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König Albert wird hoch über Freital schick gemacht

Steinrestauratoren sanieren zum Stadtgeburtstag das Relief am Windbergdenkmal. Und die Stadt muss das Monument schützen.

Steinrestaurator Heiko Gerloff packt das Relief von König Albert am Windbergdenkmal mit Kompressen ein, um es so zu entsalzen. Dafür muss es zwei Wochen trocknen.
Steinrestaurator Heiko Gerloff packt das Relief von König Albert am Windbergdenkmal mit Kompressen ein, um es so zu entsalzen. Dafür muss es zwei Wochen trocknen. © Egbert Kamprath

Heiko Gerloff macht sich an König Albert auf dem 353 Meter hohen Windberg zu schaffen. Zentimeter um Zentimeter pappt er eine Masse auf Ross und Reiter. Immer wieder holt er sich einen Schlag aus einem schwarzen Bottich.

"Das ist ein Papier-Ton-Gemisch, versetzt mit destilliertem Wasser", sagt der Steinrestaurator, der sich von den neugierigen Blicken der Besucher auf der Aussichtsplattform nicht beirren lässt. Nach ein paar Stunden hat er des Königs Ritt bedeckt. Nun muss das Gemisch für das Denkmal arbeiten. Damit wird das Sandsteinrelief entsalzt und so von Umwelteinflüssen befreit.

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Jahrzehnte haben am 1904 eingeweihten König-Albert-Denkmal ihre Spuren verlassen. Der 17 Meter hohe Obelisk war bereits 2007 restauriert und bis 2008 eine neue Bronzeplatte angebracht worden. Jetzt kommt dank Initiative von Verwaltung und Stadtrat der untere Teil mit dem Relief des reitenden Königs an die Reihe, ein Geschenk zum 100. Geburtstag der Stadt, die ihm zu Füßen liegt.

Das dritte und letzte Mal bringt der Restaurator die Entsalzungskompresse auf dem Reiterbild auf. Dann deckt er alles mit einer Folie zu - einer perforierten, damit Luft an den Sandstein kommt.

Nach Gipsmodellen entstehen Bein und Fuß neu

Dem folgt wie bei den zwei vorangegangenen Zyklen eine 14-tägige Trocknung. Erst dann kann die eigentliche Restaurierung beginnen. Dem vorausgegangen war bereits eine Trockenreinigung. "Mit Holzspatel und Wurzelbürste haben wir lose aufliegende Verschmutzungen und Moose entfernt", sagt Uwe Konjen, dessen Bautzener Firma den Zuschlag für die Arbeiten erhalten hatte. Auch mit Heißdampf sei man dem Denkmal zu Leibe gerückt.

Mitarbeiter von ihm werden nach der letzten Trocknung wieder auf das Gerüst steigen. Für die fehlenden Teile, wie ein Bein des Pferdes, des Königs Fuß, Zaumzeug und die zwei Pferdeohren, werden Gipsmodelle abgenommen. "Dafür legen wir kleine Metallgerüste um die jeweiligen Teile, auf die der Gips aufgetragen wird", erklärt Heiko Gerloff.


Etwa eine halbe Stunde dauert es, bis der Gips gehärtet ist. Dann wird er nachgeschliffen und nach der Begutachtung abgenommen. In der Werkstatt entstehen nach den Modellen die neuen Teile aus Sandstein.

Für Ergänzungen wie an Schriftrolle und Mantelfalten werde Steinergänzungsmörtel verwendet, so Konjen. "Der bedauerliche Verlust der Gesichtspartie des Reiters kann dagegen nur anhand eindeutiger Fotovorlagen vom einstigen Zustand rekonstruiert werden", sagt der Steinrestaurator. Im Oktober, pünktlich zum eigentlichen Stadtgeburtstag, soll das Wahrzeichen von Freital aber wieder komplett sein.

Zaun zum Schutz gegen Randalierer

Doch nicht allen scheint dieses Geschenk zu gefallen. Nach weniger kunstvollen Schmierereien am Obelisken befürchtet Projektleiter Yehya Zakri vom Hochbauamt der Stadt weitere Angriffsflächen für Randalierer. Deshalb hat er am Donnerstag einen Zaun aufstellen lassen, der das König-Albert-Denkmal schützt.

Ein Mehraufwand, der mit reichlich 400 Euro bei Gesamtkosten von etwa 95.000 Euro zwar nicht sonderlich ins Gewicht falle, so Zakri. Aber es sei schon traurig, dass gegen Vandalismus-Schäden vorgesorgt werden muss.

Dass die Untere Denkmalbehörde im Landratsamt das Restaurierungsprojekt mit 31.000 Euro unterstützt, freut die Initiatoren. Die restlichen 64.000 Euro aber sind im Stadthaushalt fest eingeplant. Das Wahrzeichen von Freital jedenfalls, so erhoffen es sich die Stadtväter, wird dann sicher für noch mehr Besucher zum lohnenden Ziel.

Hinter der Hülle wird das Reiterstandbild von König Albert auf dem Windberg für den Freitaler Stadtgeburtstag auf Vordermann gebracht. Inzwischen ist es noch durch einen Zaun geschützt.
Hinter der Hülle wird das Reiterstandbild von König Albert auf dem Windberg für den Freitaler Stadtgeburtstag auf Vordermann gebracht. Inzwischen ist es noch durch einen Zaun geschützt. © Egbert Kamprath

Geschichte des Denkmals

  • 1902 Nach dem Tod Alberts von Sachsen wird auf Initiative des Konservativen Vereins des Plauenschen Grundes die Idee geboren, dem König ein Denkmal zu setzen. Es sollte auch ein Dank dafür sein, dass er Teile seines Heeres zur Behebung der Hochwasserschäden von 1897 in den Plauenschen Grund geschickt hatte.
  • 1903 im November beginnt der Bau des Denkmals aus Sandstein nach Entwürfen des Dresdner Architekten Max Hans Kühne. Das Reiterstandbild ist vom Dresdner Bildhauer Heinrich Wedemeyer.
  • 1904 am 18. August wird das König-Albert-Denkmal enthüllt und schnell zum Wahrzeichen der Stadt.
  • 1934 zum 30. Jubiläum des Denkmals finden Schönheitsreparaturen statt.
  • 1951 ist das Reiterstandbild so stark verwittert, dass es überbaut werden muss.
  • 2007 und 2008 wird das stark beschädigte Monument saniert und die Bronzeplatte erneuert.


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