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Gefährdet Unkraut die Weißeritz?

An den Ufern hat sich eine üppige Vegetation gebildet. Viele denken, dass das Kraut dem nächsten Hochwasser im Wege steht. Experten geben Entwarnung.

Die Weißeritz wuchert zu, wie hier in Döhlen. Aber stört das Grün wirklich, wenn das nächste Hochwasser kommt?
Die Weißeritz wuchert zu, wie hier in Döhlen. Aber stört das Grün wirklich, wenn das nächste Hochwasser kommt? © Karl-Ludwig Oberthuer

Wer in Freital nach dem langen, trockenen Sommer noch viel Grün sehen möchte, muss nur zur Weißeritz gehen. Dort wiegen sich mannshohe Halme im Wind, Blüten verbreiten einen intensiven Duft. Entlang der Ufer ist ein regelrechter Dschungel entstanden. Ach ja, Wasser gibt es auch. Es sucht sich seinen Weg zwischen all den Pflanzen hindurch. Der Bewuchs ist so üppig, dass er manchen schon verdächtig vorkommt.

"Als ich in den Vierzigerjahren Kind war, wurde die Weißeritz oft von den vielen Sträuchern befreit, damit der Fluss ordentlich fließen kann", erinnert sich Helene Dittrich, die in Hainsberg wohnt. Nun würden die Pflanzen alles blockieren, wenn doch einmal ein Hochwasser kommt. Ähnlich sieht das Stadtrat Peter Heinzmann (Die Linke). Ihm sei neulich nahe der Brücke Somsdorfer Straße aufgefallen, wie stark die Uferbereiche an der Wilden Weißeritz zugewuchert sind. Und an der Roten Weißeritz im Rabenauer Grund sieht es nicht anders aus. "Wenn das nächste Hochwasser kommt, gibt es Überschwemmungen", befürchtet er.

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An der Roten, der Wilden und schließlich der Vereinigten Weißeritz ist es vor allem das Drüsige Springkraut, welches derzeit Karriere macht. Die Pflanze mit den markanten rosa Blüten wächst so schnell und hoch, dass sie einheimische Arten verdrängt und entlang des Flusslaufes eine undurchdringliche Wand gebildet hat. Weiter flussabwärts, zum Beispiel auf Höhe der Gitterseebrücke, wuchert der japanische Staudenknöterich. Er kann pro Tag etliche Zentimeter zulegen, wird schnell mehr als zwei Meter hoch und hat riesige Blätter. Wo er wächst, kann bald keine einheimische Pflanze mehr gedeihen.

Das Drüsige Springkraut ist sehr vital und wuchsfreudig die Ufer an der Weißeritz zu. Die Pflanze stammt aus Asien und findet an den hiesigen Flüssen ideale Bedingungen.
Das Drüsige Springkraut ist sehr vital und wuchsfreudig die Ufer an der Weißeritz zu. Die Pflanze stammt aus Asien und findet an den hiesigen Flüssen ideale Bedingungen. © Karl-Ludwig Oberthuer

Stadtverwaltung zieht keine Gefahr

Doch was viele skeptisch beobachten, sorgt derzeit im Freitaler Rathaus noch nicht für Aufregung. "Im Falle eines Hochwassers treten die Überflutungen infolge des enormen Wasseranfalls auf, nicht infolge des Bewuchses. Der aktuell vorhandene Bewuchs stellt aus städtischer Sicht kein übermäßiges Abflusshindernis dar beziehungsweise trägt kein hohes Gefährdungspotenzial", sagt Pressesprecher Matthias Weigel. Dennoch habe man die hinweise aus der Bevölkerung an die Landestalsperrenverwaltung (LTV) weitergegeben.

Dort hat man insbesondere die beiden Pflanzenarten im Blick, denn die Invasoren lassen sich nicht mehr zurückdrängen. Zu sehr haben sie sich in den vergangenen Jahren ausgebreitet und vermehrt. "An manchen Gewässerabschnitten stellt das Vorkommen der beiden Arten kein Risiko dar. Insbesondere in Ortslagen muss jedoch gehandelt werden", sagt LTV-Sprecherin Katrin Schöne.

Kritische Bereiche können zum Beispiel dort entstehen, wo Gewässer nur über ein sehr geringes Gefälle verfügen und der Fluss in seiner Breite stark zuwächst. Schöne: "Ein Hochwasser hat hier unter Umständen nicht genug Kraft, die Halme umzuknicken und dadurch den Abflussbereich selbst weitgehend freizumachen. Als Folge kann sich das Wasser aufstauen und Überschwemmungen verschärfen." Oder aber, es wird bei Hochwasser besonders viel Pflanzenmaterial mitgerissen. Zumindest die langen Stängel des Staudenknöterichs können sich an Engstellen, so zum Beispiel an Brücken, verfangen und dort den Abflussquerschnitt weiter einengen.

Deshalb beobachte man die Flussläufe genau, auch im Bereich Freital. Schöne: "Es muss immer im Einzelfall beurteilt werden, welche konkreten Probleme die Pflanzen verursachen. So können wir dort steuernd eingreifen, wo es notwendig ist."

Im September wird abgemäht

Einen pauschalen Kahlschlag wollen die Flussmeister jedoch vermeiden. Denn Aufgabe der Landestalsperrenverwaltung ist gemäß Wassergesetz auch die Erhaltung der Ufer mit standortgerechter Vegetation. Zudem sind Ufer und Gewässer Lebensraum von wild lebenden Tieren und Pflanzen. Mit anderen Worten: Geht man wahllos mit der Motorsense durch, erwischt man auch viele einheimische Arten, die man eigentlich schützen möchte.

Alternativ setzt die LTV auf die biologische Konkurrenz. Einheimische Arten, so die Idee, sollen ihren Lebensraum nicht kampflos hergeben. Deshalb werden die Böschungen regelmäßig bepflanzt. Schöne: "Ein typischer Fall bei starker Ausbreitung des Staudenknöterichs oder des Springkrauts ist die Bepflanzung der Uferbereiche mit Gehölzen, wie zum Beispiel Weiden." Wenn die Bäume groß genug sind, beschatten sie die Uferbereiche und das Gewässer - und drängen die Sonnenanbeter zurück. Dies wirke sich auch positiv auf die Wasserqualität aus.

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Vorerst aber hilft nur die Technik gegen den üppigen Dschungel am Ufer. Auch, um zu verhindern, dass absterbendes Pflanzmaterial im Laufe der Zeit zu einer Anhebung der Gewässersohle führt, mäht die Landestalsperrenverwaltung die Gewässersohle und die Böschungen regelmäßig. In Freital erfolge dies jährlich, in diesem Jahr in der zweiten Septemberhälfte, heißt es seitens der Landestalsperrenverwaltung.

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