SZ + Freital
Merken

Narren lassen es kurz mal krachen

Die fünfte Jahreszeit fiel dieses Jahr auf einen Donnerstag. Trotz allem ist den Vereinen in Wilsdruff, Pretzschendorf und anderswo das Lachen nicht vergangen.

Von Maik Brückner & Anja Ehrhartsmann & Gabriele Fleischer
 5 Min.
Teilen
Folgen
Die Narren ließen sich in Wilsdruff nur widerwillig die Laune verderben.
Die Narren ließen sich in Wilsdruff nur widerwillig die Laune verderben. © Norbert Millauer

Ralf Rother ist schon mit einigen Gefährten unterwegs gewesen. In einem Quarantäne-Anhänger aber noch nicht. Am Donnerstag, dem 11.11., verschafften ihm die Wilsdruffer Narren dieses zweifelhafte Vergnügen. Sie brachten den Wilsdruffer Bürgermeister in einer Art rollendem Käfig auf den Marktplatz. Dort traf der Rathauschef gegen 11 Uhr ein.

Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother wurde von den Wilsdruffer Narren im Quarantäne-Anhänger auf den Markt gebracht. Begleitet wurde er von Babett Gebhardt.
Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother wurde von den Wilsdruffer Narren im Quarantäne-Anhänger auf den Markt gebracht. Begleitet wurde er von Babett Gebhardt. © Foto: SZ/Maik Brückner

Der feierte den Beginn der fünften Jahreszeit zusammen mit gut gelaunten Narren aus Wilsdruff und Kesselsdorf sowie mehreren Schaulustigen mit Konfetti und Kamelle. Der Rathauschef war gut aufgelegt: Er freue sich auf viele Tage im Jahr, aber der 11.11. sei auch für ihn ein besonderer, schöner Tag, sagt er. "Ich gebe die Verantwortung ab und lege sie in gute Hände. Heute Abend gibt es noch einen Technischen Ausschuss. Da bitte ich darum, den auch noch zu leiten. Ich bin ja da nicht mehr in Amt und Würden." Sprachs und übergab den drei Karnevalsvereinen noch ein paar Moneten aus der Stadtkasse. "Die Säckchen sind kleiner als im letzten Jahr." Aber trotzdem sei etwas drin, gelobte er.

"Ich hoffe, dass mir dieser Tag dann angerechnet wird, wenn es mich ereilen sollte", sagte Rother in Anspielung auf eine mögliche Corona-Quarantäne. "Da hätte ich dann Vorsprung und könnte die Amtsgeschäfte schneller wieder aufnehmen", scherzte er. Ohne Widerstand übergab er pünktlich um 11.11 Uhr bei schönstem Novemberwetter den Rathausschlüssel stellvertretend an den Mohorner Faschingsverein.

Hoffnung auf den März

Trotz der ausgelassenen Stimmung schlug Rother noch ein paar ernste Töne an: Die Coronazeit sei keine einfache Zeit für die Karnevalisten. "Sie stehen vor einer weiteren Saison des ausgefallenen Faschings." Er wünschte den Narren, dass sie ihren Vereinen treu bleiben und andere Möglichkeiten finden, die Vereinsarbeit fortzuführen - auch in Hinblick auf die kommende Saison. "Diese Zeit gibt für die Satire unendliche Möglichkeiten." Er freue sich auf die Zeit, wenn man das wieder auskosten kann.

Lautstark zog der Faschingsclub Pretzschendorf mit Trabbi und zu Fuß durch die Gemeinde.
Lautstark zog der Faschingsclub Pretzschendorf mit Trabbi und zu Fuß durch die Gemeinde. © Daniel Schäfer
Klingenbergs Bürgermeister Torsten Schreckenbach (links) machte allen Spaß mit, den sich Falk Müller (Mitte) und Heiko Horn (rechts) vom Karnevalsklub Pretzschendorf ausgedacht hatten.
Klingenbergs Bürgermeister Torsten Schreckenbach (links) machte allen Spaß mit, den sich Falk Müller (Mitte) und Heiko Horn (rechts) vom Karnevalsklub Pretzschendorf ausgedacht hatten. © Daniel Schäfer
Die Pretzschendorfer Narren waren am 11.11. unüberhörbar. Vor der Gemeinde wurde eine Kanone in Stellung gebracht, die von Sascha Koitzsch (Minister für Sicherheit und Ordnung) mit Konfetti voll gestopft wurde.
Die Pretzschendorfer Narren waren am 11.11. unüberhörbar. Vor der Gemeinde wurde eine Kanone in Stellung gebracht, die von Sascha Koitzsch (Minister für Sicherheit und Ordnung) mit Konfetti voll gestopft wurde. © Daniel Schäfer
In Bannewitz war es etwas ruhiger aber nicht weniger lustig zugegangen, als Bürgermeister Christoph Fröse zum letzten Mal an die Narren den Schlüssel abgegeben hat.
In Bannewitz war es etwas ruhiger aber nicht weniger lustig zugegangen, als Bürgermeister Christoph Fröse zum letzten Mal an die Narren den Schlüssel abgegeben hat. © Gemeinde
Ist das ein Ziehen oder schiebt Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother (l.) angesichts der komplizierten politischen Lage den Narren den Rathaus-Schlüssel zu?
Ist das ein Ziehen oder schiebt Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother (l.) angesichts der komplizierten politischen Lage den Narren den Rathaus-Schlüssel zu? © Norbert Millauer

Das hofft man vor allem in Wilsdruff und Mohorn. Deren fünfte Jahreszeit fiel nämlich auf einen Donnerstag. Alle geplanten Veranstaltungen in diesem Jahr haben sie abgesagt. Den 11.11. wollten sie aber wenigstens feiern. Jan Förster, Präsident des Mohorner Carnevalsvereins, hätte dazu gern auch seine närrischen Herrscher mitgebracht. Durfte aber nicht: "Unser Prinzenpaar hat uns schon etwas voraus. Die sind schon in Quarantäne."

Auch Wilsdruffs Karnevalspräsidentin Ilona Beger fehlte krankheitsbedingt. "Aber nicht wegen Corona", wie Schatzmeisterin Elisabeth Stamen auf Nachfrage versicherte und herzliche Grüße ausrichtete. Auch der Karnevalsclub Wilsdruff hoffe auf bessere Zeiten.

620 Tage sind seit der letzten Veranstaltung - dem traditionellen Gardeausscheid - vergangenen, sagte sie. "Wir konnten seitdem nicht wie gewohnt zusammen sein und nicht feiern. Wir stecken nun all unsere Hoffnung in den Februar und den März."

Kesselsdorfer feiern Open Air

Nur der Karnevalsklub Kesselsdorf wagt sich ans Feiern heran. Er lädt am Freitag und Sonnabend in den Grumbacher Hof nach Grumbach ein, um unter Beachtung der gültigen Hygieneregeln Open-Air-Fasching zu feiern. Wer mitmachen möchte, sollte sich warm anziehen, riet Präsidentin Juliane Walter, die vom Prinzenpaar Vinz I. und Laura I. begleitet wurde.

Für Kurzentschlossene gibt es noch Karten, die unter der Hotline des Vereins bestellt werden können. Sein 50-jähriges Bestehen möchte der Verein dann mit einer Sommerparty im nächsten Jahr nachfeiern, verkündete sie.

Pretzschendorfer spielen Extrem-Jenga

Auch in Pretzschendorf hatten die Narren ihren Spaß. Vor knapp 130 Zuschauern forderten sie von Klingenbergs Bürgermeister Torsten Schreckenbach pünktlich um 11.11. Uhr die Schlüsselgewalt über die Gemeinde. Mit gespieltem Widerwillen rückte der Rathaus-Chef den großen goldenen Schlüssel heraus.

Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung und die Narren des Faschingsklubs lieferten sich außerdem noch ein unterhaltsames Duell im Tauziehen, Kegeln und dem Geschicklichkeitsspiel „Jenga“, unter Extrembedingungen. Auf einer Rüttelplatte galt es, Holzklötzchen aus einem Turm zu lösen, ohne dass dieser in sich zusammenfällt. Gespielt wurde darum, wer zu Weihnachten für die Pretzschendorfer Grundschulkinder den Weihnachtsmann macht. „Am Ende haben wir klar gewonnen, aber mein Verein ist mir in den Rücken gefallen. Es wurde mehrheitlich beschlossen, dass ich dieses Jahr den Weihnachtsmann mache“, erklärt Vizepräsident Heiko Horn mit einem Augenzwinkern. „Aber es ist nicht so, dass ich darauf nicht schon vorbereitet gewesen wäre.“

Dank an Bürgermeister

Trotz Corona haben sich auch die Bannewitzer Karnevalsvereine den Faschingsauftakt nicht nehmen lassen. Pünktlich 11.11 Uhr übergab Bürgermeister Christoph Fröse (parteilos) vor dem Bürgerhaus den Rathausschlüssel an die Vereine Bannewitz, Possendorf und Goppeln.

Die bedankten sich mit einer gemeinsamen Uniformjacke mit allen drei Wappen der Vereine und dem Spruch „Bürgermeister a. D.“ Gleichzeitig wurde er vom Schützen- und Karnevalsverein Goppeln zum Ehrenmitglied ernannt und bekam einen Bilderrahmen mit allen 13 Schlüsselübergaben seiner Amtszeit. Die endet bekanntlich im kommenden Jahr. Der Stress im Amt hat Fröse zuletzt offensichtlich stark altern lassen oder das Outfit war nur Tarnung ...

Tickets Kesselsdorfer Karnevalsverein, Telefon 0352045088