merken

Friedrich holt WM-Titel trotz Verletzung

Der Muskel reißt, doch nicht die Siegesserie des Bobpiloten. Der Doppel-Olympiasieger aus Pirna ist jetzt auch doppelter Doppelweltmeister - dank seiner Anschieber.

Einer für alle, alle für einen - Bob ist Teamsport. Das Motto am Start aber lautet diesmal: drei Anschieber für den Piloten. © The Canadian Press/AP

Sie haben es tatsächlich geschafft. Erst hält der Muskel - und dann gibt es am Samstagabend, Ortszeit 19.18 Uhr, im kanadischen Whistler kein Halten mehr. Francesco Friedrich und seine Anschieber Candy Bauer,  Martin Grothkopp und Thorsten Margis sind wieder Weltmeister im Viererbob. Und das, obwohl der Pirnaer sich im ersten Lauf einen Muskelbündelriss im Adduktorenbereich zuzieht. Nach vier Läufen ist Bob Deutschland I trotzdem 0,29 Sekunden schneller als der Lette Oskars Kibermanis und sein Team. Dritter mit 0,45 Sekunden Rückstand werden die Kanadier um Justin Kripps.

Noch im Schlitten schreien die neuen alten Weltmeister ihre Freude heraus, danach liegen sie sich in den Armen. Margis ballt die Faust, Grothkopp schüttelt den Kopf, Bauer kämpft mit den Tränen - und Friedrich hat inmitten der überschäumenden Freude sein Lächeln wieder, sein typisches Mich-kann-keiner-aus-der-Ruhe-bringen-Siegerlächeln. 

Anzeige
Symbolbild Anzeige

Einladung: Sachsen wird international!

Sie suchen Studenten für ein Praktikum, eine Studienarbeit oder eine Anstellung? Am 2. Mai können Sie beim kostenfreien Speed-Dating Studierende kennenlernen!

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Vier Väter und ein Milchbubi

Die in die Jahre gekommenen Olympiasieger vom Bobteam Friedrich setzen auf den Nachwuchs. Bei der WM in Kanada hilft das nicht immer.

Symbolbild verwandter Artikel

Friedrich der Starke krönt sich zum Bob-Rekordweltmeister

Der Doppel-Olympiasieger aus Pirna gewinnt zum fünften Mal in Serie mit dem Zweier. Und noch ein Sachse jubelt.

Die Goldfahrt krönt eine unglaublich gute Saison

"Ich bin wahnsinnig glücklich - und ziehe den Hut vor meinen Jungs. Das war wahrscheinlich die beste Saison, die je gefahren wurde", sagt Friedrich, der 15 von 18 Weltcup-Rennen gewonnen hat und einen unglaublichen Winter mit dem fünften WM-Sieg im Zweier hintereinander sowie jetzt mit der erneuten Goldfahrt im Vierer krönt.

Das große Zittern ist da längst vergessen - nicht aber die Chronologie eines überaus spannenden, nervenaufreibenden Wettkampfes.

Beim Start im ersten Lauf verletzt sich Friedrich an den Adduktoren, verpatzt daraufhin die Fahrt und gerät gleich doppelt unter Druck. Zum einen beträgt der Rückstand auf Kibermanis nicht unerhebliche 0,11 Sekunden, zum anderen ist die Ungewissheit ab sofort ständiger Wettkampfbegleiter. Im zweiten Lauf verkürzt Friedrich den Laufweg am Start und dann mit einer starken Fahrleistung in der Bahn den Rückstand auf 0,04 Sekunden. Der entscheidende zweite Tag beginnt mit einer Machtdemonstration. Im dritten Lauf übernimmt er die Führung und hat nun seinerseits 0,10 Sekunden Vorsprung auf den Letten. Schließlich Lauf vier: eine einzige Triumphfahrt.

Friedrichs Dank geht auch an die Physiotherapeuten

Aufgeben, sagt der Pilot des BSC Sachsen Oberbärenburg danach mit seinem unverkennbaren Grinsen, sei ohnehin keine Option gewesen. "Das macht man als Hochleistungssportler bei einer WM nie. Man versucht alles, was geht. Die Physiotherapeuten haben einfach einen wahnsinnig guten Job gemacht. Auch dafür ganz vielen Dank", sagt der 28-Jährige, der sich mehr denn je auf einer unvergleichlichen Rekordjagd befindet.

Nach dem Sieg im Zweier und Vierer bei der WM 2017 sowie dem Olympiasieg in beiden Schlitten vor einem Jahr ist nun auch der Double-Hattrick perfekt. Eine solche Dominanz hat es in der fast 90-jährigen Historie des Bobfahrens noch nicht gegeben. Lediglich dem Italiener Eugenio Monti ist es 1961 gelungen, einen WM-Doppelsieg zu wiederholen - allerdings mit unterschiedlicher Besetzung im Schlitten.

Sie sind die Schnellsten, die Besten, die derzeit alles Dominierenden im Eiskanal: Team Friedrich fährt bei der WM zum dritten großen Sieg hintereinander. ©  dpa

Mit 157 km/h erreicht Friedrichs Vierer, gebaut vom Österreicher Hannes Wallner, zudem die mit Abstand höchste Geschwindigkeit aller 22 Schlitten. Auch das ist ein Rekord - und lässt das Handicap am Start vergessen. Zwar sorgen diesmal Kibermanis und seine Anschieber für die besten Zeiten auf den ersten 50 Metern, doch Team Friedrich hat die höchste Abgangsgeschwindigkeit. Das gibt am Ende den Ausschlag. Denn gravierende Fehler erlaubt sich am zweiten Tag keiner der Top Drei.

Walther bleibt hinter Erwartungen zurück

Für Nico Walther und sein Team endet die WM dagegen mit einer herben Enttäuschung. Der Dresdner, angeschoben von Paul Krenz, Alexander Rödiger und Philipp Wobeto, der am zweiten Tag den am Rücken verletzten Eric Franke ersetzt, belegt den achten Platz. Nur - wird auch er sagen, denn Walther hatte sich eine Medaille vorgenommen. Die ist für den Viererspezialisten mit dem großen Schlitten immer das Ziel. Und nachdem der 28-Jährige im Zweier etwas überraschend auf den dritten Platz gefahren ist, hat er die Tage von Whistler nun krönen wollen. Doch daraus wird nichts. Bob und Bahn passen nicht zusammen, und das schon im Training.

Der Wettkampf bestätigt das, und damit bleibt Walther weit hinter den eigenen Erwartungen zurück. "Das ist ärgerlich und auch schade. Aber im Bobsport spielen viele Faktoren eine Rolle, und das müssen wir jetzt analysieren", erklärt er. Im nächsten Jahr bei der Heim-WM in Altenberg wolle er deutlich besser abschneiden. Noch schlechter verläuft die WM für Bob Deutschland III mit Johannes Lochner an den Lenkseilen. Im Zweier schon chancenlos Achter fährt er mit dem Vierer auf den neunten Platz.