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Welpenschmuggel: Tierheim schlägt Alarm

Immer mehr junge Hunde aus illegalen Transporten werden in die Tierheime eingeliefert. Doch damit ist die Leidenszeit der Welpen noch nicht vorbei.

Diese geschmuggelten Welpen kamen im Sommer 2020 ins Freitaler Tierheim.
Diese geschmuggelten Welpen kamen im Sommer 2020 ins Freitaler Tierheim. © Karl-Ludwig Oberthuer

Es sind immer wieder ähnliche Szenen, die Freitals Tierschützern an die Nieren gehen: Welpen, die entkräftet, gestresst und völlig verstört ins Tierheim eingeliefert werden. Nur wenige Wochen alt, gefunden in Transporten auf der Autobahn, stammen sie aus Osteuropa. Und es werden immer mehr Tiere, die von Bundespolizisten oder Zollbeamten entdeckt werden.

Welpenschmuggel - es ist offenbar ein einträgliches Geschäft. Die Nachfrage in Deutschland - speziell nach beliebten Rassen - bestimmt das Angebot und den Preis. Doch es ist ein schmutziges Gewerbe, welches sich in Ländern des ehemaligen Ostblocks und auf den deutschen Autobahnen abspielt.

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Apathisch, mangelernährt und krank

"Die Tiere sind meist apathisch, mitunter haben sie lange nichts mehr zu fressen und zu trinken bekommen", berichtet Regina Barthel-Marr, Vorsitzende des Tierschutzvereins. Viele seien krank. Und die Tiere sind viel zu jung, um von ihrer Mutter getrennt zu werden - oft gerade drei bis fünf Wochen alt. Zum Vergleich: Ein seriöser Züchter belässt die Welpen mindestens zwei Monate bei einer Hündin.

Meist fallen die Transporte auf, weil bei Kontrollen gleich mehrere Hunde gefunden werden. Bis zu neun Vierbeiner pro Fall habe man schon im Tierheim aufnehmen müssen, heißt es. Oft in dunkle Boxen gesperrt, habe manche Welpen keine Chance, die Strapazen überhaupt zu überstehen. "Wir haben hier Fälle, die kommen mitten in der Nacht an und sind so schlimm, dass wir sofort den Tierarzt rausklingeln müssen", berichtet Barthel-Marr.

Sehr oft haben die Welpen Würmer und leiden an bakteriellen oder viralen Erkrankungen wie Giardien und Parvovirose. Die befallen den Magen-Darm-Trakt und schwächen das Immunsystem, weil die Hunde nicht vorschriftsmäßig geimpft sind. Trotz sofortiger medizinischer Versorgung würden immer wieder Welpen sterben. "Das ist für meine Leute ein Albtraum. Da kann man nur noch heulen."

Regina Barthel-Marr ist die Vorsitzende vom Tierschutzverein Freital, hier beim Spiel mit einem Fundhund. Die Schmuggelwelpen kommen erst einmal in Quarantäne.
Regina Barthel-Marr ist die Vorsitzende vom Tierschutzverein Freital, hier beim Spiel mit einem Fundhund. Die Schmuggelwelpen kommen erst einmal in Quarantäne. © Egbert Kamprath

Vierstellige Gewinne - pro Hundewelpe

Im Pirnaer Landratsamt kann man das tierische Elend anhand der Zahlen messen. "Im Jahr 2020 mussten 72 illegal verbrachte Welpen aus 35 Aufgriffen in Quarantäne gebracht werden. Das ist sowohl von der Fallzahl der Aufgriffe als auch von der Tierzahl bisher die höchste registrierte Anzahl", erklärt Amtstierärztin Benita Plischke.

Viele Schmuggelwelpen stammten aus vor allem aus Bulgarien und Rumänien, manche auch aus Ungarn, Tschechien, Serbien und Moldawien. Bereits in den vergangenen Jahren habe man einen steigenden Trend beobachtet, der leider anhalte. Allein dieses Jahr kamen bereits drei weitere Fälle mit insgesamt sieben Schmuggelwelpen im Freitaler Tierheim an. Dort weiß man: Die meisten Welpenschmuggler bleiben unentdeckt.

Illegal über die Grenze gebracht werden vor allem sogenannte Modehunde, also angesagte Rassen. "Das sind besonders kleine Rassen, wie Pomeranienspitze oder Bichon-Malteser", zählt Plischke auf.

Warum der Welpenschmuggel so einträglich ist, liegt auf der Hand. Ein Rassehund kostet bei einem Züchter in Deutschland einen vierstelligen Betrag. Für besonders beliebte Rassen, wie Golden Retriever, werden schon mal Preise von deutlich über 3.000 Euro aufgerufen.

Züchter in Osteuropa verlangen nur wenige hundert Euro. Kein Wunder also, dass manch geschäftstüchtige Hundehändler mit einem geschmuggelten Tier schnell einen vierstelligen Gewinn rausholen kann, selbst wenn er noch weit unter dem Preis verkauft, den ein deutscher Züchter verlangen muss. "Wir schätzen, dass pro Welpe zwischen 1000 und 2000 Euro verdient werden können", sagt die Amtstierärztin. Und auch wenn mal ein Transport auffliegt, rechnet sich das Geschäft noch.

Schmuggelwelpen belasten Landkreiskasse

Den Stress und viel Arbeit mit den jungen Hunden haben dann die Tierheimmitarbeiter. In der Quarantänestation des Freitaler Heims sind derzeit um die 20 Welpen untergebracht. Die Tiere sind in einem Alter, wo sie dringend Fürsorge und Erziehung durch das Muttertier brauchen. "Das müssen unsere Mitarbeiter übernehmen. Eigentlich ist das ein 24-Stunden-Job", sagt Regina Barthel-Marr.

Weil seit Monaten immer wieder Schmuggelwelpen eintreffen, würden ihre Leute mittlerweile auf dem Zahnfleisch kriechen.

Auch finanziell ist die Situation für den Verein, der sich hauptsächlich aus Spenden finanziert, schwierig. Zwar übernimmt der Landkreis die Tierarztkosten für die Welpen. Doch Futter, Ausstattung und Pflege summieren sich ebenfalls zu hohen Posten.

Das Geld wird auch durch eine Vermittlung nicht wieder eingespielt. Um die 500 Euro verlangt das Tierheim für einen Welpen - viel zu wenig für den Arbeits- und Zeitaufwand, den die Mitarbeiter über Wochen oder gar Monate haben.

Doch lieber vermittelt Regina Barthel-Marr die Hunde ein gute Hände, als sie von den eigentlichen Besitzern - den Schmugglern - wieder abholen zu lassen. "Die haben in jedem Fall das Rückgaberecht, wenn sie die Kosten für die Pflege bezahlt haben." So ist es gesetzlich geregelt. Eine Vorschrift, die Barthel-Marr maßlos ärgert. "Der Tierschutzverein Freital macht sich hier für eine Gesetzesänderung stark. Wer so gegen den Tierschutz verstößt, sollte keine Tiere halten dürfen."

Seriöse Hundezucht kostet Geld

Was zu einer professionellen und seriösen Zucht alles dazugehört, kann Katja Heller berichten. Die Freitalerin ist ganz neu in das Gewerbe eingestiegen. Sie züchtet Airedale-Terrier. Als sie ihre Zakira nach reiflicher Überlegung vor fünf Jahren bei einem renommierten Züchter in Dippoldiswalde erwarb, war sie von der aus England stammenden Rasse so begeistert, dass sie entschied, etwas zur Erhaltung der Airedales beizutragen. Doch bis zum ersten Wurf im November 2020 war es ein mühsamer Weg.

Zuerst musste die Hündin mehrere medizinische Checks bestehen. Unter anderem wurde die Hüfte geröntgt und die Augen untersucht - eine kostspielige Angelegenheit. Auch musste Zakira mindestens zwei erste Plätze bei Ausstellungen erobern und einen Wesenstest bestehen. Zudem besuchte Katja Heller ein Zuchtseminar, traf sich mit anderen Züchtern und schulte ihr Wissen mithilfe von Internet und Fachlektüre.

Auch gab es mehrere bürokratische Hürden zu überwinden. Heller wurde Mitglied im Zuchtverband, Haus und Hof wurden vom Verband hinsichtlich der Haltungsbedingungen geprüft. Um die Hündin decken zu lassen, fuhr die Familie nach Bayern. Erst beim zweiten Date mit einem Zuchtrüden klappte es.

Katja Heller aus Freital züchtet Airedale-Terrier. Hundedame Zakira bekam im November neun Welpen, deren Pflege und Aufzucht sehr aufwendig waren.
Katja Heller aus Freital züchtet Airedale-Terrier. Hundedame Zakira bekam im November neun Welpen, deren Pflege und Aufzucht sehr aufwendig waren. © Karl-Ludwig Oberthür

Welpen machen Arbeit

Als das alles bewältigt war, ging es erst richtig los. Zakira warf neun kleine Airedales - knuffig anzuschauen, aber auch unheimlich zeitraubend. Tag und Nacht kümmerte sich Familie Heller um die Welpen, hielt Kontakt zu den zukünftigen Besitzern und berichtete über die Fortschritte der Kleinen im Internet und per What's App. Einige Käufer kamen zu Besuch und lernten die Welpen kennen.

Katja Heller legt viel Wert darauf, dass die Hunde einen guten Start ins Leben haben. Als die Besitzer so nach und nach ihre Tiere vor ein paar Tagen abholten, waren die Airedales schon stubenrein und folgten ersten Kommandos.

Selbstverständlich hatten alle Hunde die medizinischen Checks bestanden, die notwendigen Impfungen erhalten und entsprechende Abstammungspapiere bekommen. "Wir halten auch weiter Kontakt zu den Käufern. Manche wohnen in der Nähe, da kann man sich mal wieder treffen", sagt Katja Heller.

Tipps für den Hundekauf

So sollte ein Hundekauf ablaufen, sagt auch Regina Barthel-Marr. "Wichtig ist, dass man sich zunächst damit beschäftigt, welche Rasse in die Familie und das Wohnumfeld passt. Dann sollte man sich auf die Suche nach einem Züchter oder Verkäufer machen."

Wichtig sei, sich mit dem Thema lange und ausführlich zu befassen, sich Informationen von Hundehaltern und Experten einzuholen und nicht nur nach dem Aussehen der Rasse zu gehen. Zu beachten seien ebenso Verhaltensweisen, Ansprüche an Beschäftigung und Bewegung. Auch das Budget sollte genau bedacht werden. Denn ein Hund kostet nicht nur in der Anschaffung, sondern sein Leben lang: Futter, Tierarztkosten, Steuern - da kommt etwas zusammen.

Vor dem Kauf sollte man auf jeden Fall den Züchter oder Halter und das Muttertier kennenlernen und schon in der Welpenphase das Tier besuchen, um eine Bindung zum Hund aufzubauen.

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