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Frühjahrsputz mit Zwottel

Auch ein ernstes Thema lässt sich närrisch verpacken: Beim 22. Hexenfasching geht es um Müll und Wertstoffe.

© Thomas Morgenroth

Von Thomas Morgenroth

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Ich spiele mal Frau Holle!“, ruft Zwottel fröhlich aus dem Fenster und lässt aus einem Sack leere Blechdosen auf den gepflasterten Hof des Schlosses Weesenstein schneien. „Hilfe!“, schreit Tante Amrosina, zieht den Kopf ein und watschelt ein Stück zur Seite. Zwottel, eine Kreuzung aus Bernhardiner und Faxenclown, lässt sich indes nicht beirren. „Ich soll Frühjahrsputz machen, hat meine Omi gesagt“, kräht er und schmeißt Milchtüten, eine Kehrschaufel und sogar seinen Rucksack runter. Fünfundsiebzig Kinder der Grundschule Lohmen schauen zu und feuern ihn kreischend an. Zwottel nickt zufrieden. „Drinnen ist es jetzt sauber“, ruft er nach unten. „Aber draußen nicht mehr“, zetert Amrosina. Aber da naht schon in einem Affenzahn das Müllauto mit Oma Schrapnelda im Cockpit. Und schon sind wir mittendrin im 22. Weesensteiner Hexenfasching.

Die Stimmung ist ausgelassen, auch am Dienstagvormittag, als das Thermometer minus neun Grad Celsius zeigt. Dick eingemummelt marschieren Hexen, Indianer, Gespenster, Polizisten und sogar ein kleiner Zwottel mit dem närrischen Dreigestirn durch das Schloss, um dort gründlich aufzuräumen. Um Wertstoffe geht es, um deren Wiederverwendung und die Vermeidung von Müll. Ein ernstes Thema, das Thomas Schwalbe, Matthias Ullrich und Peer Tomaschweski als trotteliger Zwottel, unwissende Tante Ambrosina und kluge Oma Schrapnelda lustig verpacken, ohne dass der lehrreiche Inhalt verloren geht. Die Schlange aus Mädchen und Jungen windet sich durch den Gerichtssaal über den Rittersaal und das Kaminzimmer bis in Zwottels Spielzimmer, den großen Saal. Unterwegs lernen die Knirpse, dass aus leeren Joghurtbechern Regenjacken werden können, aus Sommereifen Winterlatschen, aus Omis zerrissenen Schlüpfern und Zwottels kaputten Socken Dämmmatten für das Auto, aus Papier Klorollen und aus alten Smartphones richtige Goldbarren. Am besten aber sei es, Müll zu vermeiden. Warum, zum Beispiel, fragt Omi Schrapnelda, muss eine Kokosnuss mit ihrer harten Schale noch in dicke Kunststofffolien verpackt werden? Ihre Demonstration, wie viel Verpackungsmüll ein einziges Überraschungsei produziert, sorgt sogar bei den Erwachsenen für Staunen. Tante Ambrosinas etwas derbes Fazit: „Die Menschheit ist total verblödet.“ Zum Glück klärt uns jetzt der Weesensteiner Hexenfasching auf unterhaltsame Weise über den vom Menschen verzapften Unsinn auf, und das kommt nicht nur bei den Kindern gut an. „Ich finde es super“, sagt Lehrerin Martina Moisel, als ihre Klasse durch den Saal tanzt und tobt. „Aus dem Programm können wir für unseren Sachunterricht viel aufgreifen.“ Organisatorin Antje Scholz vom Schloss erwartet in diesem Jahr rund 900 Gäste beim Weesensteiner Hexenfasching, etwa 300 weniger als 2017. „Viele Gruppen haben leider abgesagt, mit der Begründung, dass die Beförderungskosten mit Bus und Bahn zu hoch geworden sind“, bedauert sie. Wer will, kann aber auch ohne Schule oder Kindergarten kommen und Zwottel beim Frühjahrsputz helfen. Vorsicht aber, wenn er wieder Frau Holle spielt!

22. Weesensteiner Hexenfasching, geeignet für Kinder ab 4 Jahren, öffentliche Veranstaltungen am 10., 11. und 13. Februar, jeweils 15 Uhr; um Kostümierung wird gebeten, Anmeldungen unter 035027 6260.

www.schloss-weesenstein.de