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Dorfhainer Schwimmmeister: "Die Saison ist eine Katastrophe"

Freibäder haben es diesen Sommer schwer. Nach einem durch Corona verzögerten Saisonstart bleiben Besuchermassen aus. Welche Gründe das hat.

Für Schwimmmeister Jürgen Fischer gibt es immer was zu tun. Wenn wenig im Dorfhainer Bad los ist, dann führt er Reparaturen durch.
Für Schwimmmeister Jürgen Fischer gibt es immer was zu tun. Wenn wenig im Dorfhainer Bad los ist, dann führt er Reparaturen durch. © Daniel Schäfer

Auf den satt grünen Wiesen des Dorfhainer Erlebnisbades liegt weit und breit kein einziges Handtuch. In den Becken sorgt nur der leichte Wind für Bewegung im glitzernden Wasser. Einzig an der Seite einer der Bahnen genießen drei Jugendliche das kühle Nass.

Es sind keine Szenen, wie man sie in einem Freibad während der Sommerferienzeit erwarten würde. Schließlich ist schulfrei. Kinder hätten also die Zeit, baden zu gehen. "Dass so wenig los ist", sagt Schwimmmeister Jürgen Fischer, "das liegt vor allem am Wetter."

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Das sei in den vergangenen Wochen zu wechselhaft gewesen. "Die Leute brauchen einige Tage gutes Wetter, bevor sie auf die Idee kommen, ins Freibad zu fahren." Außerdem müsse den ganzen Tag die Sonne scheinen. "Bei uns kostet die Tageskarte 10 Euro. Die wollen die Gäste dann schon ausnutzen können." Solche Bedingungen gab es dieses Jahr bisher selten. "Wir hatten vielleicht zehn bis 15 Tage, an denen richtiges Badewetter war", schätzt Fischer.

Besucherzahlen an der Malter sind durchschnittlich

Eigentlich, so erklärt der Schwimmmeister, gehe eine Freibadsaison ungefähr 110 Tage. In diesem Jahr konnte das Dorfhainer Erlebnisbad allerdings erst einen Monat später öffnen. Zuvor verboten die Corona-Regeln den Freibadbesuch. "Als wir dann am 18. Juni endlich öffnen konnten, kamen die Leute auch erst mal in Scharen. Man hat gemerkt, dass ihnen die Sonne und das Baden gefehlt haben."

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Mittlerweile ist von dem Ansturm jedoch nichts mehr übrig. "Bisher ist die Saison eine Katastrophe", sagt Fischer. Und auch in anderen Freibädern der Region wirken sich das wechselhafte Wetter, aber auch die Corona-Pandemie auf die Besucherzahlen aus.

Im Waldbad Mohorn-Grund sind die Zahlen seit Beginn der Pandemie schlecht. Im Vergleich zu 2019 haben sich die Besucherzahlen halbiert. "Ende Juli 2019 hatte das Bad 20.695 Besucher, Ende Juli 2021 waren es nur 10.925", so der Wilsdruffer Bürgermeister Ralf Rother.

Kein einziger Gast schwimmt im Dorfhainer Becken.
Kein einziger Gast schwimmt im Dorfhainer Becken. © Daniel Schäfer

Ähnlich sieht es in Freital aus. "2018 und 2019 waren die Besucherzahlen höher, da es beständigeres Wetter und kein Corona gab", sagt Emma Nadolny über die Freibäder "Zacke" und "Windi". Sie fügt jedoch hinzu: "Einen konkreten Vergleich kann man durch die wetterbedingten Schwankungen aber immer erst am Ende der Badesaison ziehen."

An der Talsperre Malter ist man weniger unzufrieden. "Da wir ohnehin mit den Freibädern eine wetterabhängige Einrichtung sind, müssen wir natürlich auch Regentage verkraften. Wir können bisher eine durchschnittliche Saison verzeichnen" sagt Geschäftsführerin Marlen Kadner.

Anders als im Erlebnisbad Dorfhain kann der Betreiber der Freitaler Freibäder das schlechte Wetter an anderer Stelle ausgleichen. Emma Nadolny erklärt: "Natürlich kommen gerade weniger Besucher. Wer geht schon bei Regen baden? Dafür waren die Zahlen im Erlebnisbad gut. Das ist das Schöne an der Stadt Freital, dass wir für gutes und schlechtes Wetter Optionen bieten."

Es geht um den Fortbestand der Bäder

Jürgen Fischer hingegen muss auf besseres Wetter hoffen. "Die Badesaison ist ja noch nicht vorbei. Es kann ja durchaus sein, dass wir noch mal zwei Wochen sehr gutes Wetter haben." Bis dahin bleibt dem Schwimmmeister nur die Möglichkeit, die Zeit mit weniger Besuchern für Reparaturen und andere Arbeiten zu nutzen. "Deshalb habe ich heute meinen Blaumann an. Ich warte hier nicht im weißen Höschen auf Gäste. Es gibt immer was zu tun."

Wenn das Wetter heiß und sonnig ist, tummeln sich im Erlebnisbad Dorfhain viele Gäste. Doch in diesem Sommer sind Tage mit solchen Bedingungen selten.
Wenn das Wetter heiß und sonnig ist, tummeln sich im Erlebnisbad Dorfhain viele Gäste. Doch in diesem Sommer sind Tage mit solchen Bedingungen selten. © Egbert Kamprath

Dem Schwimmmeister ist wichtig, so viele Reparaturen wie möglich selbst durchzuführen. Denn weil die kleine Gemeinde Dorfhain die Kosten des Bades selbst stemmen muss, ist wirtschaftliches Denken entscheidend für das Überleben des Bades. "Natürlich ist eine Saison wie diese nicht gut, aber Aufgeben ist nicht. Man muss dranbleiben und dafür arbeiten, dass das Bad erhalten bleibt."

Freibäder leisten Beitrag zur Gesundheit

Für Jürgen Fischer erfüllt ein Freibad nämlich einen größeren Zweck als Pommes essen und ins Wasser springen. "Einrichtungen wie das Bad hier in Dorfhain tragen dazu bei, dass die Bürger gesund bleiben. Denn hier bewegen sich die Leute gern und sind an der frischen Luft." Gerade für Kinder sei das Freibad ein idealer Ort, um Sport zu treiben. "Die rutschen alle gern und vergessen dabei, wie oft sie dafür an einem Tag die Treppen hochgelaufen sind."

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