gab Kontakte zu möglichen Betreibern, aber es ist kein Interesse vorhanden, in Freital etwas zu eröffnen." Viele Kinobetreiber haben spätestens seit Corona ohnehin schon Probleme, ein Kino in Freital ist da eher nicht denkbar, zumal die Konkurrenz in Dresden groß ist.

Oberbürgermeister Uwe Rumberg ergänzte, es gäbe Pläne, im Stadtkulturhaus Kinoabende in kleinem Maßstab zu veranstalten. "Das ist noch nicht ganz ausgereift, aber die Idee ist da."

Warum wird über den Parkplatz des Einkaufszentrums Verkehr geleitet?

Das Einkaufszentrum soll zwei Zufahrten bekommen, eine von der Leßkestraße und eine von der Dresdner Straße. Anwohner der Häuser Leßkestraße befürchten viel Lärm und Abgase hinter ihren Häusern. "Das wird für alle, die von der Leßkestraße kommen und jetzt vorn an der Dresdner nicht links abbiegen können, eine prima Durchfahrt", argumentiert ein Anwohner. Dann haben alle, die dort jetzt wohnen, gar keine Ruhe mehr.

Hardy Wolf erklärt, dass die Zufahrt Leßkestraße dem Investor auferlegt wurde. "Sie dient unter anderem als Zugang zum Umspannwerk." Er deutet aber an, dass es hinsichtlich der Aufteilung des Parkplatzes noch Spielraum gibt. Beispielsweise könnte man an der Rückseite der Wohngrundstücke Leßkestraße Pkw-Stellplätze für Angestellte anordnen. Dann herrsche da nur früh und abends Bewegung und die parkenden Autos schirmen den Verkehr von den Wohngrundstücken ab.

Wird es eine Zufahrt von Müllers Weg zum Stadtzentrum geben?

Definitiv nicht, sagt Architekt Wolf. Man plane keine Verknüpfung von Müllers Weg zum Wohngebiet auf dem heutigen Beckergelände, vorerst noch nicht einmal für Passanten oder Radfahrer. Das Wohngebiet wird über den Sachsenplatz erschlossen, angelegt wird eine Sackgasse mit Wendehammer.

Zudem gibt es eine Verbindung für Fußgänger und Radfahrer zum Einkaufszentrum: Dafür wird eine Brücke über die Weißeritz gebaut.

Ist der Deubener Mühlgraben im neuen Mühlenpark ein stehendes Gewässer?

Derzeit wird auf dem Gelände der ehemaligen Lederfabrik der Mühlenpark angelegt. Er wird vom Deubener Mühlgraben durchschnitten, dessen Betonkanal unter Denkmalschutz steht. Stadtplanerin Schattanek erklärt, dass die unterschiedlichen Zuflüsse vor dem Graben nahe der Körnerstraße gesammelt und am Mühlgraben vorbeigeleitet werden.

Zudem wurde beim Bau des Parks eine unterirdische Zisterne angelegt, in der sich Regenwasser sammelt. Diese verfügt über ein Umwälzungssystem und speist frisches Wasser in den Mühlgraben ein.

Bekommt die Poisentalstraße mehr Grün?

Auf dem Gelände der ehemaligen Lederfabrik entsteht zwar der Mühlenpark, aber es werden auch Flächen für eine spätere Bebauung freigehalten. Schon länger ist davon die Rede, dort ein Behördenzentrum fürs Kultusministerium und das Landratsamt anzusiedeln.

"Der Mühlenpark bleibt jedoch bestehen und wird zum grünen Innenhof einer späteren Bebauung", sagt Schattanek. Schon jetzt werden an der Poisentalstraße auch Pflanzinseln angelegt.

Problematisch ist es jedoch, an der Poisentalstraße große Bäume zu pflanzen. Denn die Wurzeln könnten mit ihrem Wachstum Leitungen und Kanäle beschädigen.

Wie teuer wird das Wohnen an der Leßkestraße?

Die Wohnungsgesellschaft Freital plant, an der Leßkestraße Wohnhäuser zu errichten. Geschäftsführer Henryk Eismann, der ebenfalls im Podium der Informationsveranstaltung saß, erläuterte kurz das Projekt "Windbergterrassen".

Geplant sind vier Baukörper, in zwei Komplexe eingeteilt. Es geht um 39 Wohnungen auf insgesamt 4.200 Quadratmeter Wohnfläche. Zudem entstehen 1.200 Quadratmeter Gewerbefläche. Man wolle vor allem auch größere Mietwohnungen für Familien mit Kindern anbieten.

Zu den Mietpreisen kann er noch nichts sagen. "Wir arbeiten derzeit an der Baugenehmigung, das ist nicht so einfach." Vor allem das Thema Hochwasserschutz und Überschwemmungsflächen für die Weißeritz spiele da eine Rolle.

"Grundsätzlich wollen wir dort Qualität für hochwertiges Wohnen bauen. Die Mietpreise werden sich an den Baupreisen orientieren müssen, die derzeit immer mehr steigen. "Es wird wohl bei einer Kaltmiete ab zehn Euro losgehen", sagt Eismann.

Was wird aus dem Verwaltungsgebäude der Becker Umweltdienste?

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"Das Gebäude bleibt stehen", sagt Hardy Wolf. Die Firma Becker hat es nicht mit verkauft, sondern möchte es weiter für die Verwaltung der Firma nutzen. Ebenso ist angedacht, dort Flächen für sogenanntes nicht-störendes Gewerbe zu vermieten, also beispielsweise Büros.

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