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Viel Sympathie für die Windbergbahn

Nachdem ein Anwohner zu viel Trubel an der Strecke moniert hatte, melden sich viele andere zu Wort. Deren Meinung zu den Plänen ist eindeutig.

Im vergangenen Sommer führte der Verein erste Fahrtage durch, die gut besucht waren.
Im vergangenen Sommer führte der Verein erste Fahrtage durch, die gut besucht waren. © Karl-Ludwig Oberthür

Die Windbergbahn ist schon vor dem Saisonstart Anfang Mai auf dem Weg zu Freitals neuem Publikumsliebling. Das zumindest lässt sich aus der Diskussion entnehmen, die seit Tagen im Internet tobt.

Nachdem die Sächsische Zeitung in der vergangenen Woche berichtet hatte, dass ein Anwohner sich Sorgen um so viel Bahn-Tourismus vor seiner Haustür an der Leisnitz macht und das Wiederaufbau-Projekt grundsätzlich infrage stellt, hagelt es Kritik.

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Einige Bahnfans rieten dem Anwohner, doch lieber wegzuziehen oder beschimpften den Kritiker. Andere drückten sich etwas moderater aus. "Tja die Bahn war zuerst da...Pech gehabt", schreibt beispielsweise Marcus Arnold. Michael Rühling äußert: "Wenn es als Bahnstrecke gewidmet ist, wird er wohl damit leben müssen, an einer Bahnstrecke zu wohnen." Martin Wimmer kommentiert: "Die Anwohner haben die Gleise schon immer vor der Nase. Jetzt so ein originelles und lokales Projekt stoppen zu wollen ist doch realitätsfern."

Konflikt wegen neuem Haltepunkt

Der Konflikt dreht sich vor allem um Pläne des Windbergbahn-Vereins, an der Leisnitz einen Haltepunkt einzurichten. Den gab es nie, doch ist die kleine Siedlungsstraße der nächste Punkt, bis zu dem die Bahn ab dem Bahnhof Gittersee aus pendeln wird. In den kommenden Wochen soll die Gleisanlage hier aufwendig saniert werden. Weil der Streckenabschnitt total marode ist, müssen Gleise, Schwellen und Schotter getauscht werden.

Der Verein hat dafür extra einen Gleisbautrupp gebildet. Dieser wird unterstützt von einem Trupp Lehrlinge der Freitaler Niederlassung von Strabag Rail. Auch steuern einige Freitaler Baufirmen Gerätschaften und Material bei. Die Arbeiten werden von den Vereinsmitgliedern ehrenamtlich durchgeführt und lediglich über Spenden und Sponsoring finanziert.

In dem Zuge wird dann auch mit einfachen Mitteln der Bahnsteig entstehen. Der zusätzliche Haltepunkt ist ganz bewusst gewählt. Denn er liegt auf halber Strecke zwischen den beiden Endstationen und befindet sich nur wenige Gehminuten von Schloss Burgk und Oskarshausen entfernt.

Mit beiden Einrichtungen ergeben sich für die Windbergbahner mögliche Partnerschaften für gemeinsame Veranstaltungen und mehr.

Pendelbus einrichten

Für die Anwohner bedeutet das mehr Begängnis an der Leisnitz. Befürchtet wird vor allem, dass Fahrgäste mit dem Auto bis in die schmale Wohngebietsstraße fahren und dort wild alles zuparken. So zumindest waren die Erfahrungen vor einigen Jahren, als die Windbergbahn ebenfalls an der Leisnitz hielt.

"Wenn es der Publikumsverkehr ist, der ihn stört, kann man ja einen Shuttlebus einrichten oder eben einfach das Stück zu Fuß laufen (wer kann)", schlägt die Grünen-Stadträtin Lydia Engelmann vor. Auch andere plädieren dafür, Lösungen zu finden. "Alles sollte klärbar sein, setzt euch zusammen und lasst nicht erst verhärtete Fronten entstehen, dann ist es zu spät", schreibt Christian Uhlemann.

Das meint auch Bernd Peschel. "Wilde Parkerei ohne Sinn und Verstand - halt wie es einem aus dem Pfoten fällt - gibt es überall. Hier muss die rechtliche Grundlage geschaffen, ggf. auch Kontrollen durchgeführt werden. Da es nur wenige Verkehrstage geben wird, ist die Situation berechenbar", schreibt er.

Einzelne Fahrtage geplant

Tatsächlich plant man beim Verein keinen regelmäßigen Zugverkehr, sondern einzelne Fahrtage in der warmen Jahreszeit. Der erste wird am Wochenende 1./2. Mai sein. Pro Monat folgt dann bis Oktober jeweils ein weiterer Fahrtag. Die Züge starten in Gittersee und enden vorerst an der Leisnitz.

Beim Verein rechnet man damit, dass die meisten Fahrgäste dort kurz aussteigen, sich die Beine vertreten, Fotos machen und dann nach Gittersee zurückfahren.

Den Fall, dass aus Richtung Freital mehr Besucherverkehr kommt, habe man aber im Blick, heißt es seitens des Vereins-Vorstandes. "Auch aus unserer Sicht ist es nicht gewollt, dass auf dem Bahngelände geparkt wird", schreibt Vereinsvorsitzender Holger Demnitz an den Kritiker und bietet ein Gespräch an: "Wir stehen gern für einen konstruktiven Austausch zur Verfügung."

Inzwischen hat sich auch die Stadt Freital in den Konflikt eingeschaltet. Dem Vernehmen nach soll es demnächst ein Gespräch zwischen allen Seiten geben.

Herausragendes technisches Denkmal

Dass der Verein so viel Kraft in die sechs Kilometer lange Strecke steckt, hat einen Grund. Die Bahn wurde Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt und dabei derart genial in die Topografie eingepasst, dass sie auf sechs Kilometern 120 Höhenmeter überwinden konnte.

Es war eine Leistung, die bis dato nur in Österreich gelungen war, weshalb die Trasse als erste Gebirgsbahn Deutschlands in die Geschichte einging und schon damals als "Sächsische Semmeringbahn" bezeichnet wurde. Übrigens sogar von höchster Stelle, dem damaligen sächsischen König. Die "Hänichener Kohlezweigbahn" war zunächst als reine Industriebahn für den Abtransport der Steinkohle aus den Gruben in Richtung Dresden zuständig. Um 1900 herum wuchs ihre Bedeutung auch als Ausflugsbahn.

Ab den 50er-Jahren wurde die Bahnstrecke, die einst bis Possendorf reichte, abschnittsweise stillgelegt. Übrig blieb nur der sechs Kilometer lange Abschnitt vom Plauenschen Grund bis Gittersee, wo noch bis 1993 Züge verkehrten.

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