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Frischekur unterm Schlossdach

Das Mansardgeschoss wird umfangreich saniert – dafür muss die Hermsdorfer Betreibergesellschaft kräftig ausräumen.

© Thorsten Eckert

Von Nadine Steinmann

Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Hermsdorf. Die Zimmer im ersten Obergeschoss des Schlosses Hermsdorf entführen den Besucher in eine andere Zeit. Historische Schätze, alte Möbel, wundervolle Kronleuchter, besondere Porzellan-Services – bei einem Rundgang kann sich der Besucher in die längst vergangenen Tage einfühlen und sich vor dem inneren Auge vorstellen, wie die Menschen hier einst gelebt haben. Doch das alles muss in den kommenden vier Wochen raus und für einige Monate in Kisten verbleiben. Denn die Gemeinde Ottendorf-Okrilla will pünktlich im März mit den überfälligen Sanierungsarbeiten am Mansardgeschoss beginnen.

Die Etage unter dem Dach ist kein Vergleich zu den liebevoll eingerichteten Zimmern im ersten Obergeschoss. In manchen der kleinen, beengten Räume sind noch alte Kachelöfen zu finden. Sie sind die Überreste des einstigen Altenpflegeheimes, das bis 1999 im Mansardgeschoss des Schlosses sein Domizil hatte. Doch mittlerweile erinnert kaum noch etwas an die ehemaligen Bewohner. Stattdessen ist in einigen Ecken der Schwamm eingezogen. Der soll nun endlich raus! Ebenso wie die vielen Zwischenwände, die für das Altenpflegeheim eingezogen worden sind.

Am kommenden Montag soll der Ottendorfer Gemeinderat deswegen die Bauleistungen für die Sanierung des Mansardgeschosses vergeben. Insgesamt werden die Kosten momentan auf rund 600 000 Euro geschätzt. Ein Batzen Geld, den die Gemeinde glücklicherweise nicht alleine aufbringen muss. Denn nach monatelangen Gesprächen und Bitten stehen derzeit 494 991 Euro Fördermittel zur Verfügung, die sowohl der Freistaat Sachsen als auch der Bund bereitgestellt haben. Bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz hat die Gemeindeverwaltung zudem einen Antrag auf finanzielle Unterstützung in Höhe von 52 814 Euro gestellt. Hier fehlt dem Ottendorfer Bauamt allerdings noch eine Antwort, wie Birgit Balzer auf Nachfrage der Sächsischen Zeitung erklärt. Doch im Idealfall bleiben an der Gemeinde „lediglich“ noch rund 50 000 Euro für die Sanierung hängen.

Vier Bauabschnitte geplant

Die soll also nun im März beginnen und voraussichtlich anderthalb Jahre Zeit in Anspruch nehmen. Eingeplant sind vier Bauabschnitte. Los geht es an der linken Seite des Schlosses in Richtung Professorenhaus. Das kulturelle Leben im Schloss sowie die mittlerweile 38 reservierten Hochzeiten werden von den Bauarbeiten nicht betroffen sein. Zumindest weitgehend, wie Birgit Balzer erklärt. Der Zugang zur Baustelle soll beispielsweise von außerhalb erfolgen. „Die Bauarbeiter rennen also nicht durch das Schloss, während eine Hochzeitsgesellschaft da ist“, so die Mitarbeiterin des Bauamtes. Und auch der Bereich oberhalb des Barocksaales, in dem die Trauungen stattfinden, soll voraussichtlich im Winter des kommenden Jahres in Angriff genommen werden. Da Hochzeiten nur von Mai bis September im Schloss gefeiert werden, kommt sich also niemand in die Quere.

Generell hat der Barocksaal quasi Glück. Denn auch er befindet sich im ersten Obergeschoss, muss aber nicht ausgeräumt werden. Auch das Foyer bleibt verschont. Doch warum muss aus den anderen Räumen alles raus? Das hängt mit der Sanierung der Deckenbalken zusammen. Sprich, dem Fußboden des Mansardgeschosses. „Wir kommen von oben nicht an die Balken heran“, erklärt Birgit Balzer. Übrig bleibt nur noch von unten – vom ersten Obergeschoss aus. Dafür müssen alle Unterhangdecken in den Räumen abgenommen werden. Oberhalb des Barocksaales existiert dieses Problem glücklicherweise nicht, so dass die Hochzeiten 2018 ungehindert stattfinden können. „Natürlich müssen die Paare trotzdem Bescheid wissen, dass es eine Baustelle gibt“, so Birgit Balzer. Zu übersehen wird es schließlich nicht sein. So wird der Giebel bei dem die Arbeiten beginnen, komplett eingerüstet.

Für die Betreibergesellschaft des Schlosses rund um Angelika Frenzel heißt es nun also in den kommenden vier Wochen: Kisten packen. Diese bekommt die Ehrenamtliche vom naheliegenden Baumarkt. Auf zusätzliche Spenden sei sie von daher nicht angewiesen. Das Ausräumen dagegen wird wahrscheinlich sehr aufwendig, schließlich muss vor allem mit dem Geschirr sorgsam umgegangen werden.

Der Dachboden des Schlosses bleibt bei den anstehenden Sanierungsarbeiten übrigens außen vor. Die Gemeinde möchte sich von unten nach oben vorarbeiten. Mittelfristig soll auch er saniert werden. Dafür sind erneut rund 200 000 Euro notwendig.