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Dresden

Friseurin wurde viel Geld versprochen

Die Frau hatte sich auf Chemo-Patienten spezialisiert, ihr Mann gerade einen Schlaganfall erlitten. Dann wurde sie von Betrügern geprellt - und selbst verurteilt.

Mit Werbebildschirmen wollte sich eine Frisören etwas dazuverdienen. Das Geld hätte sie gut gebrauchen können. Stattdessen musste sie zehntausende Euro Strafe zahlen.
Mit Werbebildschirmen wollte sich eine Frisören etwas dazuverdienen. Das Geld hätte sie gut gebrauchen können. Stattdessen musste sie zehntausende Euro Strafe zahlen. ©  Symbolfoto: dpa

Als die Polizei im August 2011 zur Durchsuchung von Geschäftsräumen mehrerer Dresdner Firmen ausrückte, hatten die Ermittler eine mutmaßliche Betrügerbande schon Jahre im Visier. Damals hatten die Beamten mitgeteilt, die Verdächtigen zockten bereits seit 2005 bundesweit Arztpraxen, Friseure, Kosmetikerinnen, Hotels, Fahrschulen und ähnliche Geschäfte ab. Sie machten den Inhabern „Werbespiegel“ schmackhaft. Das sind Aufsteller mit Bildschirm und DVD-Laufwerk für Läden und Wartezimmer. Dort sollten namhafte Firmen werben. Mit den Einnahmen ließe sich der Leasingvertrag des Werbespiegels finanzieren und ein schnelles Zusatzeinkommen erzielen. Wer sagt da nein?

Im April 2013 erhob die Staatsanwaltschaft Anklage. Erst jetzt, im September dieses Jahres, hat der Prozess gegen sieben Männer am Landgericht Dresden begonnen, sechseinhalb Jahre später. Der beklagte Tatzeitraum liegt nun zwischen 2006 und 2009, von einst etwa 200 Geschädigten sind 152 übrig. Der Schaden, der im August 2011 auf zwei Millionen Euro beziffert worden war, schrumpfte auf 1,6 Millionen. Die Angeklagten hätten die Geräte für bis zu 15.000 Euro verkauft, tatsächlich seien sie nur einen Bruchteil dessen wert.

Zwei Angeklagte haben Angaben gemacht, die übrigen hüllen sich in Schweigen. Die Wirtschaftskammer vernimmt seit Wochen Zeugen. Jüngst berichtete eine Friseurmeisterin aus Ludwigshafen, woran sie sich noch erinnert. Besonders viel war es nicht. Das Angebot des freundlichen Vertreters muss aber gut geklungen haben. Man war sich schnell einig. Die heute 68-jährige Unternehmerin, die sich auf die Haarpflege von Chemo-Patienten spezialisiert hatte, berichtete, dass gleich zwei Geräte gekauft worden seien. Eines für ihren Salon in Ludwigshafen, das zweite für die Filiale ihrer Tochter in Speyer.

Die Bildschirme blieben schwarz

Ihr seien 2.000 Euro monatlich versprochen worden. „Das Geld konnte ich gut gebrauchen. Mein Mann hatte gerade einen Schlaganfall erlitten“, sagte die Zeugin. Doch in beiden Salons seien die Bildschirme schwarz geblieben. In einem habe der Werbespiegel nur herumgestanden, im anderen sei erst ein Gerät geliefert und gleich wieder abgeholt worden. Die Frau erinnerte sich, auch die Leasing-Zahlungen eingestellt zu haben, weil nie etwas funktioniert habe. In einem Zivilprozess sei sie dann jedoch zur Zahlung der Geräte – rund 30.000 Euro – verurteilt worden.

Das deckt sich interessanterweise mit der Polizeimeldung nach der Razzia 2011: Geprellte Kunden hätten versucht, sich vor Zivilkammern aus den Leasingverträgen zu klagen, seien reihenweise damit gescheitert. Erst danach seien die ersten Strafanzeigen erstattet worden, sodass die Ermittlungen gegen die Firmen namens „TECline“, „art vision“, und „TECart“ begannen.

Nach der Zeugenaussage beantragte ein Verteidiger, rund 20 Zeugen zu hören, bei denen die Werbespiegel funktioniert hätten. Es seien hochwertige Geräte gewesen, individuelle Installationen, „kundenspezifisch“. Auch das soll nun ein Sachverständiger belegen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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