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Wieder Streit um Klo am Freitaler Neumarkt

Seit drei Jahren wird über eine öffentliche Toilette diskutiert, aber keine Lösung gefunden. Wie dringend ist das Problem überhaupt?

Die Toilette am Freitaler Busbahnhof ist nur montags bis freitags von 6 bis 18 Uhr geöffnet.
Die Toilette am Freitaler Busbahnhof ist nur montags bis freitags von 6 bis 18 Uhr geöffnet. © Karl-Ludwig Oberthuer

Dieses Thema treibt Freitals Stadträte um: Soll am Neumarkt eine öffentliche Toilette gebaut werden oder nicht? Vor gut einem Jahr hatten die Räte zuletzt darüber beraten. Nun kam abermals eine Diskussion dazu auf. Anlass war ein Antrag der Bürger für Freital, doch wenigstens eine rund um die Uhr zugängliche Interimslösung zu schaffen.

Die Debatte ums stille Örtchen mitten in Freital wird langsam aber sicher zu einer unendlichen Geschichte. Sie schwelt intensiv seit gut drei Jahren. Es gab Gespräche, Pläne und sogar schon eine konkrete Beschlussvorlage. Doch passiert ist nichts.

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Den Auftakt vor gut drei Jahren machte Heidrun Weigel. Die CDU-Frau ist auch die Seniorenbeauftragte der Stadt. Von den Rentnern wurde sie immer wieder darauf angesprochen, das an verschiedenen zentralen Punkten öffentliche Toiletten fehlen. Ihrem Vorstoß schlossen sich bald andere Räte an, insbesondere, als der Neumarkt umgebaut wurde. Heute ist die einst unansehnliche Asphaltfläche ein attraktiver Platz mit Sitzgruppen, Grünanlagen, Brunnen. Zweimal monatlich findet hier ein Wochenmarkt statt. Der Neumarkt soll zukünftig auch stärker als Veranstaltungsort genutzt werden. Nur ein Klo gibt es nicht.

Nur drei öffentliche Toiletten in Freital

Freital hat ohnehin nur wenige öffentliche Toiletten. Eine befindet sich fußläufig etwa fünf Minuten vom Neumarkt entfernt am Busbahnhof. Geöffnet ist sie montags bis freitags von 6 bis 18 Uhr. Eine weitere Toilette ist am Hainsberger Bahnhof - geöffnet aber auch nur dann, wenn Schalterbetrieb bei der Weißeritztalbahn ist. Ganz neu ist eine Toilette am Potschappler Bahnhof im Bürgerbüro - auch sie mit begrenzten Öffnungszeiten.

Aus Sicht vieler Stadträte ist eine Toilette am Neumarkt dringend erforderlich. Über das Wie ist man sich allerdings nicht einig. Im Dezember 2019 gab es dazu eine lange Debatte um einen Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung. Die Idee war, eine "City-WC-Anlage, vandalismushemmend und barrierefrei" aufzubauen. Es ging um eine Kabine für alle Geschlechter. Kostenpunkt 145.000 Euro. Das war den Stadträten zu teuer. Sie wollten für diese Summe lieber eine Toilette mit drei Kabinen, nach Männlein, Weiblein und barrierefrei getrennt. Das wurde so beschlossen, aber nie gebaut.

WC soll in Haus-Neubau rein

"Wir machen uns lächerlich, wenn wir solche Entscheidungen nicht umsetzen", kritisierte Lars Tschirner von den Bürgern für Freital. Es sei nicht mehr vertretbar, die Bevölkerung über mehrere Jahre zu vertrösten. Tschirner spricht damit einen neuen Vorschlag zu Lösung der Toilettenmisere an. So gibt es die Idee, in einem geplanten Hausneubau an der Leßkestraße eine öffentliche Toilette unterzubringen.

Das Hausbauprojekt wird von der Wohnungsgesellschaft Freital geplant. Deren Geschäftsführer Henryk Eismann zeigt sich aufgeschlossen und bestätigte, es sei grundsätzlich kein Problem, im Erdgeschossbereich ein von außen per Münztechnik zugängliches WC einzurichten. Allerdings steht das Bauprojekt noch am Anfang. Frühestens in zwei Jahren ist das neue Gebäude fertig.

Doch so lange wollen viele Stadträte nicht warten. Eine Lösung für das WC-Problem haben sie aber auch nicht parat. "Vor einem Jahr gab es umfangreiche Diskussionen zu den Kosten, aber was ist dabei herausgekommen? Sind denn wenigstens Anschlüsse für ein WC am Neumarkt da?", fragte Martin Rülke (Konservative Mitte). Baubürgermeister Jörg-Peter Schautz antwortete dazu, eine Ausschreibung sei damals erarbeitet, aber nicht veröffentlich worden, da der Stadtrat anders entschieden habe.

Lothar Brandau (FDP) wollte wissen, wie hoch denn die Kosten für eine Interimslösung wären. Frank Gliemann (Freie Wähler) monierte, dass der Vorschlag der Bürger für Freital zwar eine ehrenwerte Sache sei, aber ohne eine Kostenschätzung eine Entscheidung nicht leicht falle. Martin Rülke schlug dann vor, doch eine WC-Containerlösung in Betracht zu ziehen. "Oder man kauft einen mobilen Toilettenwagen. Den könnte man dann auch an anderen Orten zu Veranstaltungen einsetzen", schlug Lothar Brandau vor.

Für Händler vom Wochenmarkt gibt es eine Lösung

Jutta Ebert (CDU) warf schließlich die Frage auf, wie dringend das Problem überhaupt sei. "Gehen wir da mal praktisch ran: Bevor man das Haus zum Wochenmarkt verlässt, geht man doch auf die Toilette. Dann zum Wochenmarkt und wieder nach Hause. Ganz ehrlich: Braucht es die öffentliche Toilette am Markt wirklich?"

Oberbürgermeister Uwe Rumberg hatte bei allen WC-Debatten in der Vergangenheit nie ein Hehl daraus gemacht, kein Fan einer öffentlichen Toilette auf dem Neumarkt zu sein. Er erklärte, die Händler selbst hätten Zugang zu den Sanitäranlagen im Technologie- und Gründerzentrum direkt gegenüber dem Neumarkt. Für die Marktbesucher könne man das aber aus Kostengründen nicht anbieten - gerade jetzt in der Corona-Zeit.

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Allerdings wird das Klo nicht nur für die Markttage gebraucht. Hinter dem Neumarkt befindet sich der Windbergpark, eine weitläufige Grünanlage mit Matschspielplatz, Zugang zur Weißeritz und Grillplatz. In der warmen Jahreszeit herrscht dort bis in die späten Abendstunden Begängnis. Ist ist davon auszugehen, dass sich mancher Parkbesucher länger dort aufhält - und vielleicht auch mal auf eine Toilette muss.

Die Stadträte wollen sich des Problems jetzt doch noch mal annehmen. Vorerst soll in den Ausschüssen darüber diskutiert werden.

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