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Friederikes gefährliches Erbe

Der Sturm hat Meißens Wald schwer geschädigt. Förster Ronald Ennersch warnt vor leichtsinnigen Aktionen.

© Claudia Hübschmann

Von Peter Anderson

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Meißen. Förster Ronald Ennersch muss im Stadtpark hinter dem Waldschlößchen nur wenige Meter laufen , schon steht er vor einem passenden Beispiel. Einen rund 120 Jahre alten Laubbaumriesen hat der Sturm hier am 18. Januar gefällt. Der Wurzelteller steht hinten nach oben. Aus einem tief klaffenden Loch sind Erde und Gestein herausgerissen.

„Wenn Sie jetzt als Laie anfangen, die Krone zu zersägen, kann es ihnen passieren, dass der schwere Teller den leichter gewordenen Stamm plötzlich vorn wieder nach oben zieht“, sagt Ennersch. Beim Arbeiten mit der Motorsäge können schlimme Verletzungen die Folge sein.

Der Sachsenforst-Mitarbeiter hat diesen Fall mit bedacht herausgesucht. Hunderte ähnlicher Stämme liegen verstreut in Meißens Wäldern. Professionelle Forstbetriebe melden aus der Moritzburger Gegend einen Durchschnitt von 20 Festmetern Sturmholz pro Hektar. Ein Festmeter entspricht dabei einem Kubikmeter dichter Holzmasse – ohne Zwischenräume.

100 Hektar – verteilt über Stadtpark, Stadtwald, Siebeneichen, Goldgrund und weitere Gebiete – betreut Ennersch im Auftrag der Stadt. In den vergangenen Wochen hat er sich einen Überblick zu den Schäden verschafft. Am schlimmsten sieht es nach seiner Aussage in Siebeneichen aus. Doch letztlich sei kaum eine Ecke verschont geblieben.

Profis haben keine freien Termine

Zu einer Schätzung, ob die Mengen an Sturmholz ähnlich ausfallen wie rund um Moritzburg, möchte sich der Waldspezialist trotzdem nicht hinreißen lassen. Wer weiß schon, wie es an schwer zugänglichen Stellen ausschaut? Die größte Gefahr entsteht nach seiner Ansicht derzeit durch Ungeduld und übereilte Aktionen. Regelmäßig bekomme er Anrufe mit Hinweisen oder Beschwerden zu Bäumen, die Spazierwege versperren oder anderweitig Schwierigkeiten bereiteten. Jeder fordert, sein Problemstamm solle zuerst und umgehend beräumt werden. Selbstwerber bieten sich an, das Holz auf eigene Kappe kostenlos aus dem Wald zu holen. Dabei verfügen sie in den seltensten Fällen über die nötige Technik und das Wissen.

Letztlich werden Profis gebraucht, um den Wald aufzuräumen. Die allerdings müssen auf vielen Hochzeiten tanzen. „Wenn ich bei den Firmen anrufe, werde ich oft auf nächstes Jahr vertröstet“, sagt Ennersch. Die Forstbetriebe hatten schon vor Friederike in Sachsen gut zu tun. Jetzt hat sich ihre Auftragslage nochmals verdichtet. Deshalb müssen Prioritäten gesetzt werden. Wo der Verkehr oder Häuser gefährdet sind, wird zuerst gesägt. Ab Mitte März kann Ennersch auf die Hilfe eines Fachmanns aus Klipphausen zurückgreifen, der herausfordernde Fälle übernimmt.

Der Förster zeigt auf eine unweit stehende Reihe von Eichen. Friederikes Orkanböen haben sie nicht komplett umgestoßen, wohl aber angestoßen, wie der Fachmann sagt. Deutlich neigen sich die Kronen. Schon der nächste starke Wind könnte sie kippen und das in einem Gebiet, welches sich bei Sonntagsspaziergängern großer Beliebtheit erfreut. Hier sieht er konkreten Handlungsbedarf.

Bei einfacheren Aufgaben ist in den letzten Wochen oft der Meißner Bauhof eingesprungen. Auch dessen Mitarbeiter sind jedoch keine ausgebildeten Forstspezialisten. Es gibt Grenzen für die Jobs, welche sie übernehmen können.

Aufgabe für Jahrzehnte

Mit dem Aufräumen im Wald ist es nicht getan. Der Sturm hat Lücken in Waldbestände gerissen, die oft um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert planvoll angepflanzt wurden. Die Bürger sollten vor den Stadttoren in parkähnlichen Anlagen lustwandeln können. In der DDR fehlte es an Kapazität diese zu pflegen, nun hat sie Friederike durcheinandergewirbelt. Die Folgen zu beheben werde Jahre und Jahrzehnte dauern, rechnet Ennersch. Mit einer Hauruck-Aktion ist das nicht zu machen.