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Frisch gepresst

Aus Obst mach Saft: Tonnenweise werden in Göhlis Äpfel verarbeitet – bis in die Dunkelheit hinein.

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© Sebastian Schultz

Von Christoph Scharf

Riesa. Zum Anbeißen sehen die Äpfel aus. Das sehen auch die Wespen so, die scharenweise die Männer am Gut Göhlis umschwirren. Davon lassen sich die drei Mitarbeiter der mobilen Obstpresse von Jan Herberg aus Freital und die sechs Helfer vom Riesaer Verein Sprungbrett aber nicht aus der Ruhe bringen. Seit dem Vormittag sind sie an diesem Donnerstag auf den Beinen. Zentner für Zentner tragen sie Obst zu der edelstahlglänzenden Anlage, die auf einem großen Autoanhänger untergebracht ist.

Bereitgelegt: Manche Äpfel sehen fast zu schön zum Pressen aus.
Bereitgelegt: Manche Äpfel sehen fast zu schön zum Pressen aus. © Sebastian Schultz
Gut sortiert: Auf jedem Stapel liegt ein Zettel mit dem Namen des Lieferanten.
Gut sortiert: Auf jedem Stapel liegt ein Zettel mit dem Namen des Lieferanten. © Sebastian Schultz

Vor allem Äpfel haben die Riesaer und die Bewohner der Umland-Gemeinden auf die Wiese am Gut Göhlis gebracht. Grüne, gelbe, rote, gestreifte. Sie stapeln sich in Holzstiegen, in Plastekisten, Wäschekörben. Sie kommen in Stoffsäcken, Einkaufstüten, Kartoffelnetzen. Erst beim Einsammeln der Ernte merkt manch Hobbygärtner, wie viel ein oder zwei Apfelbäume tragen können. „So 80 Kilo werden das schon sein“, sagt ein Senior, der im Kofferraum zwei Stiegen und fünf Säcke mitgebracht hat. Der Ertrag von zwei Bäumen wird gut 50 Liter Saft ergeben. Trinkt er das alles selbst? „Die Familie wird auch was davon haben. Und außerdem muss es doch bis zur nächsten Ernte reichen“, sagt der Riesaer, bevor er wieder ins Auto steigt.

Sein Obst bleibt hier: Ein Helfer vom Sprungbrett e.V. hat Name und Telefonnummer des Lieferanten auf einem Zettel notiert und zwischen die Äpfel gesteckt. Ist sein Saft fertig, wird der Senior angerufen, damit er ihn abholen kommt. Schließlich soll jeder Kunde der Saftpresse nicht irgendeinen Saft mit nach Hause nehmen, sondern den Ertrag, den sein eigenes Obst bringt. Und so wird jede Lieferung einzeln und nacheinander behandelt. Vorsichtig schütten die Männer eine Stiege Äpfel in den stählernen Auffangkorb, nachdem sie faule Exemplare aussortiert haben. Von dort werden die Äpfel per Schrägaufzug – eine Art Förderband – nach oben transportiert und gewaschen. Drei Düsen mit Wasser spülen den Dreck ab. Während es bis jetzt nur summt und plätschert, kommt nun ein Rumpeln dazu: Die eben noch formschönen runden Exemplare werden geschreddert, dann gepresst.

Davon ist von außen nicht viel zu sehen – aber da kommt aus einem dicken Schlauch schon ein grüngelber Brei. „Das ist der sogenannte Trester“, sagt Mitarbeiter Michael Kurze. Der Brei ist das, was vom Apfel übrig ist. So fein zerkleinert, dass man nicht mal mehr einen ganzen Stil erkennt. Wer mag, kann seinen Trester ebenfalls mit nach Hause nehmen, sollte ihn aber nicht auf den Kompost schütten: Die konzentrierten Apfelreste sind so sauer, dass sie den Boden sauer machen würden.

Also lässt man den Brei besser hier. Auf Gut Göhlis hat man sowieso eine bessere Verwendung dafür: Die Hunderte Schafe im Stall der Schäferei nebenan lieben das Zeug, das schubkarrenweise anfällt. „Das reicht kaum dafür, dass jedes Schaf was davon abbekommt“, sagt Jürgen Dreier vom Sprungbrett e.V. Der Saft ist mittlerweile über einen dünneren Schlauch weiter geleitet worden. Er hat Filter passiert – und einen großen Kasten, in dem sich ein elektronisch gesteuerter Durchlauferhitzer verbirgt. „Wir erhitzen den Saft auf 78 Grad“, sagt Michael Kurze. Das nennt man pasteurisieren – schließlich soll der Saft auch eine Weile haltbar bleiben. Wer kann schon 50 Liter auf einmal trinken? – Dann ist das Prozedere auch schon fast vollendet: Ohne, dass irgendwelche Stoffe zugesetzt werden müssen, befüllt ein automatischer Arm durchsichtige Plastebeutel mit drei, fünf oder zehn Litern des heißen Apfelsaftes. Ein Mitarbeiter schraubt den Verschluss zu, dann wird der gefüllte Beutel gebadet und von einem Helfer in Saftkartons gepackt. Das Prozedere läuft an diesem Donnerstag von 10 Uhr früh bis abends nach acht, als es längst dunkel ist. Im Vorjahr wurde gar bis nachts um drei gepresst, weil der Andrang kein Ende nahm.

Egal, wie viel Liter anfallen: Dank eines Spezialverschlusses, der keine Luft dran lässt, hält der Saft sogar noch nach dem Öffnen ein paar Wochen. Ungeöffnet bleibt er mindestens ein Jahr haltbar – aber vermutlich deutlich länger. „Wir haben neulich Wein aus fünf Jahre altem Saft gemacht“, sagt Michael Kurze, „der war noch gut!“ Nach einem kompletten Tag an der Obstpresse trinkt der Mitarbeiter selbst aber dann doch lieber ein Bier.

Die Saftpresse kommt am 29. September ab 10 Uhr wieder zum Gut Göhlis.

Drei Liter Saft kosten 3,50 Euro, fünf Liter 5,50 Euro, zehn Liter 9,50 Euro.