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Friedrich bei Bob-WM verletzt, aber Zweiter

Es ist Halbzeit im Vierer und die Lage knifflig. Der Zweier-Sieger kann wieder gewinnen, doch macht sein Körper mit? Die anderen deutschen Teams enttäuschen.

Daumen hoch heißt: alles gut. Oder doch nicht? Wie schwer Francesco Friedrich verletzt ist, weiß nur er. © Robert Michael

Es ist nicht viel zu  sehen, dafür umso mehr zu spüren - erst Anspannung und Ungewissheit, dann große Erleichterung. Der Zweier-Weltmeister Francesco Friedrich aus Pirna und seine Anschieber Candy Bauer (Marienberg), Martin Grothkopp (Dresden) und Thorsten Margis (Halle) haben sich im kanadischen Whistler die Chance erhalten,  erneut auch im Viererbob zu gewinnen und damit die Doppelsiege von der WM 2017 sowie Olympia 2018 zu wiederholen. Es wäre ein historischer Triumph - der allerdings stark gefährdet ist. 

Zwar liegt Bob Deutschland I nach zwei von vier Läufen mit lediglich 0,04 Sekunden Rückstand auf dem zweiten Platz hinter dem lettischen Team von Oskars Kibermanis, das im ersten Lauf den von Team Friedrich aufgestellten Bahnrekord gleich wieder unterbot und im zweiten Lauf einen neuen Startrekord aufstellte. Doch zum einen sind die Kanadier um Justin Kripps auf ihrer Heimbahn auf Rang drei nur 0,11 Sekunden hinter dem Führenden platziert. Zum anderen ist Friedrich verletzt, mindestens aber angeschlagen.

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Beim Start im ersten Lauf, so sagt er knapp, seien die Adduktoren ein bisschen festgegangen. "Aber kein Problem, es geht weiter", betont der 28-Jährige, der zwischen beiden Läufen intensiv physiotherapeutisch behandelt worden ist und sich nach dem zweiten Lauf nach einem kurzen Statement sofort in den warmen Umkleideraum zurückzieht. Hinterlassen hat er eine mutmaßlich beruhigende Botschaft: "Der zweite Lauf war ganz gut, wir sind näher an Kibermanis rangekommen. Und wir sind immer zuversichtlich. Die nächsten zwei Läufe kriegen wir auch noch runter."

Die Olympiasieger von 2018 haben gute Chancen, ihren WM-Titel zu verteidigen: Francesco Friedrich und seine Anschieber Candy Bauer, Martin Grothkopp und Thorsten Margis (von rechts).  © dpa

Wie schwer die Verletzung wirklich ist, bleibt offen. Die Startzeit im zweiten Lauf ist zumindest identisch mit der im ersten - jeweils 4,74 Sekunden. Schneller beginnt bei Temperaturen im fast zweistelligen Minusbereich nur einer: das Team Kibermanis mit zunächst 4,70 und dann jenen 4,69 Sekunden, die Olympiasieger André Lange und dessen Anschieber den Startrekord von den Winterspielen vor neun Jahren kosten.

In der Bahn fährt Friedrich zweimal nicht fehlerfrei, doch das gelingt im schnellsten Eiskanal der Welt im Prinzip keinem Piloten - auch nicht den anderen beiden Deutschen. Während Nico Walther, Friedrichs Vereinskollege vom BSC Sachsen Oberbärenburg, als Siebenter mit sich und vor allem seinem Schlitten hadert, belegt Johannes Lochner nach einem schlechten ersten Lauf (13. Platz) zur Halbzeit den nicht minder enttäuschenden neunten Rang. Medaillenchancen hat am zweiten Tag mit den Läufen drei und vier (Sonntag um 2.00 und 3.30 Uhr deutscher Zeit) weder der eine noch der andere. Allein Walthers Rückstand auf Kripps beträgt bereits 0,5 Sekunden.

"Die Gesamtperformance passt nicht. Das haben wir schon im Training gemerkt", sagt Walther, der von Paul Krenz (Magdeburg), Alexander Rödiger (Oberhof) und Eric Franke (Berlin) angeschoben wird. Er will jetzt genau analysieren. "Das Zusammenspiel von Bob und Bahn stimmt gerade nicht", erklärt der 28-Jährige. Lochner wiederum beklagt seine fahrerische Leistung, aber auch den Zustand der Bahn: "Ab und zu bricht das Eis heraus. Das ist sehr ärgerlich, weil danach die Kufen kaputt sind und damit viel Geld vernichtet wird. Das nervt schon, dass die Bahnarbeiter da nicht aufpassen." 

Nico Walther schaut konsterniert drein. Er hat um die Medaillen mitfahren wollen, vielleicht sogar an den Titel gedacht. Nach zwei Läufen sind er und sein Team jedoch Siebenter. © dpa