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Freiwillig im Einsatz für die Stadt

Zwei Frauen sorgen täglich für Ordnung in Roßwein. Angestellt sind sie nicht. Sie arbeiten im Bundesfreiwilligendienst.

© André Braun

Von Verena Toth

Döbeln. Zuhause allein rumsitzen? „Nein, das ist nicht unsere Sache.“ Da sind sich die beiden Frauen einig. Deshalb treten Karin Otto und Helga Drewuschewski jeden Tag pünktlich 7 Uhr bei der Leiterin des Roßweiner Bauhofes an und holen sich dort den Arbeitsauftrag für den Tag ab. Dieser heißt dann beispielsweise: Grünfläche auf der Bahnhofsstraße vor dem Nettomarkt von Unkraut und Müll zu befreien. Mit Schubkarre und Arbeitsgeräten machen sich die 59- und 57-jährigen Frauen zu ihrem Auftragsort meist zu Fuß auf den Weg, um für ein hübscheres und sauberes Stadtbild zu sorgen. Bis nachmittags 15 Uhr wird dann geharkt, geschnitten und gegärtnert.

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Dass sie dafür nur ein Taschengeld bekommen, ist für die fleißigen Helfer beinahe eine Nebensache. Seit fast einem Jahr sind die beiden Frauen im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes (Bufdi) im Bauhof der Stadt beschäftigt. „Ich hatte mich ganz gezielt dafür beworben“, erklärt Karin Otto. „Wir wollten gern etwas für unsere Stadt tun“, ergänzt Helga Drewuschewski, warum sie sich freiwillig für diese Arbeit zur Verfügung stellen.

Für einige Kommunen in der Region sind die sogenannten Bufdis – wie die Freiwilligen häufig genannt werden – eine wertvolle Unterstützung in verschiedenen Bereichen. So stehen in Roßwein derzeit insgesamt 14 Bufdi-Stellen zur Verfügung. Neben den Bauhof-Einsatzstellen sind neun weitere für die Kindertagesstätten und drei für die Förderschule vorgesehen. Besetzt sind derzeit aber insgesamt nur acht. „Für den Bauhof beantragen wir derzeit weitere Stellen, so dass dann dort drei bis fünf zur Verfügung stehen“, so Hauptamtsleiter Ronny Kienert. Auch in Waldheim und Großweitzschen werden Bufdis in verschiednen Einsatzbereichen gesucht.

Jeder kann ein Bufdi werden

Bufdi werden kann jeder, der seine Pflichtschulzeit absolviert hat. Junge Menschen nach der Schule, Menschen in mittleren Jahren und Senioren. Alter, Geschlecht, Nationalität oder die Art des Schulabschlusses spielen keine Rolle.

Ein Bufdi-Einsatz dauert in der Regel zwölf Monate. Man kann den Dienst auch auf sechs Monate verkürzen oder auf 18 Monate verlängern, maximal möglich sind 24 Monate Dienstdauer. Menschen, die älter als 27 Jahre sind, können auch in Teilzeit (mehr als 20 Stunden pro Woche) tätig werden.

Die Einsatzstellen entscheiden, wie hoch das Taschengeld ausfällt. Die Höchstgrenze liegt bei 390 Euro. Berufskleidung, Unterkunft und Verpflegung können gestellt oder die Kosten ersetzt werden. Bei den Sozialversicherungen ist der Bundesfreiwilligendienst einem Ausbildungsverhältnis gleichgestellt. Die Beiträge für Renten-, Unfall-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung zahlt die Einsatzstelle.

Nach Abschluss des BFD erhalten die Freiwilligen ein qualifiziertes Zeugnis.

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Obwohl sich der Bundesfreiwilligendienst nach der Aussetzung der Wehrpflicht und damit auch des Zivildienstes zunächst an junge Erwachsene richtete, hat mittlerweile die Altersgruppe der über 27-Jährigen dieses Programm für sich entdeckt. Derzeit leisten im Landkreis Mittelsachsen 190 Freiwillige ihren Bundesfreiwilligendienst, davon 82 Frauen und 108 Männer; 30 Bufdis sind unter 27 Jahre alt, 160 von ihnen sind 27 oder älter.

Seit seiner Einführung im Juli 2011 unter dem Motto „Nichts erfüllt mehr, als gebraucht zu werden“, sei der Bundesfreiwilligendienst zu einem wichtigen Teil der Engagementkultur in Deutschland geworden, sagt Peter Schloßmacher, Pressesprecher im Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. „Die Freiwilligen leisten praktische Hilfstätigkeiten in gemeinnützigen Einsatzstellen und unterstützen mit ihrem Engagement Menschen und Organisationen, die auf Hilfe angewiesen sind“, so Schloßmacher weiter. Die persönlichen Motive und Hintergründe der Freiwilligen seien dabei so unterschiedlich wie die Einsatzmöglichkeiten: „Sie engagieren sich in Betreuung und Pflege, schützen die Umwelt und fördern die Kultur, sorgen dafür, dass der Ball rollt und die Integration funktioniert.“

Ein Bundesfreiwilligendienst kann im sozialen Bereich und in den Bereichen Umwelt- und Naturschutz, Sport, Integration, Kultur und Denkmalpflege sowie im Zivil- und Katastrophenschutz geleistet werden. „Grundsätzlich kann man ganz grob sagen, dass knapp 50 Prozent der Freiwilligen im sozialen Bereich im Einsatz sind, die übrigen verteilen sich im Wesentlichen auf die Einsatzbereiche Natur- und Umweltschutz, Bildung, Kultur, Sport und Integration, wobei sich die Bereiche überschneiden können“, schätzt der Sprecher weiter ein.

Helga Drewuschewski arbeitet seit etwa 14 Jahren mit Unterbrechungen immer wieder für den Bauhof der Stadt. Auch Karin Otto ist sich für die schwere Arbeit in den Rabatten, Beeten und auf Grünflächen der Stadt nicht zu schade. Beide würden ihre Bufdi-Einsätze gern verlängern.