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Freitals goldene Zukunft

Bürger und Politiker diskutierten am Donnerstagabend über Freital im Jahr 2036. Am Ende herrschte Einigkeit.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Tobias Winzer

Freital. Träumen und Verrücktsein ausdrücklich erlaubt – so lautet am Donnerstagabend die Ansage bei einer Ideenwerkstatt, zu der die CDU ins BC Hainsberg eingeladen hat. Und einige nehmen das sehr wörtlich. „Ich möchte eine große Skihalle am Fuße des Windbergs und eine Schneise bis hoch“, schlägt einer der rund 30 Teilnehmer vor. Ungläubiges Gelächter im Raum. Ein anderer träumt von einem Hochhaus auf dem Areal Sächsischer Wolf mit einem Café an der Spitze. Die Eingangshalle des Turms könnte man mit typischen Freitaler Baumaterialien gestalten, also Stahl aus dem Edelstahlwerk und Ziegel von Ziegel Eder. „Und eine Brauerei hat dort sicher auch noch Platz“, sagt der Mann.

Sich Gedanken über Freitals Zukunft machen, zu erfahren, was den Menschen wirklich wichtig ist und auch einfach mal aus den üblichen Mustern zu denken – das ist das Ziel der Veranstaltung. „Es ist ein Experiment“, sagt Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg (CDU) zum Beginn des Abends. Neben ihm sind auch der Erste Bürgermeister und Parteikollege Peter Pfitzenreiter, verschiedene Stadträte, Ortsbeiräte, Unternehmer, ein Geschäftsführer einer städtischen Gesellschaft und ganz normale Bürger zu Gast. Moderiert wird der Abend von der ehemaligen Grünen-Fraktionsvorsitzenden im Landtag, Antje Hermenau. Die Ex-Politikerin, die sich Ende 2014 von Fraktion und Mandat sowie später auch von ihrer Partei trennte, verdient ihr Geld jetzt unter anderem mit solchen Moderationen.

„Freital ist privilegiert im Speckgürtel von Dresden“, sagt sie. Trotzdem werde die Situation weltweit immer unberechenbarer. Deswegen müsse man sich zunehmend auf seine eigenen Kräfte besinnen und überlegen, was einem wirklich wichtig ist. „Dafür ist so ein Abend da.“ Sie habe sofort zugesagt, als sie gefragt worden sei, die Moderation zu übernehmen.

Die Teilnehmer an der Ideenrunde werden gleichmäßig auf Tische verteilt und diskutieren erst einmal ihre ganz persönlichen Visionen für Freital. Die Vorschläge kritzeln sie einfach auf die Papiertischdecke. Danach landen die Ideen auf Papierkarten, werden auf große Zettel geklebt und auch den anderen vorgestellt.

Dabei sind einige eher verrückte Ideen. Die meisten aber sind gar nicht so unrealistisch und knüpfen an zurzeit laufende Diskussionen an.

Zuspruch für Schulamt

„Wir brauchen das Schulamt in Freital. Das ist uns versprochen worden“, skandiert eine Frau und spielt damit auf das einmal geplante Haus der Bildung an, in dem auch die Bildungsagentur ihren Sitz haben sollte. Das Haus steht im Standorte-Konzept des Freistaats. Ob es auch gebaut wird, ist aber unklar. Die Rednerin erntet für ihren Vorschlag aufmunterndes Klopfen. Zustimmung bekommt sie auch, als sie die Fertigstellung der Umgehungsstraße und den Bau eines durchgängigen Radwegs an der Dresdner Straße fordert.

Wichtig ist fast allen im Raum die Entwicklung eines Stadtzentrums. Auffällig oft kommt der Vorschlag, dass dort auf jeden Fall auch ein Kino eingerichtet werden sollte. Und viele wünschen sich auch, dass auf dem Areal Sächsischer Wolf Häuser mit einer möglichst ausgefallenen Architektur gebaut werden.

Dass in Freital mehr Freizeitangebote geschaffen werden müssen, auch darin sind sich viele einig. Einer schlägt eine Seilbahn zum Windberg vor. „Man muss den Besuchern doch etwas bieten.“ Ein anderer will die Freizeitmöglichkeiten rund um das Hains ausbauen – mit Wildwasser-Rafting und einem Kletterpark. Andere wiederum schlagen ein Erlebnisdorf oder einen Kinder- und Freizeithof vor.

Während für die Umsetzung dieser Ideen sicher eine größere Investition nötig wäre, gibt es auch Vorschläge, die gar nicht so viel kosten und folglich schnell Wirklichkeit werden könnten. „Freital braucht einen regelmäßigen Bauernmarkt“, schlägt ein Mann vor und im Raum geht ziemlich vielen ein Licht auf. „Sehr schön“, ruft einer spontan. Klopfen auf die Tische.