merken
PLUS Freital

Wo der Hegereiter im Weißeritztal lebte

Im Auftrag von August dem Starken 1722 erbaut, hatte das Objekt im Plauenschen Grund eine bewegte Geschichte. Und sogar ein Mord ereignete sich dort.

Das Hegereiterhaus im Plauenschen Grund war kein prächtiger Bau und erlebte eine Reihe von unruhigen Jahrzehnten.
Das Hegereiterhaus im Plauenschen Grund war kein prächtiger Bau und erlebte eine Reihe von unruhigen Jahrzehnten. © Zeichnung: Siegfried Huth

Blutbad, Plünderungen, Unwetter – das 1722 zwischen Bienertmühle und Felsenkeller im dichten wilden Grün des Plauenschen Grundes erbaute Hegereiterhaus hat eine eher düstere Geschichte.

Schon seine Geburt gerät zu einer komplizierten, langwierigen Amtssache, die sich über ein Jahrzehnt hinzieht. 1711 wird Oberhofjägermeister von Laubritz bei Landesvater August dem Starken vorstellig, um dem Monarchen die Errichtung eines Forsthauses als Sitz eines Hegebeauftragten im wildreichen Plauenschen Grund schmackhaft zu machen.

Anzeige
Mittagessen frisch zubereitet nach Hause
Mittagessen frisch zubereitet nach Hause

mein Menü kocht täglich frisch und liefert Ihr Mittagessen nach Hause oder ins Büro. Jetzt mit toller Rabattaktion.

August ist sogleich angetan. Die Jagd zählt von jeher zu seinen großen Passionen. Nach eingehenden Standortbesprechungen einigt man sich schließlich auf einen zur Buschmühle gehörenden Geländeabschnitt. Im Frühjahr 1822 rücken Bauleute an. Alles in allem sind für das Projekt 614 Taler und neun Groschen veranschlagt. Auf landesherrliche Anordnung fällt den Dresdner Amtsuntertanen die Verpflichtung zu, das benötigte Holz für den Bau aus der Dresdner Heide anzukarren.

Verbrechen aus Leidenschaft - Hegereiter wird erstochen

Das Ganze ist kein großartiger Bau. Zwei Geschosse beherbergen die notwendigen Dienst- und Wohnräume. Angrenzend ein Geräteschuppen und ein Pferdestall. Später wird ein Schießstand eingerichtet und eine Extra-Küche für die Bewirtung fürstlicher Gäste kommt hinzu.

Am 24. Juni 1740 wird das Forsthaus zum Schauplatz eines Mordes – ein Verbrechen aus Leidenschaft. Schon längere Zeit unterhält die junge Frau des Hegereiters Heinrich Winkler enge Beziehungen zum jüngsten Sohn des Dresdner Hofpredigers Engelschall, Offizier im Rang eines Ingenieurkapitäns. Große Liebe im Verborgenen. Die Sache wird indes ruchbar. Der betrogene Ehemann stellt Engelschall zur Rede. Es kommt zu einer heftigen Auseinandersetzung. Der Offizier, von Natur aus heißblütig, greift zum Messer und sticht Winkler in dessen Amtszimmer nieder. Zwei Wochen drauf ist der Mord aufgeklärt. Das zuständige Militärgericht sieht keinen Grund, Gnade walten zu lassen. Am 4. Juli 1740 wird Engelschall Junior im Bereich Hauptstraße auf dem Neumarkt enthauptet. Die untreue Frau kommt mit einer längeren Freiheitsstrafe davon.

Wirren des Siebenjährigen Krieges

Das 1756 erneuerte Haus gerät wiederholt in die Wirren des Siebenjährigen Krieges. Soldateska quartiert sich ein, plündert Nahrungsmittelvorräte, schlägt Möbelstücke kurz und klein und zertrümmert Türen und Fenster. Der in die Enge getriebene Forstmann muss im Freien nächtigen.

Für das nächste Unheil sorgt am 21. Mai 1790 ein stundenlanger Hagelschlag, vernichtet das Dach und zerstört die Umzäunung. Als es 1813 zur Schlacht bei Dresden kommt, wird das Gebäude derart in Mitleidenschaft gezogen, dass es faktisch nicht mehr bewohnbar ist. Wieder zieht der Hegereiter mit seinem Burschen zur Nachtruhe ins Freie. Im Juni 1840 ordnet das Geheime Finanzkollegium den Neubau des Gebäudes an.

Von jeher sind die Forstleute im Grund knapp bei Kasse. Der Hof entlohnt die Männer im Hegereiterhaus kümmerlich. 80 Gulden Jahresgehalt, plus 20 Gulden zur Einstellung eines Burschen und 52 Scheffel Hafer als Futterration für zwei Pferde. Auf der Suche nach einem finanziellen Zubrot betreiben schon die ersten Hegereiter einen heimlichen Bierausschank. Wirtsleute aus der Residenz decken die dunklen Kanäle auf. Als Gegenmittel reagiert der empörte Kurfürst am 18. September 1731 mit einem Entgegenkommen an die königlichen Forst- und Jagdbediensteten – sie dürfen in Zukunft die Vorzüge der Schankgerechtigkeit in Anspruch nehmen. Um 1900 ist auch das Zubereiten und Servieren von Kaffee zulässig.

Vom Forsthaus zur beliebten Einkehr im Weißeritztal

Als das Jagdgebiet Plauenscher Grund an Bedeutung verliert, erhalten Hegereiter im Kaitzer Chausseehaus ein neues Domizil. Das verwaiste Forsthaus im Weißeritztal verwandelt sich ab 1840 peu á peu in eine von verschiedenen Dresdner Bürgern betriebene Einkehrstätte. Der 1845 beginnende Bau der Albertsbahn Dresden – Tharandt führt zwar zu einer Verkleinerung der Gartenzone, dennoch bleibt genügend Platz, um einen relativ großen Gartenpavillon einzurichten. Ausgang des 19. Jahrhunderts steht die Gartenschankwirtschaft „Forsthaus“ in voller Blüte. Von der Bienertmühle aus führt entlang des Mühlgrabens ein breiter Fußweg zur Einkehr, vor der sich ein leicht zur Tharandter Straße abfallender mit Kirschbäumen bestandener Wiesenplan ausbreitet.

Das Forsthaus geht später in den Besitz der Eisenbahn über, dient unter anderem als Wohnhaus und wird mit der Elektrifizierung der Bahnroute endgültig abgerissen.

Mehr Nachrichten aus Freital und Umgebung lesen Sie hier.

Täglichen kostenlosen Newsletter bestellen.

Mehr zum Thema Freital