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Frischer Wind im Ständehaus

Das „Seniorenzentrum Am Stadtpark“ in Görlitz hat ein neues Führungsteam. Das steht jetzt vor einer schwierigen Aufgabe.

© nikolaischmidt.de

Von Ingo Kramer

Görlitz. Torsten Havenstein ist so etwas wie ein Urgestein im Ständehaus. Schon seit in dem Gebäude an der Dr.-Kahlbaum-Allee am 20. August 2000 ein Alten- und Pflegeheim eröffnete, ist er hier tätig. Und er war immer der Pflegedienstleiter, wenngleich er anfangs noch eine Ausbildung machte und diese zwei Jahre später abschloss. Jetzt ist Havenstein aufgerückt: Seit diesem Jahr ist er der neue Leiter der Einrichtung, die mittlerweile „Seniorenzentrum Am Stadtpark“ heißt und neben der vollstationären Pflege auch Kurzzeitpflege, Tagespflege und Kulturveranstaltungen anbietet. Havenstein tritt die Nachfolge der 63-jährigen Christina Finke an, die im Dezember – nach vielen Jahren als Heimleiterin – feierlich verabschiedet worden war.

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Ein echter Generationenwechsel ist es nicht, denn der in Görlitz geborene und auch hier lebende Havenstein ist 60 Jahre alt – auch wenn ihm das niemand ansieht. Den Generationenwechsel gibt es stattdessen auf der nächsten Ebene: Der 39-jährige Andreas Pelz ist Havensteins Nachfolger als Pflegedienstleiter. Doch selbst Pelz könnte man fast schon als Urgestein des Hauses bezeichnen. Er begann im Jahr 2000 seine Lehre zum Altenpfleger über eine Maßnahme des Arbeitsamtes, absolvierte alle Praktika im Ständehaus – und wurde 2002, nach Abschluss seiner Ausbildung, fest als Altenpfleger eingestellt. Das blieb er bis Ende 2011. Von 2012 bis 2017 war er sechs Jahre als Wohnbereichsleiter für 38 Heimbewohner verantwortlich. Parallel absolvierte er ab 2016 noch eine einjährige Ausbildung zum Pflegedienstleiter. Nun hat er diese Stelle tatsächlich erhalten. „Dass es so schnell gehen wird, war 2016 noch nicht klar“, sagt Pelz, der mit seiner Frau und den zwei Kindern in Markersdorf lebt.

Bergit Kahl, die Besitzerin und Inhaberin des Seniorenzentrums, freut sich sehr über das neue Führungsteam. Grundsätzliche Änderungen für das Leben der rund 100 Heimbewohner und die Arbeit der ebenfalls rund 100 Mitarbeiter wird es aber nicht geben, versichern alle drei. Baulich ist ohnehin schon viel passiert, seit Bergit Kahl vor fünf Jahren die Regie übernommen hat. Unter anderem hat das Haus einen zweiten Aufzug, einen schönen Innenhof und ein neu gestaltetes Außengelände erhalten. „Die Bewohner sollen sich wohlfühlen“, sagt Havenstein. Das sei schon immer sein Slogan gewesen und den will er in die neue Rolle mitnehmen. Zudem wollen Pelz und er viel Wert auf Kommunikation legen, damit sich auch die Mitarbeiter wohlfühlen und gern hier arbeiten.

Das wird immer wichtiger. Das neue Führungsteam steht vor einer schwierigen Aufgabe: Gute Mitarbeiter zu finden, ist nicht mehr einfach. „Es gehen immer wieder Kollegen in Rente, und die müssen wir ersetzen“, sagt Bergit Kahl. Um Leute zu finden, sei ein gutes Arbeitsklima wichtig. Pelz bestätigt das. „Wir setzen auf Ausbildung“, sagt er. Derzeit gebe es drei Azubis zum Altenpfleger und einen berufsbegleitenden Azubi zum Altenpflegehelfer. Unter dem früheren Besitzer hingegen hat das Heim nicht ausgebildet. Das fällt ihm jetzt auf die Füße – und muss sich ändern. Ziel ist es, jedes Jahr drei Lehrlinge zu bekommen. Das aber ist nicht einfach. „Jugendliche haben derzeit wenig Interesse an einer Ausbildung in diesem Beruf“, sagt Havenstein. Andererseits: „Die Azubis, die wir haben, fühlen sich bei uns wohl.“ Das neue Ausbildungsjahr beginnt am 1. September. Bisher gibt es erst einen Interessenten, der demnächst zum Probearbeiten kommt. Ausbildung ist aber nicht der einzige Weg, neue Mitarbeiter zu finden. „Derzeit haben wir offene Stellen, aber auch Bewerbungen – und gute Gespräche“, sagt Havenstein.

Doch auch baulich geht es weiter voran im Ständehaus: In der oberen Etage entstehen bis Juli zwei Apartments für barrierefreies Wohnen. Dafür fallen keine Heimplätze weg, sondern es handelt sich um die Räume, in denen der frühere Besitzer des Ständehauses lebte, wenn er mal in Görlitz war. Nun entstehen hier ein Single-Apartment und eine Wohnung für ein Ehepaar. Die Bewohner werden eigene Küchen haben, können aber auch die Küchen und Gemeinschaftsräume des Heimes mitnutzen. Die Apartments sind noch nicht vermietet. „Bisher haben wir auch noch keine Werbung dafür gemacht“, sagt Bergit Kahl.