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Fünf Tipps gegen schwirrende Plagegeister

Die Wespenzeit ist noch längst nicht vorbei. Doch es gibt Tricks, die Insekten fernzuhalten, so ein Experte aus Freital. Sollten sie doch stechen, hilft nur eines.

Kein beliebter Gast am Tisch: Wespen sind bis in den Herbst hinein auf Nahrungssuche.
Kein beliebter Gast am Tisch: Wespen sind bis in den Herbst hinein auf Nahrungssuche. © Julian Stratenschulte/dpa

Die Situation kennt jeder: Kaum ist der Tisch im Freien gedeckt und es durftet lecker nach Kuchen oder Gegrilltem, sind sie die ersten Gäste - Wespen. Erst kommt eine, dann die nächste. Sie schwirren nervös umher und verfolgen hartnäckig ihr Ziel. Fühlen sie sich bedrängt, greifen sie zum Äußersten und stechen zu. Meistens ab August häufen sich die Fälle in den Kliniken das Landkreises, in denen Patienten mit schmerzhaften Wespenstichen ärztlichen Rat suchen. Dabei gibt es ein paar Tricks, sich die Plagegeister fernzuhalten. 

1. Tipp: Wespen mit Gerüchen vertreiben

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Die Insekten sind auf Nahrung scharf, auch um ihre Brut zu füttern. Normalerweise leben sie von Nektar, Pollen, Pflanzensäften und Obst. Die Larven werden zudem mit eiweißhaltiger Kost, beispielsweise von toten Tieren, gefüttert. Wenn sie diese in der Natur nur schwer oder nicht mehr finden, verlegen sie sich auf andere Nahrungsquellen. Ein gedeckter Tisch ist da die erste Wahl. Aber es gibt Gerüche, welche Wespen abschrecken. "Um die Tiere vom gedeckten Tisch fernzuhalten, hat sich entzündetes Kaffeepulver als sehr effektiv erwiesen. Dazu einfach das frische Pulver in einem feuerfesten Gefäß anzünden. Der durch den Schwelbrand entstandene Rauch vertreibt die Wespen", erläutert Sebastian Trinks, Oberarzt der Notfallambulanz der Weißeritztal-Klinik Freital. Man kann auch Duftlampen verwenden. Trinks: "Natürliche ätherische Öle wie Pfefferminze, Eukalyptus, Teebaum, Nelke, Zirbe oder Lavendel können helfen, die schwarz-gelben Biester fernzuhalten." 

2. Tipp: Die Tiere ablenken, aber nicht töten

Wespen lernen schnell. Hat eine einen gedeckten Tisch entdeckt und ist erfolgreich ins Wespennest zurück geflogen, kommt sie wieder - und bringt Verstärkung mit. Die Tiere orientieren sich dabei an dem Geruch, weshalb es immer aussieht, als würden sie nervös durch die Luft schwirren. Die Verhaltensweise kann man zur Ablenkung nutzen und ein Wespenfestmahl veranstalten. Dazu reicht es, weit entfernt vom eigenen Tisch etwas leckeres, beispielsweise Obst und Grillgut, anzubieten. Stören die Wespen dann immer noch, sollte man nicht hektisch um sich schlagen. Auch das Wegpusten hat seine Tücken, wie Daniel El-Hifnawy leitender Oberarzt der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde am Helios Klinikum Pirna, erklärt: "Kohlenstoffdioxid wird von Wespen als Angriffsstoff wahrgenommen." Von Wespenfallen wird übrigens abgeraten, da diese von den Tieren schnell durchschaut und umgangen werden. Zudem fallen für das vorsätzliche Fangen, Verletzen und Töten von Wespen saftige Bußgelder an. Ohne triftigen Grund kann das in Sachsen bis zu 5.000 Euro kosten, da die Tiere unter Naturschutz stehen. 

3. Tipp: Einstichstelle desinfizieren und kühlen

Sticht eine Wespe dann doch zu, hilft vor allem: Kälte. Meist kommt es aufgrund der toxischen Wirkung des Giftes zu einer weniger als zehn Zentimeter großen, lokalen Entzündungsreaktion, die sich durch Rötung, Schwellung und Juckreiz bemerkbar macht. „Diese bildet sich meist innerhalb eines Tages deutlich zurück“, erklärt Daniel El-Hifnawy. Der Facharzt mit einer Spezialisierung in der Allergologie empfiehlt, einen eventuell noch vorhandenen Stachel umgehend vorsichtig mit einer Pinzette zu entfernen, die Einstichstelle zu kühlen und zu desinfizieren. Zusätzlich können Gels und Cremes zur Linderung des Juckreizes und der Schwellung verwendet werden. Wer lieber zu Hausmitteln greift, kann die Sympotome mit einer Scheibe Zitrone oder einer rohen Zwiebel versuchen zu lindern. "Pressen Sie dafür die Zitrone oder Zwiebel ein paar Minuten auf den Stich. Um das Gift zu neutralisieren, können Sie zu einem Umschlag mit Essig greifen, der gleichzeitig kühlt", erklärt der Freitaler Notfallmediziner Trinks. Gut zu wissen, dass Insektengift für Kinder nicht per se gefährlicher ist als für Erwachsene. „Aber man muss dennoch mehr auf die Kleinsten achten, da sie oft hektischer reagieren und dadurch die Wespen noch aggressiver werden lassen“, sagt HNO-Arzt El-Hifnawy.

4. Tipp: Wespenstiche im Mundraum sind ein Notfall

Ein Wespen- oder Bienenstich im Mundbereich ist besonders gefährlich, weil die Schleimhäute schnell anschwellen können. Es droht die Gefahr des Erstickens. Ist der Stachel im Mund, an der Lippe oder der Zunge zu sehen, sollte eine andere Person ihn vorsichtig entfernen. Trinks: "Hier ist jedoch darauf zu achten eine eventuell noch vorhandene Giftblase am Stachel nicht auszupressen und am besten eine Pinzette zu benutzen oder mit desinfizierten Händen den Stachel wegzukratzen." Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes empfiehlt es sich, zum Beispiel durch das Lutschen eines Eiswürfels oder kalte Umschläge am Hals den Stich zu kühlen. „Stellt der Betroffene bereits Atemprobleme fest, sollte nicht mehr getrunken werden, um ein Verschlucken zu vermeiden“, erklärt El-Hifnawy.  

5. Tipp: Allergiker sollten Notfallset haben

Eine Allergie entwickelt sich erst nach dem ersten Kontakt des Immunsystems mit dem Insektengift. Das bedeutet, dass es im Falle einer Allergie auf ein Insektengift erst nach einem neuerlichen Stich zu einer Überreaktion des Immunsystems kommen kann. „In Deutschland treten nach Insektenstich bei circa 25 Prozent der Menschen gesteigerte örtliche Reaktionen auf. Bei ca. drei Prozent der Bevölkerung kommt es sogar zu Ganzkörperreaktionen, sogenannten anaphylaktischen Reaktionen, die mit Hautausschlag, Atemnot bis hin zu Herz-Kreislauf-Reaktionen einhergehen und zum Tode führen können“, sagt El-Hifnawy. Allergiker sollten immer ein Notfallset bestehend aus einem Antihistaminikum, einem Cortisonpräparat sowie einem Adrenalin-Autoinjektor mitführen, in dessen Handhabung sie vom verordnenden Arzt eingewiesen wurden. Für Kinder gibt es außerdem spezielle Notfallarmbänder, die Ersthelfer auf die Allergie gegen Insektengifte aufmerksam machen. Ob Personen tatsächlich auf das Gift von Bienen- oder Wespen allergisch sind, kann mittels Blutuntersuchungen und Hauttests zum Beispiel im Medizinischen Versorgungszentrum Pirna, direkt auf dem Gelände des Helios Klinikum Pirna festgestellt werden. Auch niedergelassene Ärzte bieten solche Tests an. „Liegt eine Allergie vor, besprechen wir mit dem Patienten entsprechende Vorsorge-Maßnahmen und verordnen ein entsprechendes Notfallset“, so HNO-Arzt El-Hifnawy.

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