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Dresden

Meckern beim Oberbürgermeister  

Schüler der frisch gekürten Klimaschule erleben Fridays for Future mal ganz ohne Demo.

Mehr als eineinhalb Stunden nimmt sich Oberbürgermeister Dirk Hilbert Zeit, um mit Schülern die wichtigsten Klimafragen zu diskutieren.
Mehr als eineinhalb Stunden nimmt sich Oberbürgermeister Dirk Hilbert Zeit, um mit Schülern die wichtigsten Klimafragen zu diskutieren. © Christian Juppe

„Klima retten“ stand diesmal ganz offiziell auf dem Stundenplan für Schüler der Christlichen Schule Dresden. Eingeladen dazu hatten am Freitagmorgen die Stadtverwaltung und die Zentralbibliothek Dresden. Schüler, die sonst freitags fürs Klima demonstrieren, konnten so ihre Forderungen und Wünsche direkt an den Oberbürgermeister richten. „Können Sie nicht einfach Plastiktüten verbieten?“, platzt es da aus einer Schülerin heraus. Dirk Hilbert (FDP) reagierte gelassen. Zwar lobte er das Engagement der Schüler für den Klimaschutz, zeigte aber sofort auch Grenzen auf. Schule sei für ihn Schule. Deshalb sollte das Engagement für Stadt und Gesellschaft außerhalb der Schulzeit stattfinden.

Die meiste Kritik der Schüler konterte Hilbert damit, dass Dresden durchaus eine Vorreiterrolle in Sachen Nachhaltigkeit spiele. Sie sei eine der grünsten Städte überhaupt. Doch so einfach gaben sich die Schüler nicht zufrieden, die kritischen Nachfragen nahmen zu. Die Diskussion blieb trotzdem harmonisch und konstruktiv. Auch wenn Hilbert einer der Hauptforderungen aus der Runde eine Absage erteilte: „Ich warne vor kostenfreiem öffentlichen Nahverkehr, da dürfen wir nicht naiv sein.“ Vielmehr müsse man in eine moderne Infrastruktur investieren, alles andere sei ein Fehler.

Der Jungschauspieler Anton Petzold, der schon in Filmen wie „Fack ju Göhte“ mitspielte und damit wohl der prominenteste Schüler der Christlichen Schule ist, hielt dagegen. „Dann haben wir eine tolle, neue Straßenbahn mit Klimaanlage und größeren Anzeigetafeln, aber deshalb steigen die Autofahrer doch nicht um.“ Und Moderator Arend Flemming ergänzte: „Gerade das Jobticket zeigt, dass ein wirtschaftlicher Anreiz wirklich hilft.“ Beim Ausbau der Radwege stellte sich Hilbert jedoch hinter die Forderungen der Schüler: „Nennen Sie mir die Schwachstellen auf Dresdens Straßen, im Sommer werde ich diese persönlich abfahren.“

Für den Oberbürgermeister war es das engagierteste und aktivste Gespräch, das je in der Gesprächsreihe der Stadtbibliothek geführt wurde. „Da sieht man eben, dass wirklich Engagement da ist und gerade die junge Generation bereit ist, ihr Verhalten zu ändern. Es gibt nur eine Ausnahme: auf das höchst klimabelastende Smartphone möchte niemand verzichten.“

Natürlich waren die Schüler dann auch neugierig, was Hilbert ganz persönlich unternimmt, um das Klima zu entlasten. Er fahre zwei bis dreimal pro Woche mit dem Fahrrad zur Arbeit, an allen anderen Tagen mit der Bahn. „Als Dienstfahrzeug habe ich mir einen Elektro-Golf zugelegt und war so bei Terminen wie dem Dieselgipfel der Einzige, der mit einem Elektrofahrzeug gekommen ist.“ Doch die Schüler der frisch gekürten „Klimaschule Sachsen“ erinnerten den Oberbürgermeister, der mit einer Koreanerin verheiratet ist, an die Flugreisen zur neuen Verwandtschaft.

Für die Fridays for Future-Bewegung ist dieses Wochenende ein Besonderes. Mit zivilen Ungehorsam wollen Klimaaktivisten aus ganz Europa ihren Forderungen zum Kohleausstieg Nachdruck verleihen. Am Freitagmorgen erreichte der erste Bus aus Dresden das rheinische Braunkohlerevier.

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