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Wüste Beschimpfungen gegen Polizisten

Ein Maler regt sich über eine Radarkontrolle auf, gerät dabei völlig außer Fassung und muss teuer dafür bezahlen. Geblitzt worden ist er aber nicht.

© Symbolfoto: Norbert Millauer

Von Anne Schicht

Ein Blitzer bringt manchen in Rage. „Abzocke hören wir oft. Das macht uns nichts aus. Aber so was passiert selten“, sagte ein Gemeindebediensteter am Donnerstag vor dem Amtsgericht in Dippoldiswalde. In den frühen Abendstunden im April dieses Jahres saßen zwei Polizisten im Auto, ihre mobile Radarfalle war in Freital auf der Burgker Straße, Ecke Pappemannstraße aufgebaut. Sie führten die Messungen durch. Soweit alles ganz normal, bis ein weißer Pkw hielt und ein Mann ausstieg. Dieser hätte das Auto der Bediensteten fotografiert sowie die Männer selbst und dabei ununterbrochen lautstark protestiert. 

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„Dabei war dieser Fahrer von uns gar nicht geblitzt worden. Das hat uns schon gewundert. Wir selbst sind gar nicht erst zu Wort gekommen.“ Die Bediensteten hätten Beschimpfungen gehört wie "Wichser" und "Ihr habt doch keine Schulbildung". Schließlich sei der Mann wieder in sein Auto gestiegen und weitergefahren. 

Nach einer Weile, ungefähr 15 Minuten später, sei er wiedergekommen, hätte wieder vor der Messstation geparkt, die Arbeit damit also behindert und wieder lautstark seinem Ärger Luft gemacht. Dieses Mal seien die Bediensteten aus ihrem Auto ausgestiegen: „Ich wollte nicht länger bei meiner Arbeit gestört werden“, so einer der Betroffenen.

Schließlich wurde Sebastian K., dem Fahrer des weißen Pkw, im Sommer ein Strafbefehl zugestellt wegen Beleidigung. Gegen diesen legte er Einspruch ein. Sein Verteidiger erklärte vor Gericht: „Mein Mandant hat an der Art und Weise, wie gemessen wurde und wie das Auto der Bediensteten stand, eine Gefahrensituation erkannt.“ 

Sein Mandant sei sehr erschrocken, als hinter der Kurve die Messstation auftauchte. Es hätte passieren können, dass ein Fahrer sein Lenkrad herumreißt, auf die Gegenfahrbahn gerät und einen Unfall verursacht, so die Argumentation. Außerdem hätte das Auto der Gemeindeangestellten falsch gestanden. Der Angeklagte habe darauf hinweisen wollen, sei aber nicht gehört worden. 

600 Euro Geldstrafe wegen Beleidigung

Der Deutsche Sebastian K. führt vor Gericht weiter aus, ihn habe es geärgert, dass die Pflichtverletzungen der Bediensteten keine Rolle spielen sollten und er sei sich vorgekommen wie ein kleiner dummer Junge, der nicht ernstgenommen wird. Daher sei er noch einmal umgekehrt. Beim zweiten Aufeinandertreffen seien ihm die Angestellten sehr nahe gekommen - immerhin herrschte gerade Corona-Lockdown - und hätten zu ihm gesagt: “Wir können auch anders.“ Einer hätte mit der Faust auf sein Auto geschlagen. 

Was er selbst gesagt haben soll, daran will sich Sebastian K. nicht erinnern können, solche Beschimpfungen aber halte er für sehr weit hergeholt. Auf Nachfrage des Richters, erklärten die Bediensteten, sie hätten nicht verstanden, dass es dem Angeklagten um eine mögliche Gefahrensituation gegangen sei. Sie würden eine solche auch im Nachgang nicht erkennen können. 

Den ganzen Vorfall hatte auch eine Büroangestellte mitbekommen, die im gegenüber liegenden Haus arbeitet. Sie habe nur Sebastian K. unflätige Beschimpfungen schreien hören. Von den Beamten habe sie nichts mitbekommen.

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Für die Beleidigungen entschuldigt sich der 39-Jährige halbherzig bei den Bediensteten, er hätte sie nicht als Mensch gemeint und wenn das so verstanden worden sei, täte es ihm leid. Richter Christian Mansch verurteilt den Malermeister zu 40 Tagessätzen á 15 Euro. Das Urteil ist rechtskräftig. 

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