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Freitals letzte Großbrache

Während andere Flächen bebaut werden, stehen am Rathaus Deuben noch immer 13 000 Quadratmeter frei. Warum?

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Tobias Winzer

Freital. Das Grundstück lässt kaum einen Wunsch offen. Eine Kita und das Rathaus Deuben nebenan. Einkaufsmöglichkeiten gibt es um die Ecke und eine gute Verkehrsanbindung ist dank der Dresdner Straße und des nahen Bahnhofs Deuben auch gegeben. Doch während andere Brachen in Freital jetzt Stück für Stück bebaut werden, ist es ruhig geworden um die Fläche zwischen Rathaus Deuben und Goetheplatz. Wie eine aktuelle Anfrage der Sächsischen Zeitung beim Rathaus ergab, existieren derzeit keine konkreten Pläne für das Grundstück. Warum nur?

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Zum letzten Mal in der Diskussion stand die 13 000 Quadratmeter große Fläche – das entspricht etwa zwei Fußballfeldern – vor einem Jahr. Im Haushalt waren 240 000 Euro an Fördermitteln für die Gestaltung der Brache eingeplant. Doch schon damals betonte die Leiterin des Stadtplanungsamtes, Josephine Schattanek, dass noch nicht klar sei, ob die Summe tatsächlich für das Grundstück verwendet werde. Man wolle sich aber grundsätzlich Gedanken machen, was mit der Fläche geschehen solle.

Nun, ein Jahr später, ist von dem eingeplanten Geld keine Rede mehr. „Es gibt zu dieser Fläche keine konkreten Planungen, die derzeit verfolgt werden“, heißt es aus dem Rathaus. Grundsätzlich solle das Gebiet, das sich zu hundert Prozent im städtischen Eigentum befindet, im Einklang mit dem Flächennutzungsplan entwickelt werden. Dieser sehe ein sogenanntes Mischgebiet an der Stelle vor. „Denkbar ist damit eine gemischte Nutzung aus Wohnen und nichtstörendem Gewerbe.“

Ideen für das Areal gab es allerdings schon viele. Alle sind gescheitert – angefangen vom Konzept für ein Einkaufszentrum über das Projekt für ein Altenheim bis hin zu der Idee für ein Gewerbezentrum. 2013 brachte die Stadt, die das Gelände vor Jahren erworben hatte und das ehemalige Prüfgerätewerk Medingen mithilfe von Fördergeldern abreißen ließ, das Areal als möglichen Standort für ein neues dreizügiges Gymnasium ins Spiel. Weil der Stadtrat aber keine neuen Schulden machen wollte, lehnte er im November 2013 die zehn bis 15 Millionen teure Investition ab und ließ damit Wilsdruff den Vortritt.

2014 schrieb die Stadt die Freifläche zum Kauf aus – allerdings nur zur Wohnbebauung. Im Rathaus war man damals angesichts der Lage des Grundstücks zuversichtlich, dass sich Investoren melden. Wie es Anfang 2015 hieß, gab es einen Interessenten, der die Fläche kaufen und zu einem neuen Wohngebiet machen wollte. Doch daraus wurde nichts.

Hat der Freistaat Interesse?

Denn die Stadt Freital macht nun klar, dass ein Verkauf des Grundstücks, für den die Stadt laut der aktuellen Bodenrichtwerte des Freistaats etwa eine Dreiviertelmillion Euro erzielen könnte, derzeit nicht geplant ist. „Ein Veräußerung ist entsprechend verwaltungsinternen Festlegungen derzeit nicht vorgesehen“, heißt es wortwörtlich. Anders als beim Areal am ehemaligen Sächsischen Wolf, das an einen Investor verkauft worden ist, will die Stadt die Entwicklung auf der Fläche also unmittelbar selbst in der Hand halten.

Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich nur spekulieren, was die Stadt mit dem Grundstück vorhat. Denkbar wäre, dass das Rathaus die Fläche mithilfe der städtischen Töchter WGF, FPE oder TGF selbst entwickelt. Die Wohnungsgesellschaft WGF und die Projektentwicklungsgesellschaft FPE könnten die Brache zum Wohnstandort machen. Damit haben sie Erfahrung. Die TGF, die das Technologiezentrum und den Technologiepark betreibt, könnte auf einem weiteren Teil des Grundstücks Gewerbeflächen erschließen.

Ein weiterer Grund für die zurückhaltenden Aussagen der Stadt Freital könnte allerdings mit Plänen des Freistaats zusammenhängen. Schon seit Langem wird darüber spekuliert, ob das zugesicherte Haus der Bildung auf das Grundstück gesetzt werden könnte. In dem Behördenstandort, der dem Landesamt für Schule und Bildung zugeordnet wäre und aus einer Fusion der jetzigen Standorte in Radebeul und Dresden entstehen soll, würden 300 bis 350 Beamte arbeiten.

Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg (CDU) hat zwar immer wieder betont, dass ihm ein Standort anstelle der Lederfabrik, die er abreißen will, am liebsten wäre. Doch möglicherweise dient das Grundstück am Rathaus Deuben als weitere Option, die die Stadt dem Freistaat zur Bebauung anbieten will.

Eine Entscheidung zur Größe und zum Standort des Hauses der Bildung wird frühestens zum Jahresende erwartet.