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Freude bringen im gelben Schlitten

Zwei kesse Hasen sind am Ostersonntag mit dem Trabi auf Tour. Sie halten eine Tradition auf dem Land am Leben.

© Kristin Richter

Von Thomas Riemer

Kleinthiemig/ Wildenhain. Osterhasen sind Frühaufsteher. Eine Familie kann aus zwei männlichen Langohren bestehen, und sie hoppeln zumindest im Raum Wildenhain auf vier Rädern und mit einem wahren „Schlitten“ von Ort zu Ort. Glauben Sie nicht? Tom und Martin, die ihre Nachnamen aus „erkennungsdienstlichen Gründen“ lieber für sich behalten, sind das lebendige Beispiel dafür. Seit fast zehn Jahren sind sie als „Hase“ und „Häsin“ in vier Ortsteilen jeweils am Ostersonntag unterwegs. Ihr „Schlitten“ ist gelb-schwarz und hat ausnahmsweise nichts mit Fußball zu tun, sondern ist eine Leihgabe von Dietmar Klück, Inhaber des Renault Auto-Center in Großenhain: ein knallgelber Trabant mit schwarzem Verdeck.

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Für die Ostertour ist er komplett auf Vordermann gebracht worden, hat einen neuen TÜV. Dank der Unterstützung des Ortschaftsrates konnten Tom und Martin den Kofferraum schon in den frühen Morgenstunden mit Körbchen voller süßer Überraschungen füllen. Auch fürs Ankleiden und Schminken war Martins Familie schon sehr früh aus den Federn gesprungen. Alles soll perfekt sein. Nur das Wetter spielt nicht wirklich mit. Temperaturen unter dem Gefrierpunkt lassen den ersten Luftballon schon vor dem Start platzen. Das Verdeck bleibt geschlossen, denn die Langohren wollen auf ihrer Reise nicht unnötig frösteln. Allwetterreifen am Trabi sorgen für ein sicheres Fahrgefühl.

„Die Tradition drohte vor ein paar Jahren einzuschlafen. Da haben wir gesagt: Wir machen das weiter“, erzählt Tom, mit 25 der etwas ältere Hase. Aus Erfahrung weiß er, dass sich Kinder über solch kleine Überraschungen freuen und auch dankbar sind, denn im „normalen“ Leben ist Tom Kindererzieher in Lampertswalde. „Häsin“ Martin wiederum stieß ein Jahr später zum Hasenteam. Als Elektroniker steht der 23-Jährige ohnehin immer unter Strom. Und so macht sich das Team dann trotz Kälte voll motiviert auf den Weg zur ersten Station in Wildenhain.

Vor dem Gasthof scheint das halbe Dorf auf den Beinen zu sein. Pünktlich mit den Kirchenglocken fährt der Trabant vor – und wird mit großem Hallo empfangen. Laura-Marie (3) und Leonie (9) sind mit ihrer Mutti extra aus Neusörnewitz nach Wildenhain gekommen, verbringen das Osterfest hier bei den Großeltern. „Es ist schön, dass es das hier auf dem Lande gibt“, sagt der Opa der Beiden. Die Familie ist zugezogen, wohnt in der neuen Siedlung, wo der Kontakt zum Dorf räumlich nicht ganz einfach ist. Insofern ist auch für die Erwachsenen das Osterhasen-Intermezzo eine willkommene Gelegenheit für einen Plausch in der Dorfmitte.

Tom und Martin haben derweil die Runde durch die Kinderschar absolviert, Schokolade und kleine Geschenke verteilt. Fotohandys und -apparate klicken unaufhörlich. Denn Verwandte und Bekannte sollen schließlich im Nachgang erfahren, dass es hier wirklich Osterhasen gibt.

Die haben es dann doch eilig. Denn bis zum Mittag sollen drei weitere Ortsteile überrascht werden. Ein letztes Winken – und dann legt Martin routiniert den Gang des Trabant-Cabrios ein.