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Bannewitz: So läuft der Ausbau der B170

Auf Sachsens neuer Pilotstrecke wird bis 2022 gebaut. Jetzt ist die Kreuzung zur Boderitzer Straße dran - mit viel Lärm, Schmutz und Kompromissen.

Auf der B 170 nahe Real und Obi in Bannewitz wird gerade der Asphalt abgefräst. Und das bei laufendem Verkehr.
Auf der B 170 nahe Real und Obi in Bannewitz wird gerade der Asphalt abgefräst. Und das bei laufendem Verkehr. © Daniel Schäfer

Regen, dicke Wolken, dann endlich ein paar Sonnenstrahlen. Alltag auf der Baustelle der B 170 in Bannewitz in den vergangenen Wochen. "Wir müssen mit jedem Wetter klarkommen", sagt Vorarbeiter Steffen Rudolph, der auf der Boderitzer Straße vor dem Verkaufsbereich der Garten-Baumschule Lux gerade die Kanalarbeiten dirigiert. Wetterfest gekleidet sind sie alle und mit ihren signalfarbenen Anzügen gut sichtbar.

Etwas weiter Richtung Kreuzung Windbergstraße kümmern sich Mirko Ruhland und Benjamin Hänßgen um das Abfräsen der Asphaltschicht. Ein Laster nach dem anderen holt das zerkleinerte Material ab, um es wegzufahren.

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Bei jedem Wetter herrscht reger Baubetrieb auf der B 170 in Bannewitz. Hier wird gerade ein Fahrzeug entladen, das andere transportiert Material ab.
Bei jedem Wetter herrscht reger Baubetrieb auf der B 170 in Bannewitz. Hier wird gerade ein Fahrzeug entladen, das andere transportiert Material ab. © Daniel Schäfer

Behinderungen mit Ansage

"Nur gut, dass es jetzt regnet", sagt Gartenbauingenieurin Petra Schütt, die nebenan bei der Garten-Baumschule Lux arbeitet. An Dreck, Lärm und Geruchsbelästigung mussten sich Mitarbeiter und Kunden gewöhnen.

Um zehn Meter ist das Verkaufsgelände Richtung B 170 kleiner geworden - für die Baumaßnahme. "Dafür gab es aber Entschädigung", sagt Inhaberin Judith Henke. Die Hälfte würde das Unternehmen nach dem Bau wiederbekommen, der andere Teil fällt dem Straßenbau zum Opfer. Problematisch ist gerade auch die Zufahrt über die schmale Heinrich-von-Taube-Straße.

Petra Schütt von der Garten-Baumschule Lux an der Boderitzer Straße arrangiert sich mit dem Baugeschehen hinter dem Zaun.
Petra Schütt von der Garten-Baumschule Lux an der Boderitzer Straße arrangiert sich mit dem Baugeschehen hinter dem Zaun. © Daniel Schäfer

Dass ohne Vorwarnung vor dem Eingang mit Baumaßnahmen begonnen wurde und Kunden wegen ungenügender Umleitungsschilder nicht den Weg finden, seien Einzelfälle. So etwas würde problemlos mit der Bauleitung besprochen, so Henke.

Inzwischen sei auch eine Nachtschicht eingelegt worden, um die Zufahrt schnellstmöglich wieder zu gewährleisten. "Dass hier gebaut wird, ist seit 15 Jahren bekannt", sagt Henke. Irgendwann müsse es ja sein. "Da heißt es Zähne zusammenbeißen und durch." Im November hätten sie es überstanden, da sei dieser 400 Meter lange Bauabschnitt beendet. Auch für die Anwohner, die zwischen B 170 und Boderitzer Straße ihre Häuser haben, dürfte mehr Ruhe einziehen.

Moderate Töne von Anliegern

Denn dann tuckern die Baumaschinen und Laster Richtung Kreuzung Windbergstraße. Aber auch von dort kommen moderate Töne. "Die Absprachen zwischen uns und der Bauleitung vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) funktionieren", sagt Susanne Beckert, geschäftsführende Gesellschafterin vom Gut Leben, das seinen Sitz an der Windbergstraße hat.

Dort werden Menschen betreut, die durch Unfall, Krankheit oder Gewalt aus ihrem normalen Arbeitsalltag gerissen wurden. "Die Bauleute haben von der Bushaltestelle bis zu uns einen Weg eingerichtet, den unsere Mitarbeiter gefahrlos begehen können", lobt Beckert. Auch der vorher für Autofahrer nicht so gut sichtbare Hinweis auf Fußgänger sei verbessert worden.

Hinweisen wird nachgegangen

Für Bauoberleiter Robby Schramm sind das alles Selbstverständlichkeiten. Und so hätte er auch die nächtliche Umstellung der Verkehrsführung am vergangenen Wochenende kontrolliert. Seitdem gibt es für Autofahrer wieder Änderungen, wozu eben auch die gesperrten Zufahrten aus der Boderitzer Straße über die Kreuzung und in beide Richtungen auf die B 170 gehören.

Ralf Berger vom Lasuv erklärt an der Karte die nächsten Arbeiten an der Kreuzung der B 170 bei Real und Obi bis zur Windbergstraße in Bannewitz.
Ralf Berger vom Lasuv erklärt an der Karte die nächsten Arbeiten an der Kreuzung der B 170 bei Real und Obi bis zur Windbergstraße in Bannewitz. © Daniel Schäfer

Probleme würden nicht nur bei der wöchentlichen Bauberatung, bei der auch ein Vertreter der Gemeindeverwaltung mit am Tisch sitzt, sondern auch spontan vor Ort geklärt. "Wir nehmen uns den Hinweisen an und beantworten Fragen", so Schramm. Manchmal bringen die Bauleute auf Bürgerwunsch zusätzliche Schilder an, wie die an der Ampel für Fußgänger Richtung Real.

Zur Orientierung steht dort, wie sie zur Windbergstraße und zur Schule oder zu Real, Obi und Boderitzer Straße kommen. Damit sei die Bauleitung einem Hinweis aus dem gegenüberliegenden Wohngebiet nachgegangen. Wer Fragen, Probleme oder Hinweise hat, könne sich übrigens jederzeit an die Bauleitung oder die Gemeindeverwaltung wenden, sagt Ralf Berger vom Lasuv.

Wo es geht, werde zudem nach Kompromissen gesucht. So soll eine für den Bau eingerichtete asphaltierte Fußgängerstrecke zu Real dauerhaft erhalten bleiben. Mit der Gemeinde sei man im Gespräch, ob die provisorische Zufahrt zu Obi und Real von der B 170 aus Richtung Dresden künftig für den Radverkehr genutzt werden kann.

Wer den Überweg über die B 170 nahe der Boderitzer Straße zu Obi und Real nutzt, kann sich an einem Hinweisschild über die Erreichbarkeit weiterer Ziele orientieren.
Wer den Überweg über die B 170 nahe der Boderitzer Straße zu Obi und Real nutzt, kann sich an einem Hinweisschild über die Erreichbarkeit weiterer Ziele orientieren. © Daniel Schäfer
Nach der Bitte von Anwohnern haben Bauleute dieses Schild am Fußgängerüberweg auf der B 170 nahe Obi und Real angebracht.
Nach der Bitte von Anwohnern haben Bauleute dieses Schild am Fußgängerüberweg auf der B 170 nahe Obi und Real angebracht. © Daniel Schäfer

Vorbereitung für die Teststrecke

Natürlich sei es eine Herausforderung, bei laufendem Verkehr zu arbeiten, sagt Berger . Aber das sei von Anfang an so geplant gewesen. Nach einem langen Vorlauf war der scharfe Baustart 2018. Bis 2022 wird die etwa zwei Kilometer lange Strecke von der A 17-Anschlussstelle Südvorstadt bis zur Windbergstraße in Bannewitz in Abschnitten ausgebaut.

Die Bundesstraße wird dort dreispurig - eine Fahrtrichtung erhält zwei Spuren, die andere eine Spur. Allein der in diesem Jahr begonnene Teil kostet nach Lasuv-Angaben 6,3 Millionen Euro. Die Gesamtbaukosten würden sich danach voraussichtlich auf einen unteren zweistelligen Millionenbetrag belaufen. Geld, das vor allem vom Bund finanziert wird.

Beim Ausbauvorhaben orientieren sich die Verantwortlichen an einem Prognosewert für 2030 von dann vorhergesagten knapp 20.000 Fahrzeugen pro Werktag in beiden Fahrtrichtungen. An der Ortsausfahrt Bannewitz seien es danach immer noch an die 17.000.

Die Bundesstraße wird aber nicht nur ausgebaut. Ab der Kohlenstraße in Dresden bis zur S 191, die aus Richtung Dresden-Nickern über die B 170 zur Horkenstraße führt, wird sie zudem für ein sachsenweites Pilotprojekt ausgestattet. Dort sollen künftig verschiedene Komponenten getestet werden, die für einen reibungslosen Verkehr eine Rolle spielen. Dazu zählt laut Lasuv eine Straßenwetterstation, die Niederschläge und Glätte auf der Fahrbahn registriert.

Digitale Anzeigetafeln würden über die allgemeine Verkehrslage informieren und Routenempfehlungen geben. Über Detektoren und Sensoren wird die Anzahl der Fahrzeuge erfasst, damit Signalanlagen ihren Programmablauf anpassen können. Ziel sei es, Wartezeiten zu verringern, so Berger. Auf den Verkehr ausgerichtete IT-Technik trage außerdem dazu bei, Gefahren rechtzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren. Beispielsweise könnten Gefahrenbremsungen mittels dieser speziellen Verkehrstelematik über Bordcomputer an nachfolgende Fahrzeuge gemeldet werden.

Straße zum Gewerbegebiet ist asphaltiert

"Erfahrungen aus diesem Projekt sind Grundlage für den geplanten Aufbau einer sächsischen Verkehrsmanagementzentrale. Ziel ist mehr Sicherheit auf den Straßen", sagt Ralf Berger. Von dieser Zentrale sollen einmal Bundes- und Staatsstraßen betreut werden, die langfristig mit ähnlichen oder gleichen Komponenten ausgerüstet werden.

Für die Bauleute ist das Zukunftsmusik. Sie haben in diesen Wochen ganz andere Aufgaben an und auf der B 170. An der Kreuzung Boderitzer Straße werden gerade Leerrohre für Telekomleitungen verlegt, daneben wird am Straßenbord gearbeitet. Parallel laufen die Abstimmungen mit dem Gasversorger.

Hier verlegen die Bauleute im Kreuzungsbereich an der B 170 Richtung McDonald und Gewerbegebiet gerade Leerrohre.
Hier verlegen die Bauleute im Kreuzungsbereich an der B 170 Richtung McDonald und Gewerbegebiet gerade Leerrohre. © Daniel Schäfer

Die Straße Richtung Gewerbegebiet ist bereits asphaltiert. Auch eine Radwegverbindung entstand in diesem Bereich neu.

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