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Dresden

Freund mit zwei Stichen verletzt

Ein 18-Jähriger ist vor Gericht mit einem blauen Auge davongekommen. Wegen einer „Albernheit" hatte er zum Messer gegriffen. 

© imago/Steinach

Laut Aktenlage ist es ein Fall, der nicht vor das Jugendschöffengericht gehört, sondern vor eine Jugendkammer des Landgerichts Dresden. Im Oktober hat ein 18-jähriger Heranwachsender aus Syrien im Streit am Amalie-Dietrich-Platz auf seinen Kumpel eingestochen und ihn schwer verletzt. Nur der sofortigen notärztlichen Hilfe hat der 16-Jährige wohl sein Leben zu verdanken. Das Schöffengericht hatte die Sache ans Landgericht abgeben wollen, weil der Verdacht eines versuchten Totschlags nahelag. Doch sie wurde schnell wieder ans Amtsgericht Dresden zurückverwiesen. Am Montag endete der zweitägige Prozess.

Das Gericht sei Zeuge „einer äußersten Großherzigkeit“ des geschädigten Syrers und seiner ganzen Familie geworden, begann die Vorsitzende Richterin ihre Urteilsbegründung. Sie alle hätten dem Angeklagten verziehen. Dabei habe sich der Angeklagte selbst in dem Prozess nicht konkret zu seiner Tat geäußert.

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Das blieb den vielen Zeugen überlassen, die den Angriff beobachtet hatten. Der Streit habe damit begonnen, dass die jungen Männer mit weiteren Freunden in einer Wohnung Karten gespielt und getrunken hatten. Der 16-Jährige habe telefoniert und seine Freunde daher angehalten, leiser zu sein. Das allein habe den Angeklagten so in Rage versetzt, dass er mit einem Messer, das er aus der Küche nahm, auf den Freund losgegangen sei. „Was für eine Albernheit“, sagte die Richterin. Dennoch fand sie eine Äußerung des jungen Mannes, die das Gericht als Einsicht und Reue wertete. Unmittelbar nach der Tat habe er dem Bruder des Geschädigten geschrieben, wie sehr er seine Tat bedauere. Diese Nachricht sei nun zufällig in dem Prozess bekannt geworden.

Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung, 250 Arbeitsstunden und zur Teilnahme an einem Aggressions-Kontroll-Training. Nach fast einem halben Jahr kam der junge Mann wieder auf freien Fuß.