merken

Fremdeln unter Flutlicht

Sebastian Vettel und Lewis Hamilton fahren in der Formel 1 in Bahrain gegen Zweifel.

© dpa/Joe Castro

Von Christian Hollmann und Emanuel Reinke

In der Geröllwüste von Bahrain gehen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton auf die Suche nach dem verlorenen Vertrauen. Der deutsche Formel-1-Herausforderer fremdelt trotz seines Auftakterfolges in Australien immer noch mit seinem neuen Ferrari. Der britische Champion fährt nach der Software-Panne von Melbourne gegen die Zweifel an seiner Mannschaft. „Keine Ahnung, was uns in Bahrain erwartet“, sagte der Mercedes-Pilot vor dem zweiten Saisonlauf am Sonntag ab 17.10 Uhr.

Arbeit und Bildung
Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

Die ersten Runden der Saison haben bei den Titelanwärtern eine Reihe offener Fragen hinterlassen. „Ich bin noch nicht glücklich mit dem Auto, muss noch gegen zu viele Probleme fahren“, betont der Heppenheimer trotz seines Sieges am 25. März. Wenn er auf die Bremse trete und einlenke, „will ich, dass das Auto auf den Punkt genau reagiert“. Mit diesem Aspekt sei er unzufrieden – und der Rennstall nicht da, wo er sein wolle. „Wir sind ein wenig hintendran.“ 2017 sei der Bolide zu diesem Zeitpunkt flotter unterwegs gewesen. Sein divenhafter Dienstwagen, dem der Hesse den Namen Loria verpasste, fühlt sich für ihn noch nicht titelreif an. „Da ist ein großes Potenzial, aber wir haben viel Arbeit vor uns und Hausaufgaben zu erledigen.“

Überstunden schoben zuletzt auch die Silberpfeil-Ingenieure, bevor die Strategiepanne von Australien aufgeklärt war. Ein Programmierfehler kostete Hamilton den sicher geglaubten Triumph. „Wir haben sichergestellt, dass wir verstehen, was schiefgelaufen ist, und dass es sich in Zukunft nicht in einer ähnlichen Form wiederholen kann“, erklärt Teamchef Toto Wolff. „Bahrain ist eine Power-Strecke mit langen Geraden. Melbourne hat gezeigt, dass besonders Ferrari sehr schnell war. Deshalb erwarte ich einen engen Kampf.“

Hamilton dürfte vorerst mehr denn je eher auf sein Fahrgefühl bauen, als den Berechnungen an der Boxenmauer zu vertrauen. „Was ich schon jetzt sagen kann: Es wird nicht leicht für uns“, meint er. Vier Rennen dauere es, ehe die tatsächliche Hackordnung klar sei. Anschließend kehrt die Formel 1 nach Europa zurück. Der Entwicklungswettlauf bekommt aufgrund der größeren Nähe zu den Rennfabriken einen neuen Schub. „Es ist noch zu früh für ein Urteil. Der Ferrari ist meiner Meinung nach besser, als es den Anschein macht, und schnell auf den Geraden. Sie sind bei heißen Rennen immer gut gewesen. Das wird auch in Bahrain der Fall sein.“

Diese Einschätzung muss die Scuderia erst beweisen. Unter normalen Umständen wirkte Hamiltons Mercedes bei den Tests und zu Saisonbeginn deutlich schneller als der Ferrari, besonders in der häufig vorentscheidenden Qualifikation am Sonnabend. Auch daher dürfte die Erleichterung bei den Roten umso größer ausgefallen sein, verschaffte ihnen Vettels glücklicher Erfolg doch ein bisschen Luft im Duell mit den seit 2014 dominierenden Silberpfeilen. Statt gleich zu Beginn in der WM hinterherzufahren, kommt Vorjahresgewinner Vettel als Spitzenreiter nach Bahrain.

„Das Team hat wirklich harte sechs Monate hinter sich. Der Teamgeist ist großartig. Das müssen wir uns erhalten“, sagt Vettel im Hochgefühl seines 48. Karriereerfolges. Frisch sind noch die Erinnerungen an 2017, als er auch in Australien gewann und bis zum Spätsommer die WM anführte, bevor Patzer die Ferrari-Crew in die Sinnkrise stürzten. Bahrain kommt wie gerufen, Der Grand Prix am Persischen Golf liegt Ferrari und Vettel. Dreimal stand er auf dem obersten Podest und verspritzte Rosenwasser statt Sekt. Der Kurs in der Wüste von Sakhir bietet andere Herausforderungen als Melbourne, etwa höhere Kurvengeschwindigkeiten und mehr Möglichkeiten für Überholmanöver dank längerer Geraden.

„Wir müssen ruhig bleiben“, sagt deshalb auch Teamchef Maurizio Arrivabene und empfiehlt seiner Mannschaft „Demut und Entschlossenheit“ für den langen Weg zum Titel. Einen kühlen Kopf zu bewahren, das dürfte dagegen in der Hitze von Bahrain besonders schwerfallen. (dpa/sid)

TV-Tipp: RTL überträgt das Rennen am Sonntag live.