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Grieche springt Weltrekord in Freital

Mit beidseitigen Prothesen schafft er im Weitsprung mehr als sieben Meter. Das Stadion des Friedens findet international Beachtung - nur noch nicht im Freistaat.

Stelios Malakopoulos schaffte als erster beidseitig oberschenkelamputierter Sportler mit Prothesen in Freital einen Weitsprung über sieben Meter.
Stelios Malakopoulos schaffte als erster beidseitig oberschenkelamputierter Sportler mit Prothesen in Freital einen Weitsprung über sieben Meter. © Instagram Stelios Malakopolous

Das war der Kracher des Tages. Die Jubelschreie waren noch hinter der Umzäunung des Stadions des Friedens in Freital zu hören, als am Sonnabend der Grieche Stelios Malakopoulos eine Schallmauer in der paralympischen Leichtathletik durchbrochen hatte. Erstmals schaffte ein beidseitig oberschenkelamputierter Sportler mit Prothesen einen Weitsprung über sieben Meter.

"Eine solche Weite schaffen die wenigsten gesunden Sportler", sagt Siena Christen vom SC Freital, der das internationale Meeting bereits zum zehnten Mal veranstaltete. Hinzu kamen zwei Weltjahresbestleistungen und vier neue Deutsche Rekorde.

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"Ein Wechsel der Gefühle"

Dass der Weltklasse-Springer Malakopoulos überhaupt in Freital antritt, hat sich erst kurzfristig ergeben. Möglicherweise hatte das mit seinem Malheur bei der Europameisterschaft wenige Tage zuvor zu tun. Dort brach ihm bei der Landung in der Weitsprunggrube im polnischen Bydgoszcz eine Prothese. Das sind High-Tech-Produkte, die nur schwer zu ersetzen sind. Seine Teilnahme bei der Paralympics dieses Jahr in Tokio war damit in Gefahr.

Seine Ersatzprothese wollte er so schnell wie möglich testen. "Erst am Mittwoch hatte er für das Meeting in Freital nachgemeldet. Natürlich haben wir dem stattgegeben", sagt Christen. Dass die neue Prothese so sensationell funktioniert, war nicht zu erwarten.

Auf Instagram schrieb Malakopoulos: "In diesem Wechsel der Gefühle liegt die Magie des Sports. Vor ein paar Tagen war ich in Gedanken versunken, ich konnte es nicht fassen, dass meine Prothese bei der Pan-Europameisterschaft kaputt ging. Jetzt kann ich meine Freude nicht mehr zurückhalten. Aber dieser Gefühlswandel ist nicht nur ein Merkmal des Sports, sondern auch des Lebens im Allgemeinen. Nach einem starken Regen folgt der Regenbogen. Aber wir müssen das Fenster öffnen und es sehen. Niemand wird es für uns öffnen." Seine Teilnahme in Tokio ist gerettet.

Es ist nicht der erste Weltrekord, der in Freital fällt. 2016 gelang das dem brasilianischen Rollstuhlkugelstoßer André Rocha. Die Anlage im Stadion ist zwar schon 25 Jahre alt, aber taugt immer noch für Höchstleistungen. Die Mitarbeiter der Technischen Werke Freital (TWF) halten sie in Schuss. Pächter ist noch der Kreissportbund, demnächst wird es der SC Freital sein.

So gut die Sportstätte auch ist, die Umkleiden in den Katakomben des Stadions sind keines internationalen Wettbewerbs mehr würdig. Die Stadt hätte auch schon längst ein neues Funktionsgebäude errichtet. Unmittelbar am Stadion würden dann auch beste Bedingungen für Kampfrichter mit Blick ins Rund entstehen.

Die Eigenmittel für das Fünf-Millionen-Bauprojekt hat die Stadt Freital längst eingeplant. "Jetzt warten wir nur noch auf die Zusage der Fördermittel vom Freistaat", erklärt TWF-Geschäftsführer Jörg Schneider. Zuständig für den Sport ist in Sachsen das Innenministerium, das vom Freitaler Roland Wöller (CDU) geführt wird.

Freital findet international Beachtung

Die Umkleiden sind für die Sportler aber nicht das Entscheidende. Die griechische Delegation hat schon angekündigt, dass sie auf jeden Fall wiederkommen wolle, nicht nur wegen der Rekorde versprechenden Anlage. Das ganze Drumherum ist sehr herzlich. "Bei uns stehen die Sportler im Mittelpunkt", sagt Christen.

Die Veranstaltung war sehr gut organisiert, hieß es von allen Seiten. "Weshalb sie am Sonnabend trotz der sommerlich heißen Temperaturen reibungslos verlief", erklärt der Geschäftsführer des SC Freital, Paul Leiteritz, und dankt auch allen 60 Helfern.

Die Organisatoren hatten mit der Einrichtung der Weitsprunganlage auch den richtigen Riecher bewiesen. Es gibt dort zwei Gruben, es könnte Richtung Burgker Straße gesprungen werden oder in die andere. Man entschied sich für die zweite Richtung. Erfahrungsgemäß gibt es dort eher Rückenwind für große Weiten.

Den gab es tatsächlich. Es war zunächst aber zu viel des Guten. Im fünften von sechs möglichen Versuchen sprang Malakopoulos 7,14 Meter weit. Das wäre neuer Weltrekord gewesen. Der Rückenwind blies mit 2,1 Metern pro Sekunde aber um 0,1 zu viel, damit ein Rekord anerkannt werden kann. Im letzten Versuch flaute es etwas ab. Der Grieche flog auf eine Weite von 7,04 Meter, bei zulässigen 1,2 Metern pro Sekunde Rückenwind. Als das klar war, lagen sich Sportler und Trainer mit Jubelschreien in den Armen. Freital ging erneut in die Sportgeschichte der Leichtathletik ein.

Wichtig ist, dass der Wettkampf allen internationalen Standards entspricht. Es müssen Kampfrichter mit der entsprechenden Lizenz vor Ort sein, die Windmessgeräte müssen geeicht sein und es sind Dopingkontrollen vorgeschrieben. Ein riesiger Aufwand für die Organisatoren. Aber es lohnt sich - für den Verein und die gesamte Stadt, wenn Freital jetzt international in den Bestenlisten auftaucht.

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