merken

Frühes WM-Aus vermiest die Bilanz

Weniger Besucher schauten sich beim Public Viewing im Hains die Fußballspiele an. Dort denkt man schon an die EM.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Annett Heyse

Freital. „Na ja.“ Daniel Wirth, Leiter des Freitaler Freizeitzentrum Hains, braucht nur zwei kurze Worte, um ein WM-Fazit zu ziehen. Seit 2006, dem WM-Sommermärchen der Deutschen, zeigt das Hains auf Großleinwand die wichtigsten Fußballturniere. Aller zwei Jahre wird auf den überdachten Tennisplätzen eine Fußball-Arena eingerichtet. Viele Freitaler und ganz viele Gäste aus der Umgebung verfolgten hier die WM in Südafrika, sahen Deutschland in der EM 2012 an Italien scheitern und feierten schließlich den WM-Titel 2014.

Anzeige
Geld für Vereine, Projekte, mehr Zuversicht!
Geld für Vereine, Projekte, mehr Zuversicht!

Mit einem Crowdfundingprojekt unterstützt die Volksbank Dresden-Bautzen eG gemeinnützige Projekte.

Der 2018er-Durchgang war wieder gut organisiert, für die große Fußball-Party alles vorbereitet: Es gab Bratwurst- und Getränkestände, viele Sitzbänke, einen VIP-Bereich, eine Tobeecke für Kinder samt Hüpfburg, unter dem Dach hingen die Fahnen aller 32 Teilnehmerländer. Und dann kam das Desaster.

Daniel Wirth, der einst als Verteidiger beim Hainsberger SV spielte, drückt es so aus: „Irgendwann passiert so etwas im Fußball mal.“ Das Vorrundenspiel gegen Südkorea verfolgten noch gut 1 000 Besucher, an einem Mittwochnachmittag kurz vor Ferienbeginn. Dann war den Freitalern die Freude an der WM vergangen. „Die Gäste konnte man ab dem Achtelfinale mitunter an einer Hand abzählen“, muss Wirth zugeben. Immerhin kamen zum Finalspiel am Sonntag nochmals um die 250 Besucher, das war es dann. Wirth: „Hätte Deutschland gespielt, wären 2 000 Gäste gekommen.“ Das öffentliche Mitfiebern mit einem Underdog wie Kroatien – es liegt den Freitalern wohl nicht so.

Dresden, wo viele Touristen unterwegs sind und durch Universität und große Firmen mehr internationales Publikum wohnt, ist da anders. In der Vergangenheit der Freitaler Arena waren die Deutschland-Spiele das Zugpferd. Keine deutsche Beteiligung – kein Interesse am Public Viewing, so einfach ist die Formel 2018. Und so ärgerlich für die Organisatoren.

Die Mitarbeiter des Freizeitzentrums hatten keine Mühen gescheut: Hier war die größte WM-Arena der Region entstanden. Gezeigt wurden auf einer Großbildleinwand mit 17 Quadratmetern Fläche alle 64 WM-Spiele. Extra dafür wurden zwei neue Laserbeamer gekauft. Insgesamt 3 000 Besucher hatten hier Platz, 1 000 Sitzplätze standen zur Verfügung. Der Eintritt war frei. Das Restaurant im Freizeitzentrum bot als Tagesgericht im Wechsel eine andere internationale Spezialität an – jeweils passend zu einem der Teilnehmerländer. Kroatische Küche mit Cevapcici zum Beispiel – wie weitblickend.

Im Hains spricht man nun vom „unternehmerischen Risiko“ und ist dennoch optimistisch. Denn nach der WM ist vor der EM. In zwei Jahren steigt also die nächste Fußballparty. Und das Hains will wieder mit dabei sein, so viel steht fest. Ex-Fußballer Wirth, der vor einem Jahr die Töppen an den Nageln hängte, geht von einer runderneuerten deutschen Mannschaft aus, die dann wieder ganz oben mitspielt. „Als Sportler sage ich, da wird einiges hinterfragt, vieles anders gemacht und es wird besser werden. Ganz bestimmt.“

Die WM-Arena wird nun abgebaut. Bereits ab diesem Mittwoch steht wieder ein Tennisplatz zur Verfügung, am Donnerstag öffnet der zweite Platz. In dieser Sportart gab es ja am Wochenende wieder mal etwas zu feiern: die deutsche Wimbledon-Siegerin Angelique Kerber.