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Abgefahren - Freital hat neue Bahnstation

An der Leisnitz wurde ein Halt für die Windbergbahn angelegt und mit einer Sonderfahrt eröffnet. Damit erfüllt sich ein fast 100 Jahre alter Wunsch.

Oberbürgermeister Uwe Rumberg darf zur Eröffnung des Haltepunktes als Schaffner aushelfen.
Oberbürgermeister Uwe Rumberg darf zur Eröffnung des Haltepunktes als Schaffner aushelfen. © Egbert Kamprath

Langsam ruckelt der Zug um die Ecke und kündigt sich mit einem lauten Tuten an. Dann rollt er noch ein Stück geradeaus, bevor die Bremsen quietschen. Mit einem sanften Ruck kommt die Windbergbahn zum Stehen. "Aussteigen in Fahrtrichtung rechts" witzelt der Schaffner und öffnet die Tür des Waggons.

Erstmals hielt am Mittwochnachmittag ein Personenzug an Freitals jüngster Bahnstation. Zu den Fahrgästen gehörten neben mehreren Vereinsmitgliedern und Sponsoren auch der Freitaler Oberbürgermeister, Uwe Rumberg, und die neue Museumsleiterin von Schloss Burgk, Kristin Gäbler.

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Denn der Name des neuen Bahnhalts "Leisnitz/Schloss Burgk" hat viel mit den Plänen von Eisenbahnern und der Museums-Chefin zu tun. Und auch mit einem alten Traum.

Schon die Stadtgründer planten Haltepunkt

Bereits 1924, drei Jahre nach der Stadtgründung, beantragte der damalige Freitaler Bürgermeister Carl Wedderkopf einen Haltepunkt an der Leisnitz. Zu diesem Zeitpunkt diente die Windbergbahn nicht nur dem Abtransport der Steinkohle, sondern war auch eine der beliebtesten Ausflugsbahnen im Großraum Dresden. Bekannt geworden war sie vor allem deshalb, weil die Strecke zwischen Freital-Birkigt und den Stationen im Bannewitzer Raum fantastische Aussichten bot.

Eine Ein- und Ausstiegsmöglichkeit an der Bergbausiedlung mit dem nahen Schloss erschien Freitals Stadtvätern attraktiv. Doch der damalige Streckenbetreiber, die Deutsche Reichsbahn, lehnte die Idee ab.

Nun, gut 100 Jahre später und passend zum 100. Gründungsjubiläum der Stadt, wurde das Projekt doch noch umgesetzt. "Das ist für uns ein großer Tag. Wir mussten uns das hart erkämpfen", sagt Vereins-Chef Holger Demnitz gerührt. Allein in die wenigen Meter Gleisbau und Bahnsteigbau an der Leisnitz steckte der Verein gut 700 Arbeitsstunden, unterstützt von zahlreichen Helfern und Sponsoren. Auch die Stadt beteiligte sich finanziell.

Holger Demnitz (li.) vom Windbergbahn-Verein enthüllt gemeinsam mit Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg den Namen der neuen Bahnstation.
Holger Demnitz (li.) vom Windbergbahn-Verein enthüllt gemeinsam mit Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg den Namen der neuen Bahnstation. © Egbert Kamprath

Mehr als die Hälfte geschafft

Die Männer und Frauen vom Windbergbahnverein arbeiten seit 1993 daran, die knapp sechs Kilometer lange verbliebene Strecke für einen Museumsbetrieb zu erhalten. Doch erst 2008 konnten sie die Gleisanlage von der Deutschen Bahn übernehmen.

Seit mehreren Jahren wird nun Abschnitt für Abschnitt repariert, damit wieder Personenzüge fahren können. Der Verein macht das überwiegend aus eigener Kraft, unterstützt von zahlreichen Sponsoren, die Technik, Material und auch Personal zur Verfügung stellen. Zwischen dem Bahnhof in Dresden-Gittersee und der Leisnitz ist nun mehr als die Hälfte der Strecke gut in Schuss.

Das bestätigt Steffen Henkel von der Landeseisenbahnaufsicht Sachsen, der für die diesjährige Saison die Betriebsgenehmigung übergab. "Das ist eine wunderschöne Strecke und unbedingt erhaltenswert", sagte Henkel, der nicht nur Beamter sondern auch Eisenbahn-Fan ist.

Der Begeisterung kann sich Freitals Oberbürgermeister nur anschließen: "Wenn man die Strecke sieht, kann man nur staunen, welche Visionen unsere Altvorderen hatten und was sie mit einfacher Technik geleistet haben."

Schon für den Stadtgeburtstag geschmückt: Freitals Windbergbahn tuckert vom Haltepunkt Leisnitz in Richtung Bahnhof Dresden-Gittersee.
Schon für den Stadtgeburtstag geschmückt: Freitals Windbergbahn tuckert vom Haltepunkt Leisnitz in Richtung Bahnhof Dresden-Gittersee. © Egbert Kamprath

Ab Juni wieder Fahrtage geplant

Es sind aber nicht nur die Fans, für die die Vereinsmitglieder so viel Aufwand betreiben. Vielmehr möchte man vor allem Tagestouristen, Familien und Neugierige anlocken. Dafür sind dieses Jahr an verschiedenen Sonntagen wieder Fahrtage geplant. Am 6. Juni soll es losgehen - wenn die Pandemievorschriften es zulassen. Nun kann man ab der Leisnitz nach Gittersee fahren oder in die andere Richtung. Oder man pendelt zwischen beiden Bahnhöfen.

Zum Einsatz kommen dabei zwei Diesellokomotiven, zwischen denen der im Originalzustand erhalten gebliebene Aussichtswaggon der Windbergbahn hängt. Auch er ist weit mehr als 100 Jahre alt.


Dieser Aussichtswaggon blieb als einziger von vier Exemplaren erhalten und wird am 6. Juni wieder die Fahrgäste transportieren.
Dieser Aussichtswaggon blieb als einziger von vier Exemplaren erhalten und wird am 6. Juni wieder die Fahrgäste transportieren. © Karl-Ludwig Oberthuer

Und die Ausflugsfahrten sind nicht alles, was der Verein anbieten möchte. "Welches Museum hat schon einen eigenen Bahnanschluss", kommentiert Kristin Gäbler, die seit Kurzem die Hausherrin in Schloss Burgk ist.

Man sei bereits mit dem Bahnverein im Gespräch, Mottofahrten anzubieten und gemeinsame Veranstaltungen zu planen. Denkbar sind zum Beispiel Lichterfahrten in den Abendstunden oder im Advent und gemeinsame Aktionen zum Thema Bergbau oder Kunst. "Uns verbindet ja nicht nur ein Bahnhof sondern die Bergbaugeschichte", sagt Gäbler.

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Die Männer vom Verein haben einen weiteren Abschnitt der Strecke repariert und dabei auch einen gut 100 Jahre alten Plan verwirklicht.

Auch im nahe gelegenen Oskarshausen ist man an einer Zusammenarbeit mit dem Windbergbahn-Verein interessiert. Hier kann man sich ebenfalls gemeinsame Veranstaltungen vorstellen. Immerhin: Von Schloss Burgk oder dem Oskarshausen aus sind es nur wenige Minuten Fußweg bis zu Freitals jüngstem Haltepunkt.

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