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Stromausfall: Warum gibt es keine absolute Sicherheit?

Die Freitaler erlebten am Montag zum zweiten Mal in zwei Jahren einen Kollaps der Energieversorgung. Vor allem die Wirtschaft spürt die Folgen.

Ampel aus an der Poisentalstraße: Wie bereits Anfang November 2019, kam es auch am 13. September zum Stromausfall.
Ampel aus an der Poisentalstraße: Wie bereits Anfang November 2019, kam es auch am 13. September zum Stromausfall. © Egbert Kamprath

Als am 4. November 2019 in Freital plötzlich der Strom ausging, glaubten viele noch an einen Einzelfall. Nun wiederholte sich das Szenario nur 22 Monate später: Am vergangenen Montag, gegen 14 Uhr, war plötzlich alles tot.

In der Stadt fielen die Ampeln aus. In den Einkaufsmärkten flammte die Notbeleuchtung auf. Auf der Dresdner Straße schauten sich die Ladeninhaber hilflos an. In Büros blieben die Bildschirme dunkel. Telefone funktionierten nicht mehr.

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Der Blackout dauerte zwar nur wenige Minuten. Gut 25 Minuten nach dem Ausfall kam der Strom in Freital-Potschappel zurück, schrittweise wurde die Versorgung in allen anderen Stadtteilen wieder hergestellt.

Wie später bekannt wurde, hatte es eine Havarie in einem Dresdner Umspannwerk von Sachsen Energie gegeben. Ein simpler Ballon aus Metallfolie, wie er auf Volksfesten verkauft wird, hatte sich in den Leitungen des Umspannwerks verfangen. Doch die Folgen sind durchaus groß, auch in Freital.

Edelstahlwerk wieder betroffen

Vor allem das Edelstahlwerk ist abermals betroffen. Schon 2019 musste man einen Produktionsausfall verkraften, der das Unternehmen einen hohen sechsstelligen Betrag kostete.

Nun habe der erneute Stromausfall die Produktion wiederum erheblich gestört und unterbrochen, teilt Werksleiter Alexander Grosse mit. "Wir waren etwa eineinhalb Stunden abgeschnitten und konnten erst dann wieder langsam die Anlagen hochfahren. Während des Ausfalls standen sämtliche Anlagen im Werk still."

Was das bedeutet? Von jetzt auf gleich stoppen sämtliche Maschinen. In den Öfen erkaltet das Material, in den Walzen bleiben halbfertige Teile stecken und kühlen aus. Sie müssen dann händisch herausgeholt werden.

Doppelte Sicherheit hilft nur bedingt

Zwar sei der Schaden voraussichtlich nicht ganz so groß wie 2019. "Dennoch führen derartige Stromausfälle wie der vom Montag zu enormen Kosten für unser Werk. Besonders, wenn sie so unvorhergesehen und ohne Reaktionszeit eintreten." Die genaue Höhe des Schadens werde derzeit noch ermittelt, so Werksleiter Grosse weiter.

Das Edelstahlwerk ist ein Stromfresser. Damit es gut und stabil versorgt werden kann, führen zwei Hochspannungsleitungen ins Betriebsgelände. Fällt eine aus, wäre es kein Problem. Doch was nützen beide Leitungen, wenn ganz Freital unversorgt ist?

Damals, im November 2019 kam der Ausfall noch mit Ansage. Weil eine Person auf einen Hochspannungsmast bei Weißig geklettert war und zu verunglücken drohte, schaltete die Enso - heute heißt das Unternehmen Sachsen Energie - auf Bitte der Polizei den Strom ab. Man konnte damals noch einige große Betriebe und Einrichtungen wie Stadtverwaltung, Krankenhaus oder eben das Stahlwerk warnen, bevor der Schalter umgelegt wurde.

Klinik hat große Notstromaggregate

Dieses Mal gab es keinerlei Warnungen. Für Einrichtungen wie die Helios Weißeritztal-Klinken ist das kein Problem. „Wir haben zum Beispiel in Freital zwei Notstromaggregate, die innerhalb von neun bis zehn Sekunden anspringen und hochfahren“, schildert Klinik-Sprecherin Heike Klameth.

Damit in der Zwischenzeit beispielsweise Computertechnik und Telefonanlage nicht ausfallen, ist ein Akku dazwischengeschaltet. Lebensnotwendige Geräte wie die Beatmungs- und Narkosegeräte in den Operationssälen haben ohnehin eingebaute Batterien.

Sobald die Notstromaggregate laufen, versorgen sie die gesamte Klinik. Am kleineren dieser Dieselaggregate hängen Operationssäle, Intensiv- und Überwachungsstation sowie alle grünen Steckdosen im Krankenhaus. Das Personal weiß: Diese führen immer Strom. Ein zweites, größeres Notstromaggregat versorgt die Klima- und Lüftungstechnik in den Operationssälen sowie die Lichtanlage.

Solaranlagen helfen nur bedingt weiter

Auch die Stadtwerke Freital, der Energieversorger vor Ort, verfügt über solche Aggregate, schon allein deshalb, um die gesamte Computer- und Steuerungstechnik am Laufen zu halten.

Doch die Stadtwerke sind kein Stromproduzent. Zwar werde in Freital auch Strom aus Fotovoltaikanlagen produziert - auf privaten Hausdächern ebenso wie bei Gewerbebetrieben oder öffentlichen Gebäuden. "Aber das reicht niemals, um solche Ausfälle irgendwie abzufedern", sagt Matthias Leuschner, Geschäftsführer der Stadtwerke.

Denn auch Fotovoltaikanlagen verfügen über Steuertechnik, die Strom verbraucht. "Aber wenn die Versorgung derart ausfällt, hilft auch keine Sonne", so Leuschner.

26.800 Kunden in Freital betroffen

Den Großteil des Stromes, der in Freital verbraucht wird, beziehen die Stadtwerke von der Sachsen Energie. Eingespeist wird dieser über eine 110-Kilovolt-Trasse, die über Weißig verläuft. Zehn sogenannte Mittelspannungsabgänge verteilen den Strom innerhalb der Stadt.

Diese mussten am Montag schrittweise wieder zugeschaltet werden. Das war der Grund, weshalb manche Stadtteile schon innerhalb einer halben Stunde, andere erst deutlich später wieder Strom hatten. Betroffen waren in Freital rund 26.800 Netzkunden.

Schon beim Ausfall 2019 wurde im Stadtrat diskutiert, inwiefern man solch ein Netz besser absichern könnte, zum Beispiel über eine zweite Hochspannungsleitung, die Strom nach Freital transportieren kann.

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Leuschner: "Das wäre ein riesiger finanzieller Aufwand, wirtschaftlich nicht darstellbar. Es würde zwar helfen, wenn man wie 2019 eine Leitung abschalten müsste. Aber bei einem Systemausfall wie vom Montag bringt auch eine zweite Einspeisung nichts, weil der Strom aus dem Netz von Sachsen Energie kommt. Und das war gestört."

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