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Gleisbau für die Windbergbahn

An der Gitterseer Straße wird ein weiterer Streckenabschnitt saniert. Doch bis die Bahn dahin fahren kann, ist es noch ein weiter Weg - aus einem Grund.

Klaus Gottschling(li.) und Mike Scholz (Mitte) demontieren die Schienen. Hier soll alles neu verlegt werden.
Klaus Gottschling(li.) und Mike Scholz (Mitte) demontieren die Schienen. Hier soll alles neu verlegt werden. © Karl-Ludwig Oberthür

Ein überdimensionaler Schrauber rattert los. Es riecht nach Benzin. Mike Scholz setzt das Gerät an und löst die erste Verbindung. Uraltes Eisen poltert aufs Schotterbett. Scholz und seine Mitstreiter vom Windbergbahn-Verein arbeiten nahe der Gitterseer Straße. 70 Meter liegen vor ihnen. 70 Meter Schienen, Schwellen und Schotter - in einem so schlechten Zustand, dass die Gleisanlage nicht mehr befahrbar ist.

Also müssen zuerst die Schienen weg, dann die Schwellen und der Schotter. "Bis aufs Planum wird alles abgetragen und neu aufgebaut", sagt Scholz. Er und seine Leute machen das in ihrer Freizeit, keiner von ihnen arbeitet im Gleisbau oder überhaupt in einem Bauberuf. Doch sie haben Unterstützung. Mehrere Baufirmen in der Region unterstützen das Windbergbahn-Projekt technisch und finanziell, die Firma Hartlepp aus Freital zum Beispiel oder die hiesige Niederlassung der Strabag Rail.

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Die Hälfte der Bahnstrecke ist erneuert

Die Sanierung der Bahnstrecke ist trotzdem eine Mammutaufgabe für den kleinen Verein. Die Trasse der Windbergbahn ist von ihrem Startpunkt in Freital-Birkigt bis zum Bahnhof Dresden-Gittersee knapp sechs Kilometer lang. Ein Großteil der Gleisanlage war bis vor einigen Jahren völlig marode. Gut die Hälfte der Strecke wurde vom Verein inzwischen so saniert, dass sie wieder befahrbar ist.

Es gibt sogar einen neuen Haltepunkt. Er befindet sich an der Leisnitz. Bis dorthin wurden in diesem Jahr an verschiedenen Wochenenden schon gut besuchte Mitfahrten angeboten. Am Wochenende 2./3. Oktober, wenn Freital Gründungsjubiläum feiert, soll nun der nächste Abschnitt der Windbergbahn freigegeben werden.

Dann geht es bis zur Ferdinand-Freiligrath-Straße, wo sich von der Bahn aus ein wunderschöner Blick über die Stadt bietet. Doch dort ist auch Ende Gelände.

An der Leisnitz entstand ein neuer Haltepunkt. Er wurde erst im Mai eröffnet.
An der Leisnitz entstand ein neuer Haltepunkt. Er wurde erst im Mai eröffnet. © Egbert Kamprath

Wellenlinie im Schienenstrang

Mike Scholz überquert die Gitterseer Straße und läuft am Gleis entlang Richtung Leisnitz. Er muss nicht weit gehen. Eine gerade Strecke liegt vor ihm, gut 250 Meter einsehbar. Weiter hinten liegt die Freiligrath-Straße. Scholz weist auf die Schienen. Sie bilden keine gerade Linie mehr, sondern eine Wellenlinie. "Da kann nichts mehr fahren", sagt er.

Zurück auf der Baustelle sind alle Verschraubungen zwischen Schienen und Schwellen gelöst. Nun hebeln die Männer die gut fünf Meter langen Stahlstränge aus ihren Halterungen.

Dafür ist ordentlich Kraft notwendig. "Ein Meter Schiene wiegt 50 Kilogramm", sagt Klaus Gottschling. Das Ziel ist, den Bahndamm neu aufzubauen und anschließend Schwellen aus Beton zu verlegen.

Das Material liegt auch schon zum Einbau bereit, unter anderem Schienen, die einst ins Dresdner Reifenwerk führten. Beton dagegen ist unüblich bei der Windbergbahn. Aus zwei Gründen.

Das Gleis mit der Wellenlinie: Die Schienen im Bereich Gitterseer Straße sind völlig verzogen. Sie müssen ersetzt werden.
Das Gleis mit der Wellenlinie: Die Schienen im Bereich Gitterseer Straße sind völlig verzogen. Sie müssen ersetzt werden. © Karl-Ludwig Oberthür

Betonschwellen bleiben Ausnahme

Zum einen ist dies eine historische Strecke, die bei ihrer Entstehung 1856/57 mit hölzernen Schwellen wie damals üblich ausgestattet wurde. Zum anderen, erklärt Klaus Gottschling, gibt es technische Gründe. "Die Radien der Böden, also der Kurven, sind auf der Windbergbahn sehr eng. Damit Lok und Waggons da durchkommen, müssen die Schienen etwas breiter als im Standardmaß von 1,435 Meter liegen. Dadurch haben sie mehr Platz." Es geht um zwei Zentimeter. Die Bohrungen der Betonschwellen geben das aber nicht her. Deshalb bauen die Windbergbahner weiterhin Holzschwellen ein - bis auf die 70 Meter lange Gerade an der Gitterseer Straße. Denn hier herrscht so viel Nässe, dass das Holz nicht lange halten würde.

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Ziel der Männer ist es, bis zum Spätherbst den Abschnitt saniert zu haben. Die größten Probleme kommen aber erst noch. Der schon angesprochene Teil zwischen Freiligrath-Straße und Gitterseer Straße gehört dazu, ebenso wie der Bahnkörper am Collmweg und die Brücke an der Coschützer Straße. Bis Personenzüge nach Birkigt rollen, dauert es wohl noch einige Jahre.

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