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Freitals OB warnt vor Pauschalisierung

© Katja Frohberg

Uwe Rumberg begrüßt die juristische Aufarbeitung – und stellt sich vor seine Einwohner.

Freital. Freitals Image hat gelitten. Seit den Vorfällen rund um das frühere Leonardo-Hotel und die mutmaßliche Terrorgruppe verbinden viele nichts Gutes mit dem Namen der Stadt. Mit dem Prozessauftakt gerät Freital nun erneut ins Gerede – eine Herausforderung für Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg (CDU). Zum Prozessbeginn hat er sich mit einer Stellungnahme zu Wort gemeldet.

„Wir sind froh, dass die mutmaßlichen Täter der Gruppe Freital gefasst und die nötigen Schritte durch die Justiz eingeleitet worden sind“, erklärt Rumberg in seiner Mitteilung. Die Stadtverwaltung wertet die Anklage als ein deutliches Signal, „dass extremistische Gewalttäter, gleich welcher Art, mit allen Möglichkeiten von Recht und Gesetz bekämpft werden“, heißt es. Mit dem Prozess handele der Staat konsequent. „Die Stadt hofft, dass die Taten und Umstände lückenlos und vorbehaltlos aufgeklärt werden.“

Allerdings mahnt Rumberg auch zur Differenzierung. „Man darf die gesamte Bevölkerung und die ganze Stadt wegen der Ereignisse nicht in die gleiche Ecke stellen, wie die jetzt angeklagten mutmaßlichen Straftäter. Das wird den vielen hier lebenden friedliebenden Einwohnern und einem umfassenden Bild dieser Stadt nicht gerecht“, sagt Rumberg. Die Bürger dürften nicht in Mithaft genommen werden für die Taten einzelner Personen, die nicht einmal alle aus Freital stammen. „Viele Freitaler haben sich in den letzten beiden Jahren sehr in der Asylthematik engagiert. In allen Teilen der Stadtgesellschaft wurde dafür viel Zeit für ehrenamtliche Arbeit geopfert“, sagt der Oberbürgermeister.

Noch immer sei die Stadt sehr betroffen über die Handlungen einer Minderheit, die das Ansehen Freitals nachhaltig beschädigt habe. „In unserer Stadt ist kein Platz für Menschenfeindlichkeit, Extremismus, gewaltbereite Demonstranten und aggressive Auseinandersetzungen“, heißt es. Dies hätten Stadtspitze und Stadtrat bereits Mitte 2015 in einer Resolution betont. „Uns ist selbstverständlich bewusst, dass dieser Anspruch immer wieder eingefordert und durchgesetzt werden muss. Das geht nur gemeinsam und wir setzen auf die Mithilfe unserer Bevölkerung und der verschiedenen Institutionen sowie der verantwortlichen Behörden“, teilt der OB mit.

Immer wieder steht Rumberg in der Kritik, sich nach den Vorfällen nicht klar positioniert zu haben. Asylhelfer und Verbände fordern von der Rathausspitze, aktiv etwas gegen Ressentiments und Ausländerfeindlichkeit in der Stadtgesellschaft zu unternehmen. Stattdessen würde sich die Stadt mit ihren Maßnahmen bislang nur auf ihren Imageschaden beschränken, so die Vorwürfe. (SZ/cb)