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Friede im Wald

Großer Andrang am Friedwald in Oberau. Senioren suchen einen Ort für die letzte Ruhe.

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© Claudia Hübschmann

Von Stephan Hönigschmid

Niederau. Der Parkplatz des Waldbades in Oberau ist prall gefüllt. Und das, obwohl das Wetter bei Temperaturen um den Gefrierpunkt eher ungemütlich ist. Trotzdem haben sich am Sonnabendnachmittag reichlich 40 Senioren eingefunden, um ein für sie wichtiges Thema zu klären. Im nahe gelegenen Friedwald des Prinzen zur Lippe wollen sie sich über eine Grabstelle informieren.

Der Altersschnitt der Gruppe beträgt 70 plus. Viele sind mit ihren Ehepartnern gekommen, mancher auch allein. Auffällig ist dabei, wie hellwach die Teilnehmer bei der Sache sind. Selbst Friedwald-Förster Johannes Geiger, der seit der Eröffnung des Bestattungswaldes im Oktober vorigen Jahres regelmäßig Führungen anbietet, ist über das enorme Interesse erstaunt. „Eigentlich können an der Führung ja nur 25 Leute teilnehmen. Dennoch sind heute auch viele Menschen unangemeldet vorbeigekommen“, sagt der 40-Jährige.

Zunächst spricht er ein paar einleitende Worte und erzählt unter anderem, dass der Friedwald in Oberau bereits der 61. in Deutschland und der zweite in Sachsen sei, den die Firma eröffnet habe. Gemeinde, Prinz und die Friedwald GmbH aus dem hessischen Griesheim betrieben ihn gemeinsam, sagt Geiger auf dem Weg in den Wald. Nach wenigen Schritten wartet dort bereits der erste Hingucker: In einem ausgehöhlten Baumstamm ist auf einmal eine Urne zu sehen, die für die Bestattungen verwendet wird. Der Behälter ist in einem Cremeton gehalten und mit grünen Ginkgo-Blättern verziert. Johannes Geiger erklärt dazu: „Die Urne ist biologisch abbaubar, weil sie aus einem Papier-Maismehl-Gemisch besteht. Nach drei bis vier Jahren in der Erde ist sie verrottet.“ Inklusive Beisetzung werden für die Urne 350 Euro fällig. 80 Zentimeter wird sie in der Erde vergraben.

Nächste Station ist eine Lichtung inmitten des Waldes, wo sich der Andachtsplatz befindet. Drei Holzbänke stehen auf jeder Seite sowie ein Überstand aus Holz in der Mitte mit einem Stehpult darunter. Für die Trauerfeiern gilt sinngemäß das Motto: Alles kann, nichts muss. „Die Trauerfeiern können unabhängig von einer Religion oder sozialen Zwängen durchgeführt werden. Jeder kann das machen, wie er möchte“, sagt Geiger. Bewusst ist das Ensemble schlicht gehalten. Weitere Wege soll es auf der früheren Wiese nicht geben. „Es soll kein Park werden. Wir möchten den Waldcharakter erhalten“, so der Förster.

Beim Gang zu den Gräbern, die keinen Grabschmuck haben dürfen und abseits der Hauptwege mitten im Wald liegen, kritisieren einige Besucher das strenge Festhalten an der ursprünglichen Waldstruktur. „Das sieht hier alles ein wenig unordentlich aus. Ich kenne es von anderen Bestattungswäldern, dass es Wege bis hin zu den Gräbern gibt, die auch noch eigene Namen haben“, sagt eine Frau. Eine weitere Frau möchte wiederum wissen, ob sie sich ihren Baum aussuchen könne. Geiger entgegnet darauf: „Es können nur die Bäume gewählt werden, die wir per GPS eingemessen haben.“

278 Bäume stehen auf den vier Hektar Bestattungswald momentan zur Verfügung. Insgesamt kann der Wald bis auf 77 Hektar erweitert werden. Die Kosten liegen für ein Familien- und Freundesgrab für zehn Personen bei 3 650 Euro. Am preiswertesten ist der Basisplatz für 490 Euro. Allerdings gibt es den nicht wie die sonstigen Plätze für 98 Jahre, sondern maximal für 30 und der Förster wählt den Baum aus.

Interessiert verfolgen auch der 90-jährige Lothar Herrmann und die 84-jährige Edeltraud Herrmann aus Coswig die Ausführungen des Försters. „Ich finde das schöner hier, als auf einem normalen Friedhof, weil sich niemand um das Grab kümmern muss“, sagt Edeltraud Herrmann. Auch andere Besucher sind zunächst angetan, ärgern sich jedoch, dass die Firma Friedwald in Hessen sitzt. Eine ältere Frau murmelt daher: „Ich lass mich doch nicht von den Wessis begraben.“