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Freitaler Schüler fordern barrierefreien Bahnhof

Es geht um den Haltepunkt in Hainsberg-West, der für Gehbehinderte unzugänglich ist. Ein Fall zeigt, welche Umwege manche Fahrgäste machen müssen.

Schüler der "Schule im Park", darunter die beiden Rolli-Fahrerinnen Laura und Michelle, fordern einen barrierefreien S-Bahn-Halt in Hainsberg-West.
Schüler der "Schule im Park", darunter die beiden Rolli-Fahrerinnen Laura und Michelle, fordern einen barrierefreien S-Bahn-Halt in Hainsberg-West. © Lebenshilfe e.V.

Die Treppe zieht sich über mehrere Absätze steil nach unten. Oben am Zugang auf der Brücke an der Somsdorfer Straße ist eine Gruppe Schüler eingetroffen. Die meisten stehen, zwei Mädchen jedoch sitzen im Rollstuhl. Ihre Klassenkameraden halten Schilder in die Höhe: "Barrierefreiheit für alle" und "Meine Stimme für Inklusion" ist darauf zu lesen.

Denn mit der Barrierefreiheit ist es am S-Bahn-Halt in Hainsberg-West nicht weit her. Als Zugang zu den zwei Bahnsteigen in Richtung Dresden und Richtung Tharandt gibt es nur die steile Treppe. Höchst umständlich zu bewältigen ist die Anlage für Menschen, die nicht gut zu Fuß sind oder für Eltern mit Kinderwagen. Rollstuhlfahrer haben hier keine Chance.

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Mit dem Bus nach Deuben zum Zug

So wie Schülerin Laura. Die 20-Jährige besucht die nahe gelegene "Schule im Park", eine Bildungseinrichtung für Kinder und Jugendliche mit Behinderung. Laura sitzt im Rollstuhl und ist komplett auf Unterstützung angewiesen. Wandertage und Exkursionen sind für sie ohnehin eine Herausforderung, aber auch eine schöne Abwechslung. Wenn da nicht die Sache mit dem Bahnhof wäre.

„Sie muss, um mobil zu sein, in Begleitung ihrer Einzelfallhelferin 30 Minuten eher als ihre Mitschüler starten und erst einmal mit dem Bus zum Bahnhof Freital-Deuben fahren. Dort trifft sie dann auf die anderen“, beschreibt die Schulleiterin Kerstin Kober die Umstände. Denn Deuben hat das, was in Hainsberg-West fehlt: ein Aufzug. „Diese Situation ist für alle betroffenen Schüler, so auch für unsere Michelle aus der Oberstufe, eine wirkliche Belastung", kommentiert Kober.

Und es sind nicht nur die Schüler aus der Förderschule, für die ein barrierefreier Zugang eine Erleichterung wäre. Nur einen Steinwurf vom Bahnhof entfernt befindet sich das Seniorenwohnheim Herbstsonne, betrieben vom DRK. Auch für dessen Bewohner beginnt eine Zugfahrt immer mit einem beschwerlichen Abstieg.

Steil und viele Stufen: Der Zugang zu den Bahnsteigen in Hainsberg-West ist für Menschen mit Gehbehinderung, aber auch für Eltern mit Kinderwagen schwierig bis unmöglich zu bewältigen.
Steil und viele Stufen: Der Zugang zu den Bahnsteigen in Hainsberg-West ist für Menschen mit Gehbehinderung, aber auch für Eltern mit Kinderwagen schwierig bis unmöglich zu bewältigen. © Karl-Ludwig Oberthür

Deutsche Bahn plant Millioneninvestition

Der Bahnhof gehört der Deutschen Bahn. Jedoch halten hier nur die Nahverkehrszüge, die im Auftrag des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) im S-Bahn-Netz unterwegs sind. Beide Unternehmen planen, insgesamt 25 Stationen im Großraum Dresden zu modernisieren. Bis 2025 soll das erledigt sein.

Dazu wurde bereits im Herbst 2019 eine Rahmenvereinbarung unterzeichnet. Es geht um ein Sofortprogramm in einem Wert von 34,5 Millionen Euro. Auf der Liste steht auch der Halt in Hainsberg-West, ebenso wie die Bahnhöfe in Geising, Oberschlottwitz, Obervogelgesang, Königstein, Krippen, Schmilka-Hirschmühle und Schöna.

Bei der Deutschen Bahn, dem Bauherrn heißt es, man habe Planungen für den Bau eines Aufzugs in Hainsberg-West in Auftrag gegeben. "In der sogenannten Vorplanung werden nun die Projektideen in eine genauere Planung überführt, Planungsunterlagen entwickelt und alternative Lösungen untersucht. Die Ausschreibungen für die Vermessungs- und Planungsleistungen laufen. Ist ein Planungs- und Vermessungsbüro gebunden, startet ein umfangreicher Planungs- und Genehmigungsprozess", erläutert Jörg Bönisch, Pressesprecher bei der Deutschen Bahn.

Baustart noch völlig unklar

Beim Verkehrsverbund bestätigt man, dass man an dem Thema dran sei. Nur, was den Zeitpunkt der Bauarbeiten betrifft, ist man sich nicht ganz einig. "Die Umsetzung ist für 2023/24 geplant", teilt VVO-Sprecher Christian Schlemper mit. Bei der Deutschen Bahn heißt es dagegen: "Realistisch ist, die Station in etwa fünf bis sechs Jahren barrierefrei ausgebaut zu haben."

Die beiden Schülerinnen Laura und Michelle haben bis dahin die Schule verlassen. Aber es werden ihnen andere Kinder nachfolgen, die auch auf einen barrierefreien Zugang angewiesen sind.

Deshalb unterstützt der Verein Lebenshilfe Pirna-Sebnitz-Freital die Schüler bei ihrer Forderung. Dort bezeichnet man Bahnhöfe wie den in Hainsberg-West als unzumutbar. Und es geht nicht nur um den Zugang zu einem Bahnhof. "Barrieren gibt es überall. Dabei sind vor allem sprachliche Barrieren im Internet, schlechte Beschilderungen bei den öffentlichen Verkehrsmitteln und schwer verständliche Anträge und Formulare ein Thema", zählt Julia Klein von der Lebenshilfe auf.

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