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Sächsische Schweiz und Osterzgebirge für den Bauch

SZ-Volontärin Angelina Sortino hat versucht, fünf Tage nur Produkte aus dem Landkreis SOE zu essen. Wie es geschmeckt hat und wie teuer es war.

SZ-Volontärin Angelina Sortino beim Kochen. Es gibt Kartoffelauflauf.
SZ-Volontärin Angelina Sortino beim Kochen. Es gibt Kartoffelauflauf. © privat

Wer regional und saisonal isst, der tut damit der Umwelt und hiesigen Herstellern einen gefallen. Doch obwohl mir ein nachhaltiger Lebensstil eigentlich wichtig ist, kaufe ich häufig Obst und Gemüse aus fernen Ländern. Auch auf meinen Kaffee am Morgen verzichte ich nur äußerst ungern, obwohl ich weiß, dass er eine echte Klimasünde ist.

Doch das soll sich nun ändern. Zumindest für fünf Tage will ich mich ausschließlich von Produkten aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ernähren. Wie gut das klappt, wo ich Kompromisse machen muss und wie teuer das wird - ein Selbstversuch.

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Tag 1, Montag

In meinem Kühlschrank herrscht gähnende Leere. Vor dem Beginn meines Versuches habe ich mich bemüht, alle Vorräte aufzubrauchen. Aus diesem Grund beschließe ich, noch vor der Arbeit einkaufen zu fahren. Denn wenn ich schon keinen Kaffee trinken kann, weil er hier nicht gedeiht, dann brauche ich immerhin was im Magen, um halbwegs gut in die Woche starten zu können.

Das Gut Pesterwitz ist nur einige Autominuten von der Freitaler Redaktion entfernt. Dort decke ich mich erstmal mit dem nötigsten ein. Ich kaufe vor allem frisches Gemüse, aber auch mehrere Packungen hier hergestellter Pasta, ein Kilo Mehl, Öl, Eier sowie Butter und Sahne.

Die Milchprodukte sind leider nicht aus dem Landkreis, aber immerhin von einem Direktvermarkter aus dem Vogtland. Ich kaufe sie trotzdem. Denn ganz ohne Milchprodukte zu kochen wird schwer. Immerhin, die Produkte sind aus Sachsen und ich habe sie in einem Hofladen im Landkreis erworben. Die meisten Gemüsesorten werden nicht direkt auf dem Gut Pesterwitz angebaut, sind aber ausschließlich aus Deutschland. Eine Woche fast gar kein Gemüse zu essen, erscheint mir aber als sehr ungesund.

Deshalb entschließe ich mich, einen großen Kompromiss zu machen. Regionaler als die meisten Produkte im Supermarkt sind sowohl meine Thüringer Tomaten und Vogtländer Butter allemal.

Für meinen ersten Einkauf zahle ich gut 35 Euro. Normalerweise geben wir in meinem Zwei-Personen-Haushalt für unseren Wocheneinkauf um die 60 Euro aus. Ich bin nicht besonders zuversichtlich, dass wir diese Woche damit auskommen werden.

Zum Frühstück gönne ich mir Erdbeeren - lecker! Zum Mittagessen gibt es dann Pasta mit Pesto aus Stadt Wehlen und frischen Tomaten. Die sind sehr aromatisch. Abends sind weder mein Hunger noch meine Lust zu kochen groß. Deshalb backe ich mir aus den Produkten meines Einkaufs eine schnelle Focaccia, die ich mit Gemüse verziere.

Tag 2, Dienstag

Zum Frühstück gibt es die Reste der Focaccia mit Butter. Mittags wird schnell ein Rührei in die Pfanne geworfen und ein Salat geschnippelt. Das ist zwar sehr lecker, richtig satt bin ich allerdings nicht. Ich bereue, nicht mehr Obst für zwischendurch eingekauft zu haben. Also schaue ich nach der Arbeit im Supermarkt vorbei, finde da aber leider kein Obst aus dem Landkreis. Abends gibt es dann Eier-Nudeln. Satt bin ich danach, allerdings habe ich Lust auf etwas zum Naschen.

Tag 3, Mittwoch

Weil meine Gelüste nach Zucker noch nicht nachgelassen haben, gönne ich mir bei der Landbäckerei Friedrich eine Kirschtasche. Ich bezweifle zwar, dass alle Zutaten darin aus dem Landkreis stammen, aber immerhin ist das Teilchen hier produziert worden. Weil ich schon mal da bin, nehme ich auch ein kleines Roggenmischbrot mit und zahle insgesamt drei Euro.

Danach entscheide ich mich dazu, bei der Milchtankstelle in Freital-Somsdorf vorbeizufahren. Nachdem sich mein alter Punto den Berg hinauf gekämpft hat, befülle ich zwei Flaschen mit Milch und nehme auch noch eine Packung Eier und ein Glas Honig mit. Die insgesamt elf Euro habe ich gerade noch so als Münzgeld dabei und werfe sie in die Kasse.

Auf dem Weg zurück an den Schreibtisch fahre ich auch noch kurz beim Gut Pesterwitz vorbei, um mich nochmal mit Gemüse, Saft und etwas Käse einzudecken. Hier bezahle ich 13 Euro.

Zum Mittagessen gibt es dann gefüllte Pfannkuchen. Der Geschmack erinnert mich an Essen bei Oma. Abends brate ich Kartoffelwürfel in der Pfanne an. Dazu gibt es Brot, Käse und Rohkost. Später gönne ich mir beim Fernsehen noch ein Brot mit Rabenauer Honig.

Tag 4, Donnerstag

Der neue Tag beginnt, wie der vorherige geendet hat - mit einem Honigbrot. Zum Mittag gibt es Rührei auf Butterbrot. Kopfschmerzen am Nachmittag erinnern mich daran, dass ich das Trinken heute sträflich vernachlässigt habe. Also genehmige ich mir zwei große Gläser mit naturtrüber Apfelschorle mit Saft von Freitaler Äpfeln. Abends gibt es einen Kartoffelauflauf mit reichlich Béchamelsauce, Käse und frischer Petersilie.

Was so auf meinem Teller gelandet ist

Eier-Nudeln: Geht schnell und schmeckt gut.
Eier-Nudeln: Geht schnell und schmeckt gut. © Angelina Sortino/SZ
Rührei mit Salat: Sehr lecker, hält aber nicht lange satt.
Rührei mit Salat: Sehr lecker, hält aber nicht lange satt. © Angelina Sortino/SZ
Kirschtasche vom Bäcker: Definitiv das beste Frühstück der Woche.
Kirschtasche vom Bäcker: Definitiv das beste Frühstück der Woche. © Angelina Sortino/SZ
So schön wie die Vorlage auf Instagram war mein Focaccia zwar nicht, geschmeckt hat es aber trotzdem.
So schön wie die Vorlage auf Instagram war mein Focaccia zwar nicht, geschmeckt hat es aber trotzdem. © Angelina Sortino/SZ
Fast wie bei Oma: Pfannkuchen mit Gemüsefüllung.
Fast wie bei Oma: Pfannkuchen mit Gemüsefüllung. © Angelina Sortino/SZ
Nudeln mit Pesto und frischen Tomaten. Das gibt es auch sonst oft zum Mittagessen.
Nudeln mit Pesto und frischen Tomaten. Das gibt es auch sonst oft zum Mittagessen. © Angelina Sortino/SZ
Butterbrote mit Rührei: Nicht gerade einfallsreich, aber immer gut.
Butterbrote mit Rührei: Nicht gerade einfallsreich, aber immer gut. © undefined
Bratkartoffeln, Käse, Brot und Rohkost ergeben ein buntes Abendessen.
Bratkartoffeln, Käse, Brot und Rohkost ergeben ein buntes Abendessen. © undefined
Kartoffelauflauf mit reichlich Béchamelsauce und frischer Petersilie.
Kartoffelauflauf mit reichlich Béchamelsauce und frischer Petersilie. © Angelina Sortino/SZ

Tag 5, Freitag

Bald ist es geschafft. Zum Frühstück gibt es zwei kleine Scheiben Honigbrot. Für die Mittagspause im Büro habe ich mir eine Käsestulle eingepackt. Außerdem kaufe ich mir auf dem Weg zur Arbeit Erdbeeren aus Freital und einen Fruchtjoghurt aus dem Vogtland für zwischendurch. Mein Kühlschrank ist inzwischen ziemlich leer. Abends werde ich meinen Selbstversuch mit Nudeln mit Pesto von Pasta Lucia beenden.

Fazit und Kassensturz

Insgesamt habe ich in den fünf Tagen 66,50 Euro für Lebensmittel für zwei Personen ausgegeben. Das macht pro Person und Tag 6,65 Euro. Ich hätte ehrlich gesagt mit mehr gerechnet. Besonders gefehlt haben mir meine Naschereien und vor allem der Kaffee. Mit ein paar Kompromissen bin ich aber überraschend gut durch die Woche gekommen. Außerdem habe ich deutlich weniger Verpackungsmüll produziert als sonst. Insbesondere Obst und Gemüse waren meist unverpackt.

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Allerdings sind die langen Wege beispielsweise zur Milchtankstelle für mich nur schwer in meinen Alltag zu integrieren. Auf meinem Rückweg von der Arbeit werde ich aber in Zukunft definitiv öfter bei einem Hofladen oder Direktvermarkter vorbeischauen, um mehr regionale Lebensmittel in meine Ernährung einzubauen.

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