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Frische Luft für den Ratssaal

Im Sitzungsraum entweicht verbrauchte Luft jetzt über den Kronleuchter. Auch sonst hat sich im Historischen Rathaus einiges verändert.

© René Plaul

Von Nina Schirmer

Radebeul. Ein Summen tönt über die Pestalozzistraße. Nicht laut aber doch deutlich vernehmbar. Das Geräusch kommt vom Historischen Rathaus. Im zweiten Stock steht ein Fenster einen Spaltbreit offen. Dahinter im Ratssaal wird kräftig gearbeitet.

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In den Büros in der zweiten Etage wurden die Stuckverzierungen an den Decken hergerichtet.
In den Büros in der zweiten Etage wurden die Stuckverzierungen an den Decken hergerichtet. © René Plaul
Der Fahrstuhl ist neu. Als letztes Verwaltungsgebäude ist das Historische Rathaus damit auch barrierefrei.
Der Fahrstuhl ist neu. Als letztes Verwaltungsgebäude ist das Historische Rathaus damit auch barrierefrei. © René Plaul
Kein Bauschaden, sondern gewollt, sind die Risse in den Säulen. Dort soll ein Glashaus eingesetzt werden.
Kein Bauschaden, sondern gewollt, sind die Risse in den Säulen. Dort soll ein Glashaus eingesetzt werden. © René Plaul

Jens Pauling schiebt eine grüne Maschine über den Holzfußboden. Auf den ersten Blick erinnert das Gerät an einen Rasenmäher. Der Bodenleger aus Moritzburg schleift das Parkett im Ratssaal ab. Rundherum sind die Wände mit Folie abgedeckt. Doch dahinter ist schon manches zu erkennen. Zum Beispiel dass die Holzvertäfelung jetzt viel heller und freundlicher aussieht als früher. Keine dunkelbraune Wand mehr. „Das Holz war immer wieder überstrichen worden“, sagt Ines Röber, Sachgebietsleiterin im Bauamt. Jetzt wurde die Vertäfelung aufgearbeitet.

Nur eine von vielen Arbeiten, die in den vergangenen Wochen und Monaten im Rathaus stattfanden. Auch im Treppenhaus hat sich einiges verändert. Das ist jetzt sozusagen ein Sicherheitstrakt. „Brandschutztechnische Ertüchtigung“ heißt der Umbau im Behördendeutsch. Einfacher ausgedrückt gibt es nun Glaswände mit Brandschutztüren zwischen dem Treppenhaus und den Fluren mit den Büros.

Die sind nötig, weil das Rathaus über keinen zweiten Fluchtweg wie eine Außentreppe verfügt. Deshalb darf bei einem Brand kein Feuer oder Rauch ins Treppen haus gelangen. „Es muss sichergestellt sein, dass im Gefahrenfall alle flüchten können“, sagt Ines Röber.

Im Erdgeschoss fallen tiefe Risse in den Stuckverzierungen der Säulen auf. Haben die Bauleute hier etwa Schaden angerichtet? Nein, beruhigt Ines Röber. Die Schlitze wurden bewusst in die Säulen gehauen. „Dort wird Spezialglas eingesetzt“, sagt die Sachgebietsleiterin. Im Erdgeschoss entsteht ein Raum aus Glas. Ein Haus im Haus.

Kleine Schmuckstücke gibt es in der zweiten Etage zu entdecken, wo das Sachgebiet Steuern und Finanzen sitzt. „Hier ist ein Highlight“, sagt Ines Röber, als sie die Tür zu einem Büro öffnet. Sie meint den Jugendstilstuck an der Decke des Raumes. „Der war vorher zugekleistert.“ Im Zuge der Sanierung wurde die Löwenzahnranke restauriert. Auch im Nachbarzimmer ist die Stuckverzierung jetzt wieder hübsch: eine Sonne in der Mitte der Decke.

Dafür, dass sie jetzt so schöne Büros haben, mussten die Rathausmitarbeiter vorher einigen Stress auf sich nehmen. Denn der Umbau ging bei laufendem Verwaltungsbetrieb vonstatten. Die Abteilungen zogen von A nach B, immer dort hin, wo gerade nicht gebaut wurde.

Noch nicht in Betrieb, aber schon eingebaut ist ein Fahrstuhl, der künftig in allen Etagen hält. Damit ist das Historische Rathaus als letztes Gebäude der Stadtverwaltung barrierearm ausgebaut. Der Zugang zum Lift ist an der Rückseite des Hauses.

Zurück zum Ratssaal: Vor der Sanierung gab es dort keine Lüftung. Wenn die Luft während einer Stadtratssitzung schlecht wurde, blieb nur der Gang zum Fenster. Wenn die Stadträte das nächste Mal tagen, bläst eine Anlage Frischluft in den Saal. Die verbrauchte Luft wird über die Rosette des Kronleuchters abgesaugt.

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Die letzte Sanierung endete vor über drei Jahren. Sie war nur auf das Gebäudeinnere konzentriert. Die Instandsetzung der Fassade liegt länger zurück.

Die Lampe selbst ist auch neu – gefertigt nach historischem Vorbild des ersten Elektrokronleuchters im Ratssaal. Das über zwölf Meter lange Wandgemälde wurde gereinigt. Alt trifft modern: Neben dem Gemälde, an der kurzen Wandseite, soll in Zukunft ein großer Bildschirm hängen. Kommt es zu keinem Verzug, könnten die Stadträte in ihrer ersten Zusammenkunft nach der Sommerpause am 23. August im Ratssaal sitzen. Das ganze Rathaus soll Ende des Jahres fertig saniert sein.