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Bahnfahren: Haltestellen sollen barrierefrei werden

Der Verkehrsverbund Oberelbe und die Deutsche Bahn haben schon 66 Stationen umgebaut. Sieben weitere sollen folgen - bis 2029.

Christian Schlemper vom Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) am Haltepunkt Oberschlottwitz. Dieser gehört zu jenen, die noch nicht barrierefrei umgestaltet wurden.
Christian Schlemper vom Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) am Haltepunkt Oberschlottwitz. Dieser gehört zu jenen, die noch nicht barrierefrei umgestaltet wurden. © Karl-Ludwig Oberthür

Den Ausstieg aus dem Zug schafft Christian Schlemper mühelos. Er ist jung und sportlich. Ältere Menschen und Rollstuhlfahrer hätten hier ihre Mühe. Und das weiß auch Schlemper, der beim Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) arbeitet und fast alle Haltestellen in der Region kennt. In den letzten Jahren wurden viele umgebaut, sagt er. Derzeit sind im Verbandsgebiet 66 Bahnhöfe und Haltepunkte barrierefrei. Doch hier in Oberschlottwitz gibt es Nachholbedarf.

Der Haltepunkt ist für gehbehinderte Menschen auch nicht so leicht zu erreichen. Zwei Rampen führen von der Müglitztalstraße hier hinauf. Und die Bahnsteinkante liegt auch recht tief. Kein Einzelfall. Im Landkreis gibt es noch etliche weitere Bahnhöfe und Haltepunkte, die nicht barrierefrei gestaltet sind.

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Behindertenbeauftragte sieht noch Handlungsbedarf

Trotzdem ist der Verkehrsverbund mit dem bisher Erreichten schon ganz zufrieden. Im gesamten Verbandsgebiet sind die am häufigsten frequentiertesten Haltestellen und Bahnhöfe bereits barrierefrei. "Sie werden von 92 Prozent aller Fahrgäste genutzt", so Schlemper. Oberschlottwitz gehört nicht dazu.

Lydia Schmid, die Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung im Landkreis, weiß, dass schon viel passiert ist. Sie erkennt diese Fortschritte an. Menschen mit Handicap können den Nahverkehr im Landkreis gut nutzen, insbesondere auch die Busse. Die Städte und Gemeinden bauen die Haltestellen "Schritt für Schritt" aus beziehungsweise um. "Die Vorgaben zur Barrierefreiheit wie Bordsteinhöhe und Blindenleitsystem werden dabei berücksichtigt", so Schmid. Auch die Verkehrsunternehmen haben investiert, ihre Fahrzeuge sind oft schon barrierefrei.

Probleme werden bei regelmäßigen Treffen erörtert

Positiv sei auch, dass sich Städte, Gemeinden, Verkehrsunternehmen, der Verkehrsverbund und Interessenvertretungen regelmäßig treffen, um zu beurteilen, wo es Defizite gibt und wie diese behoben werden können. Es gibt aber noch einen Bereich, wo die Politik nachsteuern müsse. Denn es reiche nicht, Bahnhöfe und Haltestellen barrierefrei umzurüsten, auch die Wege dorthin müssen umgestaltet werden. Dafür gebe es oft keine oder zu wenig Fördermittel. Eine Aufstockung wäre hilfreich.

Nachsteuern müsse man in einigen Bereichen auch für Menschen, die Probleme mit dem Hören und Sehen haben. Hier müssten die Fahrzeuge, die Haltestellen und die Wege dorthin mit noch mehr akustischen Signalen und entsprechenden Beschriftungen ausgestattet werden.

Umbauprogramm wurde 2019 gestartet

Der Verkehrsverbund Oberelbe versucht zumindest in seinem Zuständigkeitsbereich, weiter Haltestellen umzubauen. Bereits 2019 hat er ein Programm dazu gestartet - zusammen mit der Deutschen Bahn. Gemeinsam werden bis 2029 sieben weitere Bahn-Haltestellen umgebaut, sagt Schlemper. Zehn Millionen Euro wurden dafür bereitgestellt, etwas mehr als die Hälfte geht in die Planung, der Rest in den Bau. Weiteres Geld kommt von der Deutschen Bahn und dem Freistaat.

Zwei der Vorhaben befinden sich im Müglitztal - in Geising und in Oberschlottwitz. Beide wurden beim Hochwasser 2002 nicht beschädigt. Deshalb wurden sie auch noch nicht umgestaltet. Für Geising ist das nun 2024/25 geplant, sagt Schlemper. Hier sollen der Bahnsteig und die Beleuchtung erneuert werden. Fast parallel dazu ist Oberschlottwitz dran. "Für Oberschlottwitz gibt es zwei Varianten, entweder einen Neubau an dieser Stelle oder eine neue Lage", sagt Schlemper. Die bisher etwas abseits liegende Haltestelle würde demnach in den Ort hineinverlegt werden.

Die Idee: Die Haltestelle mit dem 130 Meter langen und 55 Zentimeter hohen Bahnsteig würde für viele Fahrgäste noch schneller zu erreichen sein. "Damit würde sich nach unseren Prognosen die Zahl der Ein- und Aussteiger verdoppeln, gegenwärtig sind es 80. Ob es dazu kommt, muss die Stadt Glashütte entscheiden, sagt Schlemper. Dort könnte es indes schon wieder ein Umdenken geben. Denn unterhalb des Haltepunktes soll in den nächsten Jahren ein Gewerbegebiet entstehen.

Doch nicht nur im Osterzgebirge sollen Haltepunkte barrierefrei gemacht werden, auch im Elbtal. Hier sind vier Maßnahmen geplant, als Nächstes soll der Haltepunkt in Obervogelgesang umgestaltet werden. Auf der Strecke Freital-Tharandt-Klingenberg ist der Haltepunkt Hainsberg-West dran. Hier soll bis 2025 ein Aufzug den Weg zum Bahnsteig erleichtern. Ist das geschafft, wäre nur noch Edle Krone nicht barrierefrei.

Verkehrsverbund hofft auf Fördermittel

Auf der Strecke Pirna-Sebnitz-Neustadt (Sachsen) sind indes in den nächsten Jahren keine Maßnahmen geplant, obwohl es auch hier noch Handlungsbedarf gibt, so unter anderem in Stolpen und Porschdorf.

Das Programm des VVO und der Bahn ist ehrgeizig: Ist der Umbau der sechs Bahnstationen im Landkreis und weiterer in der Region geschafft, wird die Zahl der barrierefreien Zugänge von 92 auf 98 Prozent steigen. Ob das Programm aber auch nach Plan umgesetzt werden kann, hänge davon ab, ob die beantragten Fördermittel fließen und die Baufirmen freie Kapazitäten haben, so Schlemper.

Hier werden Bahnstationen barrierefrei umgebaut

  • Geising, 2024/25
  • Oberschlottwitz, 2025
  • Freital, Hainsberg-West, 2025
  • Obervogelgesang, 2024/25
  • Schöna, 2025/26
  • Schmilka-Hirschmühle, 2025/26
  • Krippen, 2028/29
  • Stadt Wehlen, 2028/29 (Quelle: VVO)

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