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„Wir haben alles geschafft“

Rabenaus Bürgermeister Thomas Paul zieht eine positive Jahresbilanz. Seinen Wunsch für 2021 teilt er mit vielen.

Rabenaus Bürgermeister Thomas Paul, 44, auf der Baustelle für das neue Feuerwehrgerätehaus.
Rabenaus Bürgermeister Thomas Paul, 44, auf der Baustelle für das neue Feuerwehrgerätehaus. © Egbert Kamprath

Herr Paul, wie ist es Ihnen in diesem merkwürdigen Jahr 2020 ergangen?

Es war eine ganz andere Herausforderung als sonst. Darauf konnte man sich auch nicht vorbereiten. Ich habe vor einem Jahr, als das mit Corona aufkam, nicht geahnt, was das für Folgen haben würde. Das einschneidende Erlebnis für mich war Freitag, der 13. März, als Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer kurzfristig alle Bürgermeister nach Dresden eingeladen hatte. Dort hieß es dann, dass ab dem Montag ein Lockdown stattfinden wird, mit Schließungen der öffentlichen Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten. So etwas kannten wir ja überhaupt nicht. Für uns war die Frage, wie setzt man das um? Und wir müssen hier vor Ort die Fragen der Menschen beantworten. Das zog sich wie ein roter Faden durch das ganze Jahr.

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Wie lief es in der Stadtverwaltung?

Wir haben einen Schichtbetrieb eingerichtet, in dem Sinne, dass unsere Mitarbeiter abwechselnd anwesend waren. Wir wollten Kontakte und damit Erkrankungen vermeiden, damit nicht das ganze Rathaus in Quarantäne muss. Unser Ziel war, dass wir einsatzbereit bleiben, und das ist uns auch die ganze Zeit gelungen. Wir waren in das Quarantänemanagement des Landratsamtes eingebunden und haben dann die Leute angerufen, um ihnen zu sagen, wie sie sich verhalten sollen. Das war schon eine gewisse Umstellung. Der normale Betrieb, wie An- und Ummeldungen, die Ausgabe von Ausweisen oder die geplanten Bauvorhaben, musste ja trotzdem weitergehen.

Wie fällt die Bilanz für 2020 aus?

Sehr gut. Wir haben alles geschafft, was wir uns vorgenommen hatten. Manches lief zwar mit Einschränkungen, wenn zum Beispiel Mitarbeiter der Baufirma keine Notbetreuung für ihre Kinder hatten, fehlten dort natürlich Leute. Das sorgte für Verzögerungen. Ansonsten sind wir sowohl beim Umbau der Grundschule Oelsa im Plan als auch bei der Neuerrichtung des Feuerwehrgerätehauses in Rabenau.

Wie weit sind Sie mit der Schule?

Nachdem wir in den vergangenen Jahren wegen der hohen Kinderzahlen Krippen und Kindergärten erweitert haben, brauchen wir natürlich auch in der Grundschule ausreichend Klassen- und Horträume. Deshalb haben wir uns für eine funktionale Erweiterung der Grundschule in Oelsa entschieden. Der Anbau aus dem Ende der Achtzigerjahre soll aufgestockt werden. Während des Umbaus brauchen wir aber mehr Platz im Altbau, sodass wir im Keller aus ehemaligen Wirtschaftsräumen ein Klassenzimmer gemacht haben. Das ist bis auf Restarbeiten fertig. Jetzt erfolgen die Ausschreibungen für die Aufstockung, durch die zwei zusätzliche Klassenräume entstehen. Insgesamt werden wir 1,2 Millionen Euro in die Schule investieren.

Wie hat sich denn die Zahl der Kinder verändert?

Die Zahl der Kinder in Rabenau hat sich vom Ende der Neunzigerjahre bis heute verdoppelt. Damals hatten wir 80 Schüler, jetzt sind es 160. Wir fahren in der Grundschule seit vergangenem Jahr und absehbar auch künftig komplett zweizügig, es sind jetzt also acht Klassen, früher hatten wir meistens nur eine Klasse pro Jahrgang.

Die Investition in die Schule wird vom Bund mit 60 Prozent gefördert. Den nicht unerheblichen Rest muss die Stadt selbst stemmen. Können Sie sich das noch leisten?

Mit Stand Anfang 2020 war das in der mittelfristigen Finanzplanung abzubilden. Wie jetzt die Entwicklung in den kommenden Jahren insbesondere bei den kommunalen Steuereinnahmen aussieht, das bleibt abzuwarten. Für 2020 bin ich durch die Ausgleichsmaßnahmen durch Land und Bund noch optimistisch, wir sind bei der Gewerbesteuer auch relativ breit aufgestellt und haben keinen großen Schwerpunktzahler wie andere Kommunen.

So stand dann auch das zweite große Bauvorhaben wohl nicht in Frage.

Richtig. Der Neubau eines Feuerwehrgerätehauses ist auf einem guten Weg. Dort bekamen wir im zweiten Quartal den Bescheid vom Landratsamt für eine Festbetragsförderung in Höhe von 810.000 Euro erhalten, bei geplanten Baukosten von 2,3 Millionen Euro. Dort läuft gerade die Vorbereitung des Baugrundstücks, der Rohbau ist ausgeschrieben. Für Spätsommer 2022 ist die Fertigstellung geplant. In das alte Gerätehaus zieht dann der Bauhof ein.

Welche Projekte konnten Sie noch verwirklichen, und was ist geplant?

Im ersten Quartal haben wir zum Beispiel den Anbau des Fahrstuhls am Rathaus eröffnet, das nun barrierefrei ist, und auch die brandschutztechnische Ertüchtigung ist abgeschlossen. Aktuell läuft noch die Erneuerung der Gehwege auf der Höhenstraße mit einer Instandsetzung der Beleuchtung. Wir haben über das Leader-Programm noch Maßnahmen, die in den nächsten zwei Jahren umgesetzt werden sollen, wie die touristische Aufwertung und Instandsetzung des Mühlbergs oder die Instandsetzung der Gehwege zwischen dem Museum und der Obernaundorfer Straße, wo westseitig das in Rabenau sehr häufige Meißner Seifenpflaster, das bei Regen oder Schnee sehr schmierig ist, gegen Betonpflaster ausgetauscht werden soll. Und die dritte Maßnahme wäre der Neubau des Multifunktionsplatzes am Gymnasium, nutzbar als Park- und Festplatz. Aktuell planen wir, den steigenden Kinderzahlen geschuldet, zudem den Neubau einer Kinderkrippe, die in der Nähe des bisherigen Kindergartens gebaut werden soll, damit die Eltern kurze Wege haben.

Wie kommt es, dass es in Rabenau jetzt deutlich mehr Kinder gibt?

Es ziehen viele junge Leute her, und dann gibt es einen Trend zum dritten Kind. Wir haben 35 bis 40 Kinder pro Jahr, das ist für Rabenau ein relativ hohes Level. Angesichts des neuen Wohngebietes an der Max-Meier-Straße und eines geplanten der Freitaler Projektentwicklung mit 24 Häusern wird es auch erst einmal so bleiben. Wobei der Zuwachs vor allem in der Stadt erfolgt, weniger in den Ortsteilen.

Familien scheinen sich in Rabenau wohlzufühlen, jedenfalls liegt die Stadt beim Familienkompass der Sächsischen Zeitung mit Tharandt auf dem ersten Platz. Haben Sie das erwartet?

Es war für mich überraschend. Ich habe das zwar verfolgt, aber als dann das Ergebnis kam, dachte, ich, na Hut ab, nicht schlecht. Tharandt mit 5.400 Einwohnern, wir mit 4.400, wir sind beide nicht der Industriestandort sondern eher der ländliche Wohnstandort. Man muss sich in Rabenau keine Sorgen um einen Betreuungsplatz machen, die Natur ist vor der Haustür, wir haben aktive Vereine, das gibt insgesamt ein gutes Bild, und das wurde honoriert.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Dass wir zu einer gewissen Normalität zurückkehren. Denn dieses Jahr ging ja kulturell und in den Vereinen so gut wie gar nichts. Alle Ortsfeste sind ausgefallen, das Museum kam kaum dazu, seine Ausstellungen zu zeigen. Unser Wunsch als Kommune ist es, dass wir uns finanziell nicht zu sehr einschränken müssen, um weiterhin investieren zu können, aber Geld bleibt, um Vereine und Musikschulen unterstützen zu können. Zudem wollen wir unsere touristische Profilierung voranzubringen. Gerade jetzt, wenn Urlaub in Deutschland wieder etwas im Aufwind ist.

Das Gespräch führte Thomas Morgenroth.

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