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Freital: Spielerisch regionale Ausbildungsplätze kennenlernen

Wäre das ein Beruf für mich? Diese Frage stellen sich Schülerinnen und Schüler aus dem Landkreis beim Talentparcours. Die Auswahl ist groß.

Von Simon Lehnerer
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Felix Thomas (l.) und Azubi Johann Oberländer von der Firma Rohr- und Kanalservice Berndt erklären Oberschülern aus Sebnitz das Berufsbild der Fachkraft für Rohr-, Kanal-, und Industrieservice.
Felix Thomas (l.) und Azubi Johann Oberländer von der Firma Rohr- und Kanalservice Berndt erklären Oberschülern aus Sebnitz das Berufsbild der Fachkraft für Rohr-, Kanal-, und Industrieservice. © Egbert Kamprath

Eine Jungsgruppe hat die Köpfe zusammengesteckt und beugt sich über einen offenen Gully im Pausenhof des Berufschulzentrums (BSZ) "Otto Lilienthal" in Freital. Ein schwarzer Schlauch mit einem Metallaufsatz hängt in dem Loch zu ihren Füßen. Dann heißt es: Wasser marsch! - und die Jugendlichen machen unter Gelächter einen Satz nach hinten, weil ihnen die Flüssigkeit aus dem Schlauch sprühregenartig entgegenkommt. "So werden bei uns die Rohre gesäubert", erklärt Felix Thomas, Mitarbeiter der Berndt Rohr- und Kanalservice GmbH. Die Kesselsdorfer Firma ist eines von insgesamt 50 ausstellenden Unternehmen und Institutionen beim diesjährigen Talentparcours mit dem Projektnamen "Mein Talent. Meine Interessen. Mein Beruf."

Bereits zum dritten Mal fand am Montag, 24. April, der Talentparcours als Maßnahme der beruflichen Orientierung im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge statt. 900 Schülerinnen und Schüler der neunten Jahrgangsstufen aus 15 verschiedenen Schulen von Sebnitz bis Altenberg konnten bei den vielen Ständen im BSZ Arbeitspraxis hautnah erleben, erste Kontakte zu regionalen Firmen knüpfen und sich damit vielleicht schon einen Praktikums- oder Ausbildungsplatz sichern. Der Begriff Parcours kommt davon, dass die Jugendlichen innerhalb eines Durchgangs, die von ihnen ausgewählten Stationen auf den drei Etagen und im Außenbereich des Gebäudes abklappern.

"Uns ist wichtig, dass die Interessenten an den jeweiligen Ständen etwas Praktisches machen, um zu fühlen, ob es ihnen Spaß macht und sie sich vorstellen können, diesen Beruf zu ergreifen", sagt Manuela Förster, Leiterin der Stabstelle Wirtschaftsförderung im Landratsamt.

Nach einer kurzen Begrüßung durch die BSZ-Schulleiterin Ina Driesel schwirren die Jugendlichen, zumeist in Kleingruppen, aus. Am Stand des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) tummeln sich mehrere Neuntklässler. Hier wird mit einem beschwerten Ganzkörperanzug simuliert, wie es sich anfühlt, im Rentneralter zu sein. Zu den Gewichten am Torso kommen noch Arm- und Beinmanschetten und eine Brille, die verdeutlicht wie die Sehkraft durch das Alter abnimmt. Dann zeigt ein Mitarbeiter des DRK den Schülerinnen und Schülern, wie man richtig mit den Menschen umgeht, wenn sie körperlich eingeschränkt sind. "Ich finde das sehr cool, weil wir an den Stationen selbst etwas machen dürfen und nicht nur Fakten zu den Berufen erklärt bekommen", sagt Aliah von der Oberschule Schmiedeberg.

Schwere Geschütze aufgefahren

Ein paar Türen weiter hat die Firma Herbrig & Co. aus Altenberg schwere Geschütze aufgefahren - in Form von großen Maschinen für Präzisionsdrehteile. Normalerweise im Einsatz für Automobilindustrie oder Medizintechnik fräsen sie heute kleine Metall-Spielsteine für ein Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel. "Wir erhoffen uns, mit dem Stand zukünftige Azubis und Azubinen für unsere Arbeit als Werkzeug- und Zerspanungsmechaniker zu begeistern", sagt Herbrig-Mitarbeiter Stefan Leuteritz. Kleine Andenken aus den Workshops beim Talentparcours kommen scheinbar gut an.

Das weiß auch das Unternehmen Sachsenküchen H.-J. Ebert aus Obercarsdorf. Interessierte können ein eigenes Werkstück fertigen, beispielsweise einen Kerzenständer oder eine Handyhalterung. "Ich wollte etwas aus Holz bauen, weil mir das einfach liegt. Leider sind die eineinhalb Stunden des Parcours schon bald wieder vorbei und ich habe nur zwei Stände geschafft", erklärt Ricardo, von der Marie-Curie-Oberschule in Dohna. Er bräuchte noch etwas Zeit, sich die anderen Stationen auf seiner Liste anzusehen, doch seine Klasse fährt gleich zurück - für die Aussteller beginnt nun die zweite Runde des Parcours.