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Wer waren die Schatzsucher im Weißeritztal?

Legende oder Wirklichkeit? Heimatforscher Leßke tippte auf Schmuckfabrikanten aus dem europäischen Süden.

Im Mittelalter aus dem Süden zugewandert: Walen bei der Suche nach Gold, Erzen und Edelsteinen. Fundstellen markierten die Fremden mit in den Fels eingemeißelten Symbolen.
Im Mittelalter aus dem Süden zugewandert: Walen bei der Suche nach Gold, Erzen und Edelsteinen. Fundstellen markierten die Fremden mit in den Fels eingemeißelten Symbolen. © Zeichnung: Siegfried Huth

Ob sie tatsächlich unsere Gegend durchstreiften, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Männer mit Forscherdrang und Sachkenntnis haben sich über einen möglichen Aufenthalt der sogenannten Walen (auch Wahlen) im Plauenschen Grund die Köpfe zerbrochen, doch nicht einmal über den Namen der zugewanderten Fremdlinge konnte man letzte Klarheit gewinnen. Man einigte sich schließlich darauf, dass es sich bei den Zugewanderten um Bewohner der Ansiedlung Vallenses im Grenzbereich Schweiz/Deutschland handeln könnte. In dieser Gegend sei die Steinbehandlung und Schmuckherstellung ein Broterwerb für viele gewesen.

Heimatchronist Friedrich August Leßke meldete allerdings Zweifel an. Seiner Meinung nach stammten die ungebetenen, aber offenbar freundlichen Gäste aus Venedig und Florenz – Männer, die aus Steinen wahre Kunstwerke zu schleifen verstanden und damit einen gut florierenden Handel betrieben.

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Edelsteine im Windberggebiet

Es ist nicht nur der Plauensche Grund, der die Fremden anlockte. Die Kunde von unermesslichen Silbererzvorkommen im Erzgebirgsraum, schon im 13. Jahrhundert ausgebeutet, drang gar bald über die Landesgrenzen. Hoch im Kurs standen Schneeberger und Freiberger Gruben bis hinab in die Täler der Weißeritzen.Man gewann nicht nur Silber, man stieß, alten Überlieferungen zufolge, selbst auf Gold. In etlichen Forellenbächen des Gebirges entdeckte man Vorkommen von Kupfer sowie von Weiß- und Weißgüldenerz. Dem Windberggebiet wurden Edelsteinfunde zugeschrieben.

Irgendwann im Mittelalter brachen Leute aus den südlichen und westlichen Gefilden Europas auf, um an Ort und Stelle den Dingen nachzugehen. Keine Abenteurer im abwertendem Sinne, keine von Armut gebeutelten Kerle, die in der Fremde ihr Glück machen wollten. Walen entpuppten sich als Leute, die sich in Gesteinskunde auskannten, über handwerkliches Geschick und nicht zuletzt über Geschäftssinn verfügten. Die meisten lebten in auskömmlichen Verhältnissen. In unserer Gegend und im Erzgebirge selbst wollten sie ihren Besitz mehren.

Walen, die sich in Annaberg ans Werk machten, gingen bald daran, Erz zu schmelzen und das auf eine bessere und effektivere Art, als es die einheimischen Bergleute vermochten. Streng waren die Fremden darauf bedacht, das Geheimnis ihrer Praktiken zu hüten.

Wurden Walen fündig, markierten sie die betreffenden Stellen mit eingemeißelten Zeichen. Symbole für Gold, Silber und andere Erze.Zeichen, die es auch im Plauenschen Grund gab, die jedoch durch das Anlegen von Steinbrüchen, Verrollungen und Sprengungen längst unkenntlich sind.Ein Wale namens Johann Baege (andere Schreibweise Beggen) 1685 zu Frauenstein verstorben, machte in einer selbst verfassten Standortbeschreibung, dem sogenannten „Schieferbüchlein“, Aufzeichnungen über erzhaltige Gänge im schwer zugänglichen Weißeritztal. Der Autor formulierte unter anderem: „Bei dem Schweizer Bett (gegenüber Felsenkeller) ist ein großer Steinfels, darin sind unterschiedliche Zeichen gehauen. Von demselben gehe 200 Schritt, da wirst du einen sehr mächtigen Gang antreffen, der so viel Gold, Silber und Erz enthält, dass es nicht zu beschreiben ist.“ Eine Aufzeichnung, die sich wie ein Märchen liest.Über der Weißeritz, so Baege, verlief ein Gründchen zum Dorf Coschitz (heute Coschütz) mit einem Gang, der Gold und Silber in sich birgt. Weiter schilderte er: Windberg, Osterbusch und das Dorf Potschappel ruhten auf mächtigen Schätzen von Gold, Silber und Kupfer. Baege dehnt seine Betrachtungen auch auf den Tharandter Wald und Höckendorfer Flur aus, wo es gleichfalls große Menge an Gold und diversen Erzen gäbe.

Begegnung in Venedig

Die folgende Geschichte von einem Walen aus Venedig soll sich tatsächlich zugetragen haben. Demnach handelt es sich um einen Fremden, der lange Zeit bei einer armen Familie in einem Dorf bei Potschappel gewohnt hatte. Er lief in alter, zerschlissener Kleidung einher, ging morgens fort und kehrte erst abends mit einem Säckchen voller Steine zurück. Eines Tages verabschiedete er sich für immer, drückte dabei seinen Gastgebern einiges Geld in die Hand und sagte, er würde gern jemand von der Familie einmal in seiner Heimat wiedersehen. Die Steine nahm der Fremde mit, um sie in Venetia fein geschliffen und mit beträchtlichem Gewinn zu verkaufen.

Nun trug es sich später zu, dass einer der Söhne seiner ehemaligen Wirtsleute mit der kaiserlichen Armee nach Venedig kam. Dabei begegnete ihm ein vornehmer Herr, der den Soldaten sofort erkannte und ihn mit sich in sein Haus nahm.

Dort stellte er sich in seiner ehemaligen Kleidung vor, worauf sich der erstaunte junge Mann auf den Herbergsgast seiner Familie besann. „Siehst du“, sagte der Wale, „dieses schöne Haus und ein ansehnliches Gut habe ich mir, aus den Steinchen von euch aufgelesen und bearbeitet, gekauft.“ Er bewirtete den jungen Mann aufs Beste und beschenkte ihn reich.

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