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Früheres Asylheim-Aus problematisch?

Nicht jeder ist begeistert von der kurzfristigen Schließung der Einrichtung in der Siedlung Rossendorf. Radebergs OB Lemm ärgert sich im Stadtrat über den Vize-Landrat.

© Thorsten Eckert

Von Jens Fritzsche

Radeberg. Spätestens Ende Oktober sollen die letzten Flüchtlinge aus der Baracke in der Siedlung Rossendorf ausziehen. Damit schließt der für die Unterbringung von Asylbewerbern zuständige Landkreis die Unterkunft früher als ursprünglich geplant. Denn eigentlich war der Pachtvertrag bis Ende Juli 2018 datiert. Aber der Bedarf an Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge ist im vergangenen Jahr massiv gesunken und die Baracke mit 42 Bewohnern nur noch halb voll. Dennoch kommt das Aus überraschend und birgt aber auch eine Menge Probleme. Das jedenfalls befürchten diejenigen, die sich seit der Eröffnung der Einrichtung im Sommer 2015 ehrenamtlich um die Flüchtlinge kümmern.

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Die Radebergerin Elisabeth Weigmann ist eine von ihnen und kritisierte das unverhoffte Ende nun auch in der Einwohnerfragestunde während der jüngsten Stadtratssitzung. „Das Aus erschwert unsere Arbeit ungemein“, sagt sie. Denn mit der kurzfristigen Schließung haben nun auch die Hilfsangebote ein plötzliches Raumproblem. Wohin zum Beispiel mit der ehrenamtlich geführten Kleiderkammer, „durch die die Flüchtlinge versorgt werden“? Vielleicht, so schlägt sie vor, könne ja die Stadt bei der Suche preiswerter Räume helfen und letztlich daraus ein Sozialkaufhaus machen, das nicht nur für Flüchtlinge wichtig wäre, sondern überhaupt für sozial Schwache.

Ob dafür wirklich Bedarf besteht, darauf wollte sich Radebergs OB Gerhard Lemm (SPD) spontan nicht festlegen: „Wir haben ja auch jetzt schon kleinere Angebote – und das bis vor einigen Jahren von der Arbeiterwohlfahrt an der Hauptstraße betriebene große Projekt hatte eine spürbar abnehmende Nachfrage.“ Aber man könne sich in jedem Fall zusammensetzen, „dann müsste ein Finanzierungskonzept erarbeitet werden, über das wir reden können“.

Dass es aber für die Arbeit des Hilfevereins „Radeberger Land hilft“ und vor allem für die Betroffenen zu Problemen kommen kann, weil man sich nun nicht wie geplant, Schritt für Schritt auf die Schließung vorbereiten kann, das sieht auch OB Lemm so. „Wobei ich den Landkreis dennoch verstehe, aus Kostengründen lieber Einrichtungen auszulasten, statt nicht ausgelastete Einrichtungen fortzuführen – das finanzieren wir ja über die Kreisumlage letztlich auch mit“, machte er klar.

In jedem Fall zollte der OB den ehrenamtlichen Helfern größten Respekt, unterstrich er ausdrücklich. „Da ist eine super Arbeit geleistet worden!“ Auch mit Blick auf die Unterbringung des in Bautzen – und daraufhin auch überregional medial beachtet – recht auffällig gewordenen Asylbewerbers „King Abode“, der vom Landkreis vor einigen Wochen letztlich in Rossendorf untergebracht worden war. „Hier ist er absolut unauffällig“, so Lemm.

Dennoch empört es ihn nach wie vor, „dass es der zuständige Landkreis-Beigeordnete Witschas nicht für nötig erachtet hat, uns über diese Verlegung vorab zu informieren“. Sonst sei Udo Witschas ja recht kommunikativ, „nur die Auswahl seiner Gesprächspartner, kann ich nicht immer wirklich nachvollziehen“, frotzelte Lemm und spielte auf die bekannt gewordenen Gespräche und Kontakte zwischen Witschas und NPD-Vertretern über die Vorgänge rund um „King Abode“ an. Es wäre sinnvoller gewesen, so Lemm, „eher die vor Ort Verantwortlichen zu informieren, als mit einem NPD-Vertreter zu reden“. Radebergs OB gehörte bekanntlich als Chef der SPD/Grünen-Kreistagsfraktion in den vergangenen Wochen auch zu den Aktivisten, die Witschas deshalb gern des Postens enthoben hätten, was aber letztlich vor allem an der CDU-Mehrheit im Kreistag gescheitert war.