merken

Bischofswerda

Friedhofsdenkmal wird restauriert

Bildhauer Permoser hinterließ Bleibendes im Dresdner Zwinger, einer seiner Schüler im Oberland. Das Denkmal hier wird bearbeitet - und bleibt doch unvollständig.

Der Obelisk auf dem Steinigtwolmsdorfer Friedhof vor dem Abbau.
Der Obelisk auf dem Steinigtwolmsdorfer Friedhof vor dem Abbau. © Elisabeth Rieger

Steinigtwolmsdorf. Ein reich gestalteter Obelisk mitten auf dem Steinigtwolmsdorfer Friedhof fiel bis vor Kurzem auf. Er ist dort das einzige Grabmal, das rundum begehbar ist, sagt Dr. Elisabeth Rieger. Wer es sehen möchte, sucht es zurzeit aber vergebens. Denn der monumentale Grabstein wurde abgebaut. Über den Winter wird er im Neukircher Steinmetzbetrieb Lange restauriert. „Wenn alles gut geht, wird das Denkmal im Frühjahr 2020 am Eingang links vor der neuen Feierhalle aufgestellt“, sagt die promovierte Landwirtin, die sich ehrenamtlich für die Bewahrung des historischen Erbes einsetzt.

Der Obelisk, der an den Leinenhändler Gottlieb Wolf und dessen Angehörige erinnert, gilt kulturhistorisch als das wertvollste Grabmal in Steinigtwolmsdorf. Es ist auf der Denkmalliste verzeichnet. Dort wird unter anderem auf die drei Medaillons, die Schmuckgirlanden und die bekrönende Urne auf dem Sandstein-Obelisk hingewiesen. Dieser wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Schüler des Dresdner Barock-Bildhauers Balthasar Permoser (1651 bis 1732) angefertigt. Permoser wurde vor allem durch seine Statuen im Dresdner Zwinger weltberühmt.

Anzeige
Drei Top-Angebote bei Möbel Höffner

Die Highlights für Wohnzimmer, Küche und Schlafzimmer: Wir stellen Ihnen die neuesten Trends für das Leben in den eigenen vier Wänden vor.

Saniert wird der Obelisk in Abstimmung mit dem Denkmalschutz. Die Behörde erteilte Auflagen. So dürfen die fehlenden Beine und Füße nicht ergänzt werden, da keine Unterlagen mehr vorhanden sind. In solchen Fällen gilt im Denkmalschutz: Der vorhandene Status wird beibehalten, ehe auf Verdacht etwas geschaffen wird, was historisch nicht belegt ist.

Pläne, das Denkmal zu restaurieren, gibt es schon seit vielen Jahren. Der Neukircher Steinmetzmeister Günter Rudolph, der im Jahr 2006 den Grabstein für einen der bedeutendsten Neukircher Pfarrer, Carl Rudolph Reichel, restaurierte, trug diesen Vorschlag an Dr. Elisabeth Rieger heran. Aufgrund anderer Aufgaben wurde das immer wieder hinausgeschoben – bis sie sich im Frühjahr dieses Jahres „durch den Dschungel der Antragstellung“ gefunden habe, berichtet die Steinigtwolmsdorferin. Bei der Gemeinde fand sie Unterstützung – sowohl beim damaligen Bürgermeister Guntram Steglich als auch beim Kämmerer Torsten Schmuck. Sie stellten nicht nur den Antrag bei den Ämtern, sondern planten auch 300 Euro aus dem Fonds der Ortschronistengruppe im Gemeindehaushalt für den Grabstein ein. Carla Rößler von der gleichnamigen Steinigtwolmsdorfer Gärtnerei – ihrer Familie gehört das Denkmal – gab 100 Euro dazu. Weitere 150 Euro kommen aus der Auflösung der Bios-Gruppe. Dahinter verbarg sich die nach der Wende gegründete Bürgerinitiative Ökologie Steinigtwolmsdorf.

Kirchengeschichte aufgearbeitet

Nun soll das Denkmal gereinigt und schadhafte Stellen behutsam ausgebessert werden. An seinem neuen Standort vor der Trauerhalle soll auch eine Infotafel aufgestellt werden, um Friedhofsbesuchern dieses Kulturdenkmal nahe zu bringen.

Seit vielen Jahren beschäftigt sich Elisabeth Rieger mit der Kirchengeschichte der Region. Im benachbarten Neukirch arbeitete sie das Kirchenarchiv auf. Beim Sichten des Bestandes stieß sie vor einigen Jahren auf ein Heft mit vergilbten, eng beschriebenen Seiten. Darin schrieben sieben Neukircher Pfarrer auf, was sich in ihrer Zeit im Ort, in der Region, in Sachsen und zum Teil auch in Europa ereignete. Daraus entstand das viel beachtete Buch „Sieben Pfarrer berichten aus drei Jahrhunderten“, welches die Neukircher Kirchgemeinde im Jahr 2013 herausgegeben hat. Die Steinigtwolmsdorferin forschte darüber hinaus zu Neukircher Spuren in der Herrnhuter Brüdergemeine. Sie fand Zeugnisse von ehemaligen Neukirchern, die als Missionare in andere Länder, meist sogar auf andere Kontinente entsandt wurden. Ergebnis ist ein weiteres Buch mit 160 Lebensgeschichten, das im Jahr 2017 erschienen ist.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.