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Waldohreulen rauben Freitalern den Schlaf

Schon im zweiten Jahr brüten die Vögel mitten im Plattenbaugebiet Zauckerode. Die Rufe der Jungen sind eindringlich, sie dienen nur einem Zweck.

Vier junge Waldohreulen unterhalten Zauckerode, sobald es dunkel wird.
Vier junge Waldohreulen unterhalten Zauckerode, sobald es dunkel wird. © privat

Die vier Jungen sitzen nebeneinander und schauen in die Kamera. Der Schnappschuss von den Waldohreulen auf einem Baum mitten in Zauckerode gelang Hartmut und Gisela Richter. "Tagsüber halten sie ihren Tagesschlaf, nachts pfeifen sie aller zwei bis acht Sekunden", berichtet das Ehepaar.

Sie sind also wieder da. Schon im vergangenen Frühsommer sorgten die Waldohreulen für Gesprächsstoff in dem Freitaler Stadtteil. Während sie tagsüber kaum zu bemerken waren, unterhielten sich die Jungvögel nachts lautstark. Das spaltete die Anwohner in zwei Fraktionen. Von "Toll, dass es so etwas hier gibt" bis "Wenn man zeitig raus muss, stören die einfach nur" reichten damals die Kommentare auf Facebook.

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Auch dieses Jahr rauben sie manchem Anwohner mit ihren nächtlichen Rufen den Schlaf. Die Richters finden: "Kann teilweise nervig sein, da sie sich im Baum vor unserem Schlafzimmerfenster niedergelassen haben." Doch sobald es hell wird und die Vögel zu sehen sind, ist aller Ärger vergessen, wie Hartmut Richter an die SZ schreibt: "Dafür sind sie aber niedlich und schön anzusehen."

Trautes Heim im Krähennest

Waldohreulen mitten im Plattenbaugebiet? So ungewöhnlich sei das gar nicht, sagt Christian Wosch von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises: "In den vergangenen Jahren gab es solche Berichte auch vom Pirnaer Sonnenstein."

Denn Waldohreulen leben eben nicht ausschließlich im Wald. Sie mögen vielmehr offene Feld- und Wiesenlandschaften. Nach und nach haben sie auch locker bebaute Ortschaften und Städte erobert. Hier finden sie unter anderem in Parkanlagen und Kleingartenkolonien gute Lebensbedingungen.

Ausschlaggebend ist vor allem das Nahrungsangebot. Waldohreulen fressen am liebsten Mäuse und Kleinvögel, wie Spatzen oder Finken.

Auch sozusagen baulich scheinen die Voraussetzungen in Zauckerode nicht so schlecht zu sein, wie Christian Wosch erläutert: "Waldohreulen bauen keine eigenen Nester, sondern lassen sich in verlassenen Elster- oder Krähennestern nieder." Davon gibt es in Zauckerodes Bäumen einige, und nicht nur vor dem Fenster von Familie Richter.

Dennoch dürfte die Population in dem Plattenbaugebiet kaum anwachsen, den Waldohreulen besetzen und verteidigen Reviere. Ob es sich bei dem Elternpaar um die Vögel handelt, die schon 2020 in Zauckerode ihre Jungen aufzogen, ist jedoch ungewiss. Um das exakt festzustellen, müsste man die Vögel beringen.

Bettelrufe gelten den Eltern

Die Jungen der Waldohreulen schlüpfen recht zeitig im Jahr, teilweise schon im März. Spätestens im Mai ist kein Platz mehr im Nest, so groß sind die Vögel dann schon. Das ist der Moment, wo aus ihnen "Ästlinge" werden. Wosch: "Sie können noch nicht fliegen, sind aber in dem Alter schon recht gute Kletterer und lassen sich auf den Ästen der Brutbäume nieder."

Dort beginnt auch ihr nächtliches Konzert. Mit den eindringlichen Fieplauten - Vogelkundler sprechen von Bettelrufen - signalisieren sie ihren Eltern, wo sie sitzen. Kommen die Erwachsenen, können sie mit ihrem scharfen Gehör genau orten, wo sich ihre Jungtiere verstecken. Auch untereinander kommunizieren die jungen Waldohreulen.

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Diese Entwicklungsphase dauert mehrere Wochen an. Etwa bis Mitte Juni dürften die Zauckeroder noch die nächtlichen Eulenkonzerte hören. Dann sind die Jungen flügge und gehen nicht nur selbst auf Mäusejagd, sondern suchen sich einen eigenen Lebensraum.

Wer jetzt meint, er habe noch nie eine Waldohreule gesehen, der irrt. Der Vogel mit den leuchtend orangegelben Augen stand einst Pate für das Naturschutz-Schild, welches in der Landschaft auf besonders geschützte Gebiete aufmerksam macht.

Die Waldohreule stand Pate für die Naturschutzschilder, wie hier im Tharandter Wald.
Die Waldohreule stand Pate für die Naturschutzschilder, wie hier im Tharandter Wald. © Daniel Schäfer

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