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Fremde sprechen Kinder an

Unbekannte versuchen in jüngster Zeit verstärkt, Schüler in Neustädter Grundschulen anzulocken. Die Lehrer gehen offensiv mit dem Thema um.

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© dpa

Von Ulrike Kirsten

Der Schreck am Nikolaustag muss groß gewesen sein. Mitten im Schulflur stand plötzlich ein Fremder vor dem Erstklässler. Der Mann forderte den Sechsjährigen auf, mit ihm etwas einkaufen zu gehen. Der Junge flüchtete vor Angst auf eine Toilette in der 103. Grundschule an der Hohnsteiner Straße. Zwei Mädchen machten am gleichen Tag eine ähnliche Beobachtung, als sie vor dem Schulgebäude einen Mann bemerkten, der versuchte, Kinder anzulocken. Als die alarmierte Polizei kam, waren die Männer verschwunden.

Trotz der Vorkommnisse warnt Polizeisprecher Thomas Geithner davor, Panik zu schüren. „Das verdächtige Ansprechen von Kindern ist prinzipiell keine Straftat.“ Die Polizei nehme diese Beobachtungen aber sehr ernst. „Es ist sehr wichtig, dass wir sofort benachrichtigt werden, so wie in den Fällen an der 103. Grundschule. Wir können den Hinweisen dann direkt vor Ort nachgehen.“ Wenn sich Eltern hingegen erst nach Tagen melden, erschwere das die Polizeiarbeit. Denn die Beamten könnten die Verdächtigen dann nicht mehr zu ihren Absichten befragen oder die Personalien feststellen. „Wenn wir direkt auf die Personen zugehen, hat das meistens einen Abschreckungseffekt, und sie kommen nicht wieder zu der Schule“, erklärt Geithner.

Trotzdem haben ähnliche Vorfälle in den vergangenen Wochen in der Neustadt wieder zugenommen. Bereits am 2. Dezember wurde ein Erstklässler auf dem Weg zur 4. Grundschule von einem Unbekannten angesprochen. Er sollte ihn nach Hause begleiten, weil er dort Süßigkeiten hätte. Der Junge ließ sich nicht darauf ein und lief weg. Seine Mutter erstattete Anzeige beim Polizeirevier Nord. Schulleiterin Grit Hübschmann hat mittlerweile Eltern, Lehrer und andere Grundschulen über den Vorfall in einem Brief informiert und gebeten, mit den Kindern offen darüber zu reden. An der Einrichtung hat es allein 2012 fünf ähnliche Fälle gegeben, bestätigt der Polizeisprecher. Als Konsequenz schließen die Lehrer während des Unterrichtes nun das Gebäude ab. Dass Kinder von Fremden angesprochen werden, sei kein Problem, das nur die Neustadt betreffe, stellt Geithner klar. An Grundschulen in Klotzsche, Plauen, Striesen und Blasewitz hat es ebenfalls Fälle gegeben. „Das passiert überall in Dresden und nicht nur vor Grundschulen. Es gab Situationen, da sind Kinder im Schwimmbad oder an der Haltestelle angesprochen worden.“ Vor den betroffenen Schulen fährt die Polizei derzeit nicht verstärkt Streife. Verdächtige wurden bisher nicht gefasst. „Wir gehen von verschiedenen Personen aus. Diese müssen nicht immer gleich etwas Schlimmes vorhaben“, sagt Geithner. Ein bestimmtes Täterprofil gebe es nicht. „Sobald wir den Verdacht haben, dass es sich um die selbe Person handelt, können wir gezielter ermitteln.“

Die Schulen gehen unterdessen offensiv mit dem Thema um. Lehrer klären Schüler regelmäßig in verschiedenen Fächern auf, sagt Katrin Reis von der Sächsischen Bildungsagentur. Die Polizei biete Präventionsveranstaltungen an. „Trotzdem ist es auch an den Eltern, mit ihren Kindern darüber zu reden und Verhaltensmuster für diese Situationen zu entwickeln.“