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Windbergfest abermals verschoben

Ja, nein, vielleicht - der Stadtrat schrumpft Freitals größtes Spektakel zum "Herbstfest am Windberg". Das hat einen Grund.

Keine Aussicht auf unbeschwerte Rummelatmosphäre: Das Windbergfest findet nicht wie normal statt - falls überhaupt.
Keine Aussicht auf unbeschwerte Rummelatmosphäre: Das Windbergfest findet nicht wie normal statt - falls überhaupt. © Andreas Weihs

Eigentlich kann man am Windbergfest nicht viel falsch machen. Drei Tage Rummelatmosphäre, Auftritt eines Schlagersternchens, Disco im Festzelt und über allem der unvermeidliche Bratwurstduft - jedes Jahr zog Freitals größtes Volksfest die Massen an. Auch der Termin war mit dem zweiten Septemberwochenende jahrelang gesetzt.

Doch nun gibt es eine regelrechte Termin-Debatte und das hat nicht nur mit der Corona-Pandemie zu tun.

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Abermals hat der Stadtrat jetzt das Windbergfest verschoben. Es soll nun doch wie seit eh und je im September stattfinden. Neuer Termin: 10. bis 12. September. Zuletzt war der 7. bis 9. Mai festgelegt - ebenfalls vom Stadtrat - und laut Verwaltung an Händler, Schausteller, Künstler und Vereine so auch kommuniziert worden.

Stadträte befürchten Absage im Mai

"Wir wollen ein Fest haben und keine Absage", begründet Lars Tschirner (Bürger für Freital) den gemeinsamen Antrag seiner Fraktion mit der CDU und der Mitte-Links-Fraktion. Man befürchte nämlich, dass in der derzeitigen Situation im Mai kein Windbergfest gefeiert werden könne. Mit dem September-Termin rechnen sich die Fraktionen mehr Chancen aus.

Da könnten sie sogar Recht behalten. Momentan ist es nicht vorstellbar, dass im Mai die Massen über den Festplatz an der Burgker Straße strömen, im Burgker Schlosshof zu irischer Musik schwofen oder sich im Stadion des Friedens tummeln. Und auch die Vereine dürften kaum eine Chance haben, bis Mai ihre Darbietungen, Auftritte und Stände vorzubereiten.

Dass im Mai statt im September gefeiert werden sollte, hatte viel mit dem 100. Geburtstag der Stadt Freital zu tun. Ursprünglich war geplant, zum Stadtjubiläum den Tag der Sachsen nach Freital zu holen. Die Stadt erhielt den Zuschlag für Sachsens größtes Volksfest und plante dies am zweiten Septemberwochenende. Dafür musste das Windbergfest weichen.

Damit dennoch ein Windbergfest im Jubiläumsjahr gefeiert werden könnte, beantragten die Freien Wähler bereits im Herbst 2019, die Party in den Mai zu verschieben. Die anderen Stadtratsfraktionen sahen das seinerzeit genauso und stimmten dem zu. Nun wird alles zurückgedreht.

September schon gut ausgebucht

Doch wie sinnvoll ist das? Ein Blick in den Kalender zeigt, dass der September 2021 schon gut ausgebucht ist. Am ersten Septemberwochenende finden in Sachsen die Schuleinführungen statt. Am dritten Septemberwochenende feiern die Pesterwitzer ihr Weinfest. Eine Woche später sind Bundestagswahlen, die ebenfalls organisiert werden müssen.

Wiederum eine Woche darauf, am Freitag, ist der 1. Oktober. Genau an jenem Tag vor 100 Jahren unterzeichneten im Döhlener Rathaus Vertreter der Gemeinden Döhlen, Deuben und Potschappel die Gründungsurkunde.

Natürlich soll deshalb auch in diesem Jahr gefeiert werden. Wie es aus Verwaltungskreisen heißt, plane das "Vorbereitungsteam 100 Jahre Freital" vom 1. bis 3. Oktober ein Bürgerfest.

Kleineres Fest, anderer Name

Nun sieht es so aus, als ob es im Zeitraum Anfang September bis Anfang Oktober eine Fest-Inflation geben wird. Wenn - und das ist die große Unbekannte - die Corona-Lage es überhaupt zulässt.

Die Fraktion Freitals konservative Mitte war da eher skeptisch und sah wohl auch die Problematik des vollgestopften Terminkalenders. Martin Rülke schlug deshalb vor, dass Windbergfest in etwas kleinerem Umfang im Juni oder Juli stattfinden zu lassen. Doch die Stadträte entschieden anders.

Allerdings - und damit wird die 2021er-Ausgabe des Windbergfestes unabhängig vom Verlauf der Corona-Pandemie ein anderes sein - soll es tatsächlich geschrumpft werden. Angepasst an die dann jeweilige Situation wird kein Windbergfest wie gewohnt stattfinden, sondern ein "Herbstfest".

Marke "Windbergfest" soll erhalten bleiben

Der Grund ist, dass die Stadträte die Marke "Windbergfest" nicht beschädigen wollen. Freitals größtes Volksfest ist zugleich eine der größten derartigen Veranstaltungen in der Region. Für den Schaustellerverband um Macher Armand Müller-Milano ist das Freitaler Wochenende im September mit Besucherzahlen um die 60.000 und mehr Hochsaison.

Nun wird es wohl ohne Festzelt stattfinden und mit starken Einschränkungen. Da erschien es allen Beteiligten unpassend, die drei Tage noch als Windbergfest zu bezeichnen. Nun wird es wohl als "Herbstfest am Windberg" stattfinden - falls überhaupt.

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